Leider nein (telefonische Folge)

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.
 
Tüüt. Tüüt. Tüüt. Tüüt. Tüüt. etc. Sie: Meierhans Informatik AG Rüdisühli spricht Grüezi. Ich: Grüezi Frau Rüdisühli. Meine Name ist Hugenschmidt. Ich bin Journalist bei inside-it.ch und hätte gerne Herrn Meierhans gesprochen. Sie: Wie ist Ihr Name? Ich: Hugenschmidt. Sie: Worum geht es? Ich: Sie haben eine Pressemitteilung verschickt und Herr Meierhans ist die Ansprechperson. Sie: Was haben Sie verschickt? Ich: Sie haben verschickt, das heisst, Ihre Firma hat verschickt, nämlich eine Pressemitteilung. Sie: Und um was geht es? Ich: Eben, ich hätte noch ein paar Fragen an Herrn Meierhans. Sie: Für welche Firma arbeiten Sie? Ich: Ich arbeite für inside-it.ch. Sie: Wie schreibt man das? Ich: Ich schreibe für (deutsch ausgesprochen) i-n-s-i-d-e-minus-i-t-punkt-c-h. Sie: Und was wollen sie von Herrn Meierhans? Ich: Eigentlich will ich nichts von Herrn Meierhans. Aber Ihre Firma hat eine Pressemittelung verschickt und ich habe noch ein paar Fragen dazu. Sie: Was wollen sie denn fragen? Ich: Ich wollte Herrn Meierhans zum Bespiel fragen, wie er den gedenkt, mit dem Database-as-a-Service-Angebot Geld zu verdienen. Und wie er den Aufbau des Business finanziert. Sie: Was für ein Angebot? Von dem weiss ich nichts. Ich: Das macht nichts. Ihre Firma hat es in einer Pressemitteilung angekündigt und ich habe noch ein paar Fragen dazu. Sie: Und diese Pressemitteilung haben wir Ihnen geschickt? Ich: Genau. Ich arbeite ja eben für inside-it.ch und man schickt uns solche Pressemitteilungen. Sie: Davon weiss ich nichts. Wer hat ihnen die Pressemitteilung denn geschickt? Ich: Ihre Agentur, Hüsler-PR. Sie: Und nun wollen sie Herrn Meierhans etwas fragen. Herr Meierhans ist aber in den Ferien und erst in drei Wochen wieder erreichbar. Ich: Dann geben Sie mir doch die Mobile-Nummer von Herrn Meierhans. Sie: Das darf ich nicht. Können sie nicht drei Wochen warten? Ich: Wir werden heute eine Story über Meierhans Informatik schreiben und veröffentlichen. Sie: Was wollen Sie denn schreiben? Ich: Das weiss ich noch nicht. Ich muss ja zuerst Herrn Meierhans ein paar Fragen stellen. Sie: Das geht jetzt aber nicht. Ich: Schicken Sie Herrn Meierhans doch bitte ein SMS, er soll mich anrufen. Sie: Das könnte ich tun. Wie war ihr Name schon wieder. Ich: h-u-g-e-n-s-c-h-m-i-d-t. Sie: Und für welche Firma arbeiten Sie schon wieder. Ich: Für die Huron AG. Aber das ist egal. Denn ich schreibe für Inside-it.ch und Herr Meierhans will unbedingt mit mir reden. Ganz sicher. Sie: Das entscheidet Herr Meierhans dann schon noch selber, gälledsi. Ich: Momoll. Sonst hätte er mir keine Pressemitteilung geschickt. Bitte schicken Sie Herrn Meierhans ein SMS. Sie: Also gut, das kann ich tun. Fünf Minuten später. Ich: Hugenschmidt. Er: Meierhans: Ich: Danke für den Rückruf. Sie - der Aufbau eines Cloud-Services kostet doch einiges Geld. Wie haben Sie das finanziert. Er: Das sage ich Ihnen sicher nicht. Ich: Das müssen Sie auch nicht. Der Artikel über Ihre Firma wird halt einfach interessanter, wenn man ein paar Sachen weiss. Er: Schreiben Sie doch einfach, dass wir von der führenden Firma Meierhans Informatik das innovative neue Angebot Database-as-a-Service auf den Markt bringen. Ich: Haben Sie denn schon Kunden? Er: Ja. Ich: Wieviele? Er: Das sage ich Ihnen sicher nicht. Ich: Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Er: Das sage ich Ihnen sicher nicht. Ich: Gut. Dann belassen wir das so. Ich wünsche Ihnen schöne Ferien. Er: Kann ich den Artikel vor der Publikation denn noch lesen? Ich: Nein. Er: Aber ich kann doch sicher noch ein "Gut zum Druck" erteilen. Ich: Nein. "Gut zum Druck" gibt es bei Inseraten. Ich schreibe aber einfach einen Artikel. Er: Und was steht da drin? Ich: Das weiss ich noch nicht. Er: Sie dürfen aber nichts Negatives schreiben. Ich: Momoll. Das darf ich schon. Dem sagt man Pressefreiheit. Er: Damit kann jeder kommen. Aber Sie sind ja online, oder? Ich: Ja. Wir sind eine Online-Zeitung. Er: Und da dürfen Sie schreiben was Sie wollen? Dafür bezahlen wir Sie aber nicht! Ich: Sie bezahlen uns eh nichts. Er: Aha. Nicht? Ich: Nö. Er: Und woher haben Sie denn unsere Pressemitteilung? Ich: Die haben Sie uns geschickt. Er: Ich? Ich: Ihre Agentur. Er: Und jetzt dürfen Sie schreiben was sie wollen? Ich. Ja. Wir dürfen immer schreiben, was wir wollen. (Christoph Hugenschmidt)