Auch ERP-Support nach Verbrauch abrechnen

Es müssen nicht immer neue Features sein, mit denen ERP-Anbieter zu überzeugen versuchen. Beim Business-Software-Anbieter Winoffice aus Baar hat man mit der Aktualisierung der Supportbedingungen Neuland betreten und ist auf diese Weise näher an seine Kunden herangerückt. Wie Geschäftsführer Josef Mercurio gegenüber inside-it.ch festhält, habe sich aufgrund von Gesprächen mit Anwendern der Umstieg auf eine verursachergerechten Softwarepflegepauschale ergeben.
 
Damit hebt sich Winoffice deutlich von den vertraglich fixierten traditionellen Support-Pauschalbeträgen ab. Die sind bekanntlich auch dann fällig, wenn sie nicht oder nur teilweise genutzt werden. Im Cloud- und Service-Zeitalter ein ins Hintertreffen geratenes Verrechnungsmodell von Dienstleistungen, wie Mercurio ausführt, dessen Software seit 2011 "as a Service" verfügbar ist.
 
Konkret haben die Baarer rückwirkend auf den 1. Januar 2016 ein "jährliches Dienstleistungsguthaben" statt einer Pauschale eingeführt. Dazu wird die im Vertrag aufgeführte jährliche Softwarepflegepauschale für Standardmodule mit dem Faktor 1,3 in ein Guthaben konvertiert. Womit ein man einen Preisvorteil von 30 Prozent gegenüber üblichen Konditionen gewähre, wie es in einer Mitteilung an die Kunden heisst. Wer kaum oder keinen Support bezieht, der kann sich den Betrag wieder auszahlen oder ins nächste Jahr transferiert lassen, erklärt Mercurio: "Der Betrag verfällt nicht".
 
Der Winoffice-Chef macht aber nicht nur ernst mit der verursachergerechten Abrechnung, sondern streicht auch die als bürokratisch empfundene 15-Minuten-Grenze mit dem sich anschliessenden Auslösen eines schriftlichen Auftrages. Zum beidseitigen Schutz ist solch ein Auftrag neu erst nach einer Stunde nötig, wie es heisst. Dabei spielt es nun keine Rolle mehr, ob Auskunfts- oder Störungsdienste oder Regieleistungen bezogen werden. Das Guthaben kann aber auch für Reportanpassungen, das Einspielen von Updates, für Individualisierungen oder andere Software-Anpassungen eingesetzt werden. Wobei alle Leistungen im Minutentakt abgerechnet werden. So entfalle beispielsweise die "zuweilen als intransparent empfundene Unterscheidung zwischen 1st- und 2nd-Level-Support", heisst es in der Mitteilung weiter.

Wer dieses Abrechnungsmodell konsequent ausnutzt und bei Fragen beispielsweise zunächst online verfügbaren Informationen abruft, kann also seine Supportkosten stark minimieren oder bis zum nächsten Update ganz einsparen. – Laut Mercurio könnte sich allenfalls für Vieltelefonierer, die bei jedem auftretenden Problem sofort den persönlichen Kontakt zu einem Spezialisten suchen, dieses verursachergerechte Abrechnungsmodell zur Softwarepflege nachteilig auswirken. (vri)