Wenn Autos zu "Heimelektronik" werden

Ford GT: Der 600-PS-Bolide ist das offizielle Auto der CES 2016
Autos, virtuelle Realität und vernetztes Zuhause im Fokus der CES.
 
Am Mittwoch beginnt die CES in der glitzernden Kasino-Metropole Las Vegas. Die "Consumer Electronics Show" kann nächstes Jahr ihren fünfzigsten Geburtstag feiern. In dieser Zeit hatte sie einige Höhen und Tiefen zu verbuchen. Obwohl die Branchenmesse nicht für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich ist, sondern hauptsächlich für Industrieinsider, -Beobachter und Einkäufer gedacht ist, sind die Besucherzahlen in den letzten Jahren wieder kontinuierlich gestiegen. Dieses Jahr werden rund 170'000 erwartet. Unter anderem liegt das daran, dass sich der Themenbereich immer mehr ausweitet: Immer mehr Alltagsgegenstände sind heutzutage "smart" und werden damit zum Thema für die CES.

Gegenwärtig entwickelt sich die CES beispielsweise zu einer veritablen Autoshow. Vor einem Jahr präsentierte hier Daimler seinen futuristischen selbstfahrenden Prototypen F015, ein Audi fuhr autonom 900 Kilometer von Kalifornien in die Kasino-Stadt in der Wüste von Nevada.

Diesmal werden wohl vor allem Elektroautos im Mittelpunkt stehen. Erwartet wird, dass die Opel Mutter General Motors die produktionsreife Version ihres kleineren und günstigeren elektrischen Chevy Bolt enthüllt.

Spekulationen über Elektro-Bulli
Der vom Abgasskandal durchgerüttelte Volkswagen-Konzern will ebenfalls ein Elektrofahrzeug vorstellen. Spekuliert wird, es könnte eine mit Strom fahrende Neuauflage des legendären VW-Busses sein. Zwei von Volkswagen veröffentlichte Fotos mit Vorder- und Rückansicht lassen auf jeden Fall einen Van vermuten.

Ausserdem will der von einem chinesischen Milliardär finanzierte Tesla-Herausforderer Faraday Future einen ersten Blick auf sein Fahrzeug erlauben, das bereits im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll. Die Firma, über die kaum etwas bekannt ist, sorgte jüngst für Aufsehen mit Plänen für den Bau einer mehr als eine Milliarde Dollar teuren Batteriefabrik. Von dem Auto war bisher aber gerade einmal der Schatten in einem kurzen Video auf der Website zu sehen.

Schliesslich gab es zuletzt Medienberichte, Google und Ford wollten auf der CES eine Partnerschaft für selbstfahrenden Autos bekanntgeben. Der Autoriese soll demnach die von Google entwickelten kleinen Elektro-Zweisitzer für die Stadt bauen. Einer anderen Darstellung zufolge kommt die Software des Internet-Konzerns für autonomes Fahren in Ford-Fahrzeuge. So oder anders: Es wäre die erste grosse Partnerschaft von Google mit einem Auto-Giganten. Bisher setzten die Autohersteller eher auf die Entwicklung eigener Alternativen.

Viele neue Gadgets
Auch wenn Autos sich ins CES-Rampenlicht drängen die Konsumenten-Elektronik, mit der die Messe vor fast 50 Jahren begann, ist auch noch da. Hier zeichnen sich dieses Jahr vor allem drei Schwerpunkte ab: Virtuelle Realität, das Internet der Dinge mit dem vernetzten Zuhause und alle Arten von Wearables.
 
Für die VR-Brillen, mit denen der Nutzer in virtuelle Welten abtauchen kann, kommt 2016 möglicherweise nach jahrelanger Entwicklung der erste richtige Markttest. Samsung verkauft seine Gear VR bereits, demnächst folgen Sony mit der Playstation VR und die Brille des Pioniers Oculus, der inzwischen zu Facebook gehört. Jetzt wird es Zeit, mit Inhalten wie Spielen und Videos zu zeigen, was die Technik kann. Schliesslich muss der Konsument überzeugt werden, sich recht klobige Geräte aufzusetzen, die an undurchsichtige Skibrillen erinnern.

Samsung will die CES nutzen, um bei der Heimvernetzung das TV-Gerät in den Mittelpunkt zu rücken. "Der Fernseher ist mit allen Konnektivitäts-Optionen ausgestattet, damit kann er ideal als Hub für die Vernetzung der Hausgeräte fungieren", sagt Samsung-Manager Kai Hillebrandt. Der südkoreanische Elektronik-Riese kündigte an, dass alle seine neuen Fernsehgeräte mit Ultra-HD-Auflösung auch als Schaltzentralen für das vernetzte Zuhause eingesetzt werden könnten. Insgesamt dürfte es eine Flut von Technik für das Smarthome geben.

Bei den Wearables waren in den vergangenen Jahren in Las Vegas viele Fitness-Tracker und Computer-Uhren zu sehen, die meisten hinterliessen jedoch kaum eine Spur ausserhalb des Messegeländes. Seitdem etablierte sich die Apple Watch vom Start weg als Marktführer bei Computer-Uhren und der Platzhirsch Fitbit bleibt die Nummer eins im Geschäft mit Fitness-Bändern. Die CES könnte einen Hinweis geben, was die Konkurrenz dagegen zu bieten hat.
 
Es gibt aber auch noch Innovationen in ganz traditionellen Produktekategorien, so bei den Laptops. Lenovo beispielsweise wird an der CES das weltweit erste Notebook mit OLED-Display (ThinkPad X1 Yoga) zeigen und propagiert zudem ein Tablet mit einem modularen Konzept. Die Zusatzmodule für das ThinkPad X1 Tablet umfassen nicht nur eine Tastatur mit Zusatzakku, sondern auch ein Präsentationsmodul mit einem direkt anschliessbaren Mini-Projektor sowie ein "3D-Imaging-Modul" mit einer nach hinten gerichteten RealSense-Kamera von Intel. Je nach App ermöglicht diese beispielsweise Gestensteuerung oder die direkte Verwendung von Aufnahmen für 3D-Kreationen. (sda/hjm)