UK-Stromnetz schwächelt

Eine Studie warnt vor dem unzuverlässigen Stromnetz der UK. Im Ausland seinen die Daten sicherer.
 
"Wenn die Latenz kein Problem ist, sollten Server in Länder mit einer besseren Energieversorgung verlagert werden", so das Fazit einer Studie von Northbridge Energy Partners, die 'Data Center Dynamics' aufgegriffen hat. Das Stromnetz des Vereinigten Königreichs stosse an seine Grenzen. Dies werde sich auf die Entwicklung von Rechenzentren in der Zukunft auswirken.
 
Im Sommer berichtete 'BBC', dass die ungenutzte Kapazität des Netzes so niedrig sei, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das Risiko für Stromausfälle, insbesondere im Winter, steige. Als Ursache nennt 'BBC' die Schliessung von mehreren alten Kraftwerken.
 
Dem Report von Northbridge zufolge, machen Rechenzentren 1,5 bis zwei Prozent des gesamten Stromverbrauchs der UK aus. Mit der steigenden Digitalisierung könne diese Zahl nur weiter wachsen. Das Land verfüge aber über eine bedenklich kleine Stromreserve, was dem Rechenzentrumswachstum nur wenig Spielraum lasse, so der Analyst und Autor des Berichts Peter Kelly-Detwiler.
 
Die teilweise veraltete Infrastruktur und niedrigen Reserven würden es immer attraktiver machen, Daten ausserhalb des Landes zu speichern. Als Alternativen nennt der Analyst die nordeuropäischen Länder oder Quebec in Kanada. Diese Standorte würden über bessere Energiesicherheit und zuverlässigere Stromnetze verfügen. Den Ländern Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen würden zudem grosse Ressourcen an erneuerbaren Energien zur Verfügung stehen und die Quebec-Region profitiere von billiger Energie aus Wasserkraft. Die Schweiz wird nicht erwähnt.
 
Unsichere Zukunft
Obwohl das Vereinigte Königreich von einer grossen Nachfrage an Rechenzentrums-Dienstleistungen profitiere, sei die Zukunft mit Hinblick auf die Stromversorgung für diese Industrie sehr ungewiss.
 
Für 2016/2017 wird eine Marge von null bis vier Prozent Reserve erwartet und auch in den fünf Jahren danach steige sie kaum über sechs Prozent. "Diese Prognosen sollten Rechenzentrumsanbieter, die planen, sich in der UK niederzulassen, einen guten Grund geben, dies nochmals zu überdenken", zitiert 'Data Center Dynamics' den Analysten weiter. Nicht nur die gesamte verfügbare Strommenge sei ein Problem, auch die Zuverlässigkeit des Netzes scheine sich nicht zu verbessern.
 
Ein Ansatz um das Stromproblem der UK lösen zu können, sei, einen Teil der Rechenzentrumsinfrastruktur ins Ausland zu verlagern. Dies würde die Latenzzeiten erhöhen. Jedoch würden sogar im Finanzsektor nur zehn bis 15 Prozent der Applikationen eine sehr geringe Reaktionszeit fordern, so der Bericht mit Bezug auf eine weitere Studie. (kjo)
 
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