IoT am Flughafen Zürich

Am Flughafen Zürich hat die Software AG ihre bereits im Oktober lancierten Erweiterungen der Integrationsplattform webMethods Schweizer Kunden gezeigt.
 
Der Flughafen Zürich zeigte gestern an einem Medienanlass, wie man die komplexe Systemlandschaft am Flughafen integriert. Der Flughafen setzt dafür webMethods der Software AG ein.
 
Interessant war die praktische Charakterisierung der Plattform durch den IT-Leiter der Flughafen Zürich AG, Konrad Zöschg. Dort steht webMethods schon seit rund 13 Jahren im Einsatz und wird sukzessive erneuert. Zöschg nannte die von dem Hersteller unter dem Begriff Industrie 4.0 respektive IoT (Internet of Things) angepriesenen Novitäten gegenüber inside-it.ch ganz praktisch "kontinuierliche Prozessoptimierung". Die Flugindustrie gehöre zu denjenigen, die schon lange im Industrie-4.0-Modus arbeite, beschreibt er die Situation. Allein die am Flughafen Zürich seit Jahren praktizierte Gepäckabwicklung sei ohne das, was heute unter dem Stichwort "Digitalisierung" der Prozesse angepriesen werde, undenkbar.
 
Schnittstellen-Bündelung
Er illustrierte die Funktion von webMethods als eine starke Vereinfachung der Einbindung von den unterschiedlichsten Systemen am Flughafen Zürich. Sie umfassen insgesamt rund 300 verschiedene Schnittstellen, über die Meteo-Informationen genauso eingebunden sind wie das Facility Management. Ursprünglich eingeführt habe man das Werkzeug, weil die Komplexität des Schnittstellen-Managements kontinuierlich gewachsen sei. Statt die wachsende Menge an Prozessen auf Standards zu trimmen, habe man sie auf einer Plattform zusammenführen können. So sei es heute möglich geworden, die auf die Flughafen-Infrastruktur zugeschnittenen fast 200 Prozesse zentral auszuwerten und zu kontrollieren. Und zwar ohne, dass die Flughafen Zürich AG seine spezifischen, individuellen Qualitätskriterien aufgeben musste.
 
Das sei beispielsweise deshalb ein entscheidender Grund gewesen, weil "unsere IT-SLAs eine maximale Serviceausfallzeit von acht Stunden pro Jahr erlauben", wie Zöschg ausführte. Für alles was darüber hinausgeht, habe er sich vor dem Management zu verantworten. webMethods fasse also gleichsam die Verbindung der Prozesslandschaft zu einer grossen intelligenten Schnittstelle zusammen, versinnbildlicht er die Situation. Damit sei die Kontrolle und Auswertung der aus den Prozessen stammenden Daten vergleichsweise einfach in jeder Art von Monitoring-Tool abbildbar und liefere alle nötigen Grunddaten für Automatisierungen oder ergänzend Erkenntnisse zur Entscheidungsfindung im täglichen Betrieb. So würden über die auf sieben Produktions-Servern laufende Software, in die unter anderem rund 800 Firewalls integriert sind, täglich rund eine Millionen Service-Requests bearbeitet.
 
In- statt Outsourcing
Interessant ist dabei, dass die Flughafen Zürich AG zu den Unternehmen gehört, die sukzessive ehemals an Service-Provider ausgelagerte Prozesse kontinuierlich wieder in die eigene Regie übernommen hat. Bei diesem Insourcing, so Zöschg, hat der Business-Case jedes Mal gestimmt. So profitiere man heute von Synergieeffekten. Zudem ist für ihn entscheidend, dass seine Mitarbeiter das technische Wissen optimal mit Flughafen-Prozesswissen ergänzen. Dadurch entstünden "zusammen mit den Flughafenpartnern wertschöpfende Lösungen".
 
Flughafenalltag
Zöschg kann webMethods, über das heute auch diverse eher exotische Prozesse eingebunden seien, mit einem Team von nur 2,5 Mitarbeitern managen, wie er erklärt. Insgesamt zählt die Informatik-Abteilung der Flughafen Zürich AG rund 140 Mitarbeiter, 120 davon arbeiten intern. Das IT-Team betreue neben der Flughafen Zürich AG selbst rund 350 Kunden am Flughafen von anderen flughafennahen Betrieben oder Airlines. webMethods als Integrationsplattform spiele dazu neben der reinen Netzwerkanbindung und eine wichtige Rolle. Seine IT-Abteilung erwirtschaftet rund 24 Millionen Franken externen Umsatz jährlich. Beim Gesamtumsatz will Zöschg sich nicht festlegen, er dürfte aber bei rund 40 Millionen Franken liegen. Dazu muss man wissen, dass die Flughafen Zürich AG mit seinem Fokus auf die Verkehrsdrehscheibe zwar 1?600 Mitarbeiter beschäftigt, auf den gesamten Flughafen-Campus jedoch rund 25?000 Menschen in über 280 Firmen arbeiten.
 
Die IT betreue jedoch keineswegs nur Flughafen-Standardlösungen, wie man vielleicht im ersten Moment annehmen würde. Neben Flug- Passagier- und Gepäckabfertigungssystemen gehören gebäudenahe IT-Infrastrukturen ebenfalls dazu oder zum Beispiel die Flughafen-App für iOS- und Android-Geräte sowie etwa die interaktiven Fernrohre auf der Flughafen Besucherterrasse. Bei fast allen diesen Systemen arbeite webMethods zuverlässig im Hintergrund und stelle sicher, dass die Daten optimal integriert von einem zum andern System übertragen und aufbereitet werden, erklärt Zöschg. Aber genauso seien die Anzeigen hinter der Pass- und Grenzkontrolle der Flughafenpolizei in webMethods integriert oder auch die Türsteuerung innerhalb des Deboarding-Prozesses. Aber auch das Aufzeigen der kürzesten Wege zum Anschlussflug für Passagiere mit kurzen Umsteigezeiten, gehöre in diese Kategorie. (Volker Richert)