CryptoFinance: Bitcoins, Blockchains und Smart Contracts

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Alle reden von Blockchain. Gastautor Christoph Jaggi klärt die Frage, was es ist und was man damit (zum Beispiel) machen kann.
 
Ein volles Haus, illustre Redner und ein intellektuell gefordertes Publikum: Die erste CryptoFinance-Konferenz letzte Woche in Zürich war ein voller Erfolg. So sah es auch Rino Borini, Organisator der Konferenz: "Unsere kühnsten Erwartungen wurden übertroffen. Mit über 250 Teilnehmern war die Kapazität des Veranstaltungsortes an Anschlag. Schon vier Tage vor der Konferenz konnten wir keine neuen Anmeldungen mehr annehmen."
 
Wir gehen an dieser Stelle auf die interessantesten Referate an der CryptoFinance-Konferenz ein. Am Schluss des Artikels finden Sie Erklärungen, was Kryptowährungen sind und wie eine Blockchain funktioniert.
 
Monetas: Verbindung von "on-chain" und "off-chain"
Monteas-CEO Johann Gevers ging in seiner Keynote auf die gesellschaftspolitischen Vorteile von Kryptowährungen ein. So strich er hervor, dass 53 Prozent der Weltbevölkerung keine formellen oder semi-formellen Finanzdienstleistungen verwenden und so als "unbanked" gelten. Mit der richtigen Technologie kann man diesen Leuten helfen, sich besser in die Wirtschaft einzubinden und Vermögen aufzubauen. Diese Technologie muss Eigentumsrechte sichern, Handelskosten senken und den Zugang zur globalen Wirtschaft öffnen.
 
Kryptofinanz verwendet digitale Signaturen um Eigentumsrechte zu sichern und die Handelskosten zu reduzieren. Die Transaktionen erfolgen schneller und sind billiger. "On-chain" (Verwendung von Blockchain) und "off-chain" (keine Verwendung von Blockchain) sind komplementär und synergetisch. Eine optimale Lösung verwendet eine ""off-chain" Infrastruktur für die Transaktionen und eine "on-chain" Infrastruktur für die Vermögenswerte, so verbinden sich die Vorteile tiefer Transaktionskosten, schneller Transaktionszeiten und sicherer Aufbewahrung von Vermögenswerten.
 
Die "off-chain" Infrastruktur von Monetas verwendet das Notar-Prinzip: Alle Transaktionen werden von einem Dritten, einem "Notar", beglaubigt. Der Sender hält fest, was er wem überweisen will, signiert dies mit seinem privaten Schlüssel und schickt die entsprechende Mitteilung an den Empfänger. Dieser bestätigt, dass er das Aufgeführte haben möchte und signiert dies mit seinem privaten Schlüssel. Diese Mitteilung schickt er an den "Notar", einer speziellen Software auf einem Server. Dieser überprüft die Signaturen, die Logik der vereinbarten Übertragung und ob die nötigen Voraussetzungen (z.B. genug Geld) erfüllt sind. Ist dies der Fall, so signiert er die Vereinbarung mit seinem Schlüssel und schickt die nun von allen drei Parteien signierte Quittung an die beiden beteiligten Parteien. Die Transaktion ist ausgeführt.
 
Der "Notar" ist dabei zu keinem Zeitpunkt im Besitz von Vermögenswerten der Kunden und handelt entsprechend nicht als Finanzintermediär. Ein eingebauter Revisor überprüft die Korrektheit aller Notariatsvorgänge in Echtzeit. Die Transaktion erfolgt in einem Sekundenbruchteil und verursacht Kosten von einem Bruchteil eines Rappens. Bis zu 15 Notare können in einem Stimmenpool zusammengefasst werden und der eingebaute "Revisor" kann nicht nur die eigenen Vorgänge, sondern auch die bei anderen "Notaren" überwachen. Ein solcher Pool lässt sich als Gateway zu anderen Systemen mit verteilten Kassenbüchern/Registern verwenden.
 
UBS: Ausloten möglicher Anwendungsszenarien
Die Präsentation von Alex Batlin, dem Lead des Crypto 2.0 Pathfinder Program bei der UBS in London, zeigte gleich zu Beginn anhand der Beispiele von Mt. Gox und Silk Road auf, dass die Wàhrung Bitcoin ein riskantes Geschäft sein kann. Die Blockchain hat aber das Potential, die Finanzbranche künftig nachhaltig zu verändern. Der Übergang von zentralisierten zu verteilten Architekturen wie den verteilten Kassenbüchern / Registern der Blockchain führt zu einer neuen Struktur, die auf Disintermediation von Vertrauen basiert. Verteilte notarisierte Kassenbücher / Register, Meldungszentralen und ein ebenso verteilter Ausführungsfluss können daraus resultieren.
 
Es geht bei bei weitem nicht nur um eine Kryptowährung wie Bitcoin. Betroffen sind alle möglichen Vermögenswerte. Und es hört auch dort nicht auf: Verteilte Apps (zum Beispiel Smart Contracts) können bestehende Finanzinstrumente neu gestalten und neue Finanzinstrumente ermöglichen. Alex Batlin wies auch darauf hin, dass es für bestimmte Einsatzbereiche eine Verbindung von Crypto und digitaler Identität braucht und dass die Erkundungsmission erst begonnen habe.
 
Ethereum: Smart Contracts
Vitalik Buterin gehört zu den wichtigsten Köpfen der CryptoFinance-Szene. Seine Präsentation fokussierte nicht auf die Ethereum-Plattform, sondern vielmehr auf Smart Contracts. Nach seiner Definition sind das Computer-Programme, die in einer sicheren Umgebung ausgeführt werden und direkt digitale Vermögenswerte kontrollieren.
 
Die Thematik "Smart Contract" behandelt Inside-it.ch in einem kommenden Artikel ausführlich. Dabei wird auch auf die Ethereum-Plattform eingegangen.
 
Die Konferenz hat aufgezeigt, dass in CryptoFinance sowohl viel Potential wie auch viel Komplexität liegt. (Christoph Jaggi)
 
Kryptowährungen: Bitcoin und Blockchain
Unter einer Kryptowährung versteht man eine digitale Währung bei der kryptographische Verfahren verwendet werden, um Geld zu generieren und Überweisungen zu verifizieren und die unabhängig von einer Zentralbank agiert. Wenn man von Kryptowährungen spricht, so kommt einem zuerst Bitcoin in den Sinn. Es gibt zwar mittlerweile schon über 3000 unterschiedliche Kryptowährungen, doch ist Bitcoin die mit Abstand populärste.
 
Bitcoin steht sowohl für eine virtuelle Währung wie auch für eine Währungseinheit und ist netzwerkbasiert. Um bei Bitcoin mitzumachen, braucht es eine Bitcoin-Adresse mit dem dazugehörigen privaten Schlüssel. Die Bitcoin-Adresse dient gleichzeitig als öffentlicher Schlüssel. Ladet man die Bitcoin-Software herunter, so ist all dies und auch ein Wallet mit dabei. Mit dem privaten und dem öffentlichen Schlüssel werden Transaktionen abgesichert. Dies ist die Kryptographie auf der Benutzerseite, welche Bitcoin zur Kryptowährung macht. Speziell an Bitcoin ist, dass die maximale Menge an herausgegebenen Bitcoins limitiert ist und jedes Bitcoin einer Bitcoin-Adresse zugewiesen ist. Jede Transaktion wird in einem verteilten Kassenbuch festgehalten. Die dafür nötige Infrastruktur liefert Blockchain.
 
Bei einer Blockchain handelt es sich um eine Transaktionsdatenbank, die von allen partizipierenden Knoten in einem auf dem Bitcoin-Protokoll basierenden System geteilt wird. Eine vollständige Kopie einer Blockchain enthält ein Journal mit sämtlichen Transaktionen, die jemals in einem solchen System getätigt wurden. Jede Transaktion wird in einen Block geschrieben und der Block an eine bestehende Kette angehängt. Jeder neue Block enthält den Hash-Wert des vorherigen Blocks in der Kette. Dies verhindert ein nachträgliches Abändern von früheren Transaktionen, da eine solche Änderung zu einem anderen Hash-Wert in den folgenden Blocks führen würde. Jeder Block ist bis auf den Ur-Block (Genesis Block), den ersten Block in einer Blockchain zurückverfolgbar. Netzwerkseitig verwendet Bitcoin ein einfaches Broadcast-Netzwerk um Transaktionen und Blöcke zu propagieren.
 
Kassenbücher und Bitcoin-Schürfer
Die verteilten Kassenbücher (Distributed Ledger) sind öffentlich und werden von sogenannten "Minern" (Schürfern) geführt. Diese Arbeit ist die einzige Art Bitcoins zu verdienen. Für diese Tätigkeit werden neue Bitcoins geschaffen. Zusätzlich kann der Eintrag einer Transaktion von einer Transaktionspartei mit Bitcoins belohnt werden. Um Missbrauch zu verhindern, muss jeder "Miner" für jede Transaktion ein kryptographisches Rätsel lösen, das ungefähr 10 Minuten Rechenzeit braucht. Damit eine Transaktion in die Blockchain Eingang findet, muss sie von der Mehrheit der "Miner" bestätigt werden. Transaktionen sind entsprechend langsam und teuer.
 
Bitcoin und die Blockchain sind anonym, dezentral und gewähren sichere Transaktionen über ein unsicheres Netzwerk. Bitcoin als virtuelle Währung ist und bleibt ein Nischenprodukt. Der ursprüngliche Hype ist verflogen und die Erwartungen haben sich mittlerweile der Realität angepasst. Bitcoins zu verdienen, ist mit Aufwand verbunden und ein Wechsel von Geld von einer anderen Währung in Bitcoin, um in Bitcoin bezahlen zu können, macht ökonomisch meist keinen Sinn. Viel Potential schlummert hingegen in der Blockchain und anderen von Bitcoin verwendeten Technologien.
 
Bitcoin und Blockchain als Technologie
Viele Grundmechanismen von Bitcoin, unter anderem das Prinzip der verteilten Kassenbücher/ Register bieten auch ausserhalb von der direkten Anwendung von Bitcoin als Währung viel Potential. So kann man Bitcoin, die Währung und die Geldeinheit, von Bitcoin, der Technologie, lösen. Dies ermöglicht die Übertragung und Registrierung anderer Vermögenswerte. Beschränkt man sich auf die Blockchain, so eröffnen sich auch da viele neue Anwendungsbereiche. (cj)