Viele Fallstricke für IoT-Projekte

Gartner glaubt, dass der überwiegende Teil der IoT-Projekte länger dauern und mehr kosten wird, als Unternehmen veranschlagen.
 
Bis 2020, so prophezeit der Marktforscher Gartner, wird mehr als die Hälfte aller neu entwickelten Business-Prozesse und -Systeme zumindest eine "Internet-of-Things"-Komponente beinhalten. Das Mass, in dem IoT-Applikationen gleichermassen das Leben von Privatpersonen als auch die Geschäftsmodelle von Unternehmen beeinflussen, nimmt rapide zu, weil es immer billiger wird, Produkte mit Sensoren und kleinen Computern auszurüsten und sie zu vernetzen.
 
Risikoreiche Projekte
Der Trend zu immer mehr IoT wird aber auch einige unerwartete Effekte haben, so Gartner. Unter anderem seien IoT-Projekte, zumindest aktuell, noch risikoreicher, als andere IT-Projekte. In den kommenden drei Jahren würden drei von vier IoT-Projekten bis zu doppelt so lange dauern, und auch entsprechend mehr kosten, als geplant. Dabei gelte (wie allerdings auch bei anderen IT-Projekten): Je höher die Kompexität, desto höher das Risiko.
 
Die Projektverzögerungen werden laut Gartner eine weitere negative Folge haben: Um Zeitpläne trotzdem einigermassen einzuhalten, werden in manchen Fällen Konpromisse eingegangen werden, die dann zu Schwächen in den Breichen Security und Leistung oder zu mangelnder Integration in existierende Prozesse führen. Mittel- bis längerfristig werden sich viele Unternehmen gezwungen sehen, solche Projekte stark nachzubessern oder sogar ganz neu von vorne zu beginnen.
 
Am häufigsten, so der Gartner-Mann Alfonso Velosa, wird dies bei produktorientierten Unternehmen passieren.
 
IoT-Security wird immer teurer
Gerade anfäglich eingegangene Kompromisse bezöglich der Sicherheit von IoT-Applikationen werden dazu führen, dass die Budgets für IoT-spezifische Security-Produkte und -Services überproportional steigen, so Gartner. Gegenwärtig würden sie noch weniger als ein Prozent der Gesamtausgavben für IT-Security-Ausgaben ausmachen. Bis 2020 sollen es über 20 Prozent sein.
 
Milliardenschwerer Schwarzmarkt für gefälschte Daten
Dies ist die wohl kontroverseste Prophezeiung der Gartner-Experten: In den kommenden Jahren, so sagen sie, wird ein riesiger Schwarzmarkt für gefälschte Sensoren- und Videodaten entstehen, der bis 2020 bereits über 5 Milliarden Dollar Umsatz haben wird. Die Käufer werden die gefäschten Daten sowohl für kriminelle Aktivitäten als auch für den Schutz ihrer Privatsphäre einsetzen.
 
Die Natur von IoT-Lösungen schaffe neue Bedrohungen für Sicherheit und den Schutz der Privatsphäre. Dieses schnell steigende Risiko beinhalte eine Komplexität, mit der die meisten Business- und IT-Leader noch nicht vertraut seien.
 
"Das IoT hat ein riesiges Potential, um kontinuierlich Daten über unsere Umgebung zu sammeln", kommentiert Gartner-Mann Ted Friedmann. "Die Integrität dieser Daten wird entscheidend sein für persönliche und geschäftliche Entscheidungen, von medizinischen Diagnosen bis zum Umweltschutz, von der Maschinensteuerung bis zur Zutrittskontrolle. Ein Schwarzmarkt für gefälschte Sensoren- und Videodaten bedeutet, dass Daten kompromittiert oder mit manipulierten Daten ersetzt werden können." Dies wiederum, so Gartner, werde in der Öffentlichkeit zu einer neuen grossen Diskussion zum Thema Datenschutz und Privatsphäre und gleichzeitig zu einem grossen Wachstum des Geschäfts mit Datenschutz-Produkten und -Services führen. (Hans Jörg Maron)