Wie die Mobiliar ihre IT-Landschaft modernisiert

Oracle 12c wird "strategische Datenbank", Applikationen werden neu geschrieben. In neun Jahren soll der Mainframe abgeschaltet werden können.
 
Die 1826 gegründete Mobiliar, die älteste Versicherung der Schweiz, hat eine lange Geschichte von Übernahmen und Fusionen hinter sich. Das Resultat war unter anderem eine komplexe und unhandliche IT-Infrastruktur, mit vielen Datenbanken verschiedenster Provenienz, einem Mainframe und weiteren Servern von einer Vielzahl von Herstellern. Dazu kommen noch, typisch für ein grosses Finanzunternehmen, eine Vielzahl alter Cobol-Applikationen, die weiterhin im Einsatz stehen. Keine gute Voraussetzung, um zukünftiges Wachstum mit der notwendigen Schnelligkeit und Effizienz zu unterstützen.
 
Wie Oracle letzte Woche ankündigte, hat sich die Mobiliar nun für Oracle 12c als "strategische Datenbank" entschieden, um die Situation zu vereinfachen. Dadurch, so lässt sich Jochen Maas, Abteilungsleiter Basis Services im Informatik-Betrieb bei der Mobiliar von Oracle zitieren, habe man die Datenbank-Landschaft rationalisieren und modernisieren können. Das Resultat sei unter anderem eine Verbesserung der Applikations-Performance und eine Beschleunigung der täglichen Betriebsoperationen.
 
Oracle-Datenbanken konsolidiert
inside-it.ch hatte Gelegenheit, sich mit Thomas Baumann, Leiter IT Performance Management bei der Mobiliar, über den Stand und die Ziele des IT-Transformationsprojektes bei der Mobiliar zu unterhalten. Wie Baumann ausführte, konnte man bisher vor allem die Unzahl der früher vorhandenen Oracle-Instanzen, inklusive der Datenbanken übernommener Unternehmen, deutlich reduzieren. Laut Baumann bedeutet die Entscheidung für Oracle als strategische relationale Datenbank zudem, dass Applikationen, die in Zukunft neu entwickelt oder angeschafft werden, alle auf der Oracle-Datenbank basieren sollen.
 
Das grosse Ziel: Weg von Cobol und Mainframe
Aber auch den noch vorhandenen relationalen Datenbanken anderer Hersteller beziehungsweise den Applikationen, die darauf basieren, soll es nach und nach an den Kragen gehen. Eines der Ziele ist der endgültige Abschied vom Mainframe. Allerdings wird dies noch einige Zeit dauern: Die definitive Ablösung des Mainframes ist aus heutiger Sicht auf das Jahr 2024 angesetzt.
 
Die überkommenen Applikationen, teilweise noch in Cobol geschrieben, sollen neu mit Java umgesetzt und auf die Oracle-Datenbank aufgesetzt werden, so Baumann.

Wie die Erfahrung allerdings zeigt, laufen grosse Projekte zur Ablösung von Legacy-Applikationen manchmal schief und enden ohne Resultat und grossen in den Sand gesetzten Investitionen. Natürlich, so räumte Baumann auf unsere entsprechende Bemerkung hin ein, bestehe bei so langfristigen Projekten immer ein hohes Risiko, dass nicht alles so umgesetzt werde, wie ursprünglich geplant. Die Projekte bei der Mobiliar, so betonte er aber, würden nicht erst nach ihrem endgültigen Abschluss einen Nutzen bringen, sondern zeitigen schon vorher greifbare Resultate.
 
Beim Schadensystem, das bisher auf IBMs DB2 basiert, hat die Arbeit beispielsweise bereits begonnen. Die neue Plattform ist zu rund einem Drittel fertig. Das aus Benutzersicht zentrale Systemteil zur Schadensaufnahme ist schon umgesetzt worden und im Einsatz. Parallel arbeite man am System für den Verkaufsprozess und erwarte für Anfang 2017 erste produktiv nutzbare Resultate.
 
Legacy-Applikation mit In-Memory beschleunigt
Die Mobiliar führt auch Tests mit der In-Memory-Technologie von Oracle durch, um die dadurch erzielbaren Performance-Vorteile abzuschätzen. Das normale Vorgehen ist dabei laut Baumann, die Oracle Datenbanken zuerst von Version 11 auf 12c zu migrieren und dann die Wirkung der In-Memory-Option zu testen. Unter anderem wurde das schon zwanzig Jahre alte Risiko-Management-System auf der neuen Datenbank-Basis getestet. Und das Resultat überzeugte: Schon der erste Schritt brachte gemäss Baumann eine Verbesserung der Performance um den Faktor 2,5. Das Einschalten der In-Memory-Option bewirkte danach nochmals eine massive Beschleunigung: Die Verarbeitungszeiten reduzierten sich zusätzlich um einen Faktor zwischen 46 und 191 – je nach Abfrage.

Die Risiko-Management-Applikation soll nun die erste Anwendung bei der Mobiliar sein, die mit der In-Memory-Technologie im realen Betrieb eingesetzt wird. Gemäss Baumann sind die Vorbereitungen dafür im Gang, und schon ab Oktober soll die Umstellung in der Produktion vorgenommen werden. (Hans Jörg Maron)