Roboter und Smart Agents übernehmen alles

Gartner-Analyst Daryl Plummer.
Gartners diesjähriges CIO-Symposium in Orlando war geprägt von Prognosen über die rasant aufziehende Ausbreitung von künstlicher Intelligenz, Deep Learning und ganz allgemein der exzessiven Nutzung von mathematischen Algorithmen, insbesondere in Verbindung mit dem Internet of Things.
 
Neben der allgemeinen Projektionen in der Eröffnungsrede des Gartner Symposiums gab es eine Reihe an Konkretisierungen. Die Gartner-Analysten publizierten zwei Aufstellungen: Konkrete Zukunftsprognosen, die sich über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahre bewahrheiten sollen, sowie technologische Trends, auf die CIOs ein Auge werfen müssen.
 
"Der Robotrend, also die Anwendung von autonomen Künstliche-Intelligenz-Lösungen wird die grössten Veränderungen in der IT-Welt auslösen", sagte Gartner-Analyst Daryl Plummer in seiner Präsentation der wichtigsten Entwicklungen der kommenden fünf Jahre. Er erwartet eine Reihe an emotionalen Problemen beim Umgang mit den neuen Robotern. "Wie verhält man sich, wenn man feststellt, dass der treue Lieblingshund, den man sich aus dem Tierheim geholt hat, ein Roboter ist?", fragte er rhetorisch. Solche und ähnliche Fragen zogen sich durch die gesamte Aufstellung.
 
Schreiberlinge werden Opfer der Digitalisierung
Auf Platz eins setzte Plummer die automatische Erstellung von Berichten und Artikeln. Das basiert auf dem, was sich in der Finanzwelt schon vor einigen Jahren etabliert hat. Viele Unternehmen nutzen spezielle Software, um aus maschinenlesbaren Börsenmeldungen in Fast-Echtzeit komprimierte Nachrichten zu erstellen, die sich wie eine normale Finanzmeldung lesen. Die News-Kanäle von Yahoo, der US-Versicherung Allstate oder der Nachrichtenagentur Associated Press nutzen diese Programme schon seit Jahren. Neue Anwendungsfelder sind die Spielberichte von Sportveranstaltungen, Pressemeldungen oder standardisierte Polizeiberichte. "Bis 2018 werden 20 Prozent aller Business-Dokumente automatisch generiert sein", lautet Plummers Prognose.
 
Auch IoT-Dinge benötigen Support
Platz zwei bezog sich auf das Hype-Thema Internet der Dinge (IoT). "In drei Jahren verlangen sechs Milliarden vernetzte Geräte Support", war seine Einschätzung über ein bislang wenig beachtetes Feld des IoT, dem Support. "Automatische Endsysteme sind nicht Selbstläufer. Sie müssen angepasst, modifiziert und weiter gepflegt werden", so Plummer weiter. Ein Mix aus IoT, Internet und künstlicher Intelligenz (KI) war Plummers dritte Prognose: "Bis 2020 werden fünf Prozent aller Wirtschaftstransaktionen von Software-Agenten ausgelöst und verarbeitet werden". Das ist eine neue Ebene an Autonomie, die über das hinausgeht, was schon heute an Automatisierung im Einsatz ist.
 
Der neue Boss – ein Roboter!
Besonders kontrovers wurde Plummers vierte Prognose unter den Teilnehmern diskutiert. "Bis 2018 werden über drei Millionen Personen einen Roboter als Boss haben", lautet Plummers Überzeugung. "Vor allem dort, wo die Arbeitsergebnisse relativ gut messbar sind, wie in der Fliessbandarbeit, im Verkauf oder im Service können selbstlernende Roboter die Management-Vorgaben umgehend in Ziele für die Mitarbeiter umsetzen und diese objektiv kontrollieren". Doch viele Teilnehmer zweifelten, ob Personen den Maschinenanweisungen folgen würden. Plummer konterte diese Einwände mit dem Hinweis auf die zunehmende Ablösung
David Cearley.
von komplexen menschlichen Tätigkeiten durch Automaten, wie dem Autopiloten.
 
Digitaler Vandalismus als Konkurrenzwaffe
Die fünfte Prognose basiert darauf, dass viele neue Smart-Nutzungen nicht den Sicherheitsstandard herkömmlicher Internet-Lösungen haben. So meint Plummer, dass bis 2018 ein Fünftel aller smarten Gebäude schon einmal Opfer von digitalem Vandalismus geworden sind. Das bezieht sich vor allem auf die vielen neuen digitalen Informations-Displays von Hotels, Flughäfen und ähnlichem. Hier könnten Hacker obszöne oder beleidigende Darstellungen einspielen, um Firmen oder Personen zu diskreditieren.
 
Mehr Maschinen als Mitarbeiter und Gesichtserkennung überall
Die Prognosen sechs und sieben sind nachvollziehbar, da sie bereits mehr oder weniger weit verbreitet sind. So meint Plummer, dass bis 2018 knapp die Hälfte der am schnellsten wachsenden Firmen weniger Mitarbeiter beschäftigen als maschinelle Instanzen. Ein Blick in Logistikzentren wie diejenigen von Amazon & Co zeigt, wohin die Reise geht. Ebenfalls bis 2018 werden Gesichts- und Spracherkennung Basis für eine Vielzahl von Kommunikationskanälen sein. Microsoft hat soeben mit der Gesichtserkennung "Hello" eine Alternative zu Passwörtern erschaffen und in vielen Hotels wird die Gesichtserkennung genutzt um der Rezeption anzuzeigen, wer gerade die Hotel-Lobby betritt.
 
Nicht nur Sicherheitsweste – auch Kamera und Pulszähler als "Arbeitskleidung"
Bei der achten Prognose geht es ebenfalls um die Zukunft von Arbeitsplätzen. "Bis 2018 werden zwei Millionen Personen auf der Arbeit Wearables tragen müssen, deren Ergebnisse an den Arbeitgeber übertragen werden", sagt er über den Business-Aspekt der neuen tragbaren Endgeräte, die bislang vor allem als Consumer Electronics eingestuft wurden. Als Indikatoren für diesen Trend sieht er die zunehmende Ausstattung von Polizisten und Feuerwehrleuten mit Video-Kameras. Aber auch bei anderen Berufen, bei denen die Gesundheit wichtig ist, werden solche Geräte zum Einsatz kommen. Hierzu verweist er auf Piloten, Busfahrer, Inspektoren von gefährlichen Betriebsbereichen oder hohe Politiker.
 
Smart Agents entlasten von Routineaufgaben
Die neunte Prognose lautet, dass bis 2020 rund 40 Prozent aller mobilen Interaktionen von sogenannten Smart-Agents ausgeführt werden. Dabei handelt es sich um hochintelligente virtuelle persönliche Assistenten (VPA), die völlig autonom Alltagsaufgaben übernehmen. Als Beispiel nannte Plummer eine Auto-Inspektion. Ein VPA wird fortlaufend mit den Fahrzeugdaten gefüttert und erkennt bald fällige Verschleissteile. Selbstständig ruft er die Vertragswerkstatt an und vereinbart einen Termin, bei dem er den persönlichen Kalender des Fahrers als Basis nimmt. In einer erweiterten Version kann er dann das autonome Auto fahrerlos zur Werkstatt schicken, von wo es nach der Inspektion wieder zurück in die Garage kommt.
 
Digitale Maschen, smarte Maschinen und neue Realitäten
Weniger futuristisch ist die zweite Liste, die von David Cearley präsentiert wurde. Seine Hinweise auf die derzeit wichtigsten Trends lassen sich in vier Kategorien zusammenfassen: Das digitale Maschennetz, smarte Maschinen und die neue digitale Realität. Unter dem digitalen Maschendraht subsummiert Cearly die weiterhin rasant ansteigende Gerätevielfalt, die ebenso steigenden Ansprüche der Anwender und 3D-Druck. Zu den smarten Maschinen gehören Maschinen-Lernen, autonome Agenten und Geräte, sowie die universal verfügbare Informationsvielfalt. Die neue Realität besteht für Cearley aus neuen IT-Architekturen und –Plattformen. Insbesondere spricht er hierbei von IoT, neuen Services und adaptiven Sicherheits-Architekturen. (Harald Weiss)