Solothurn will Kommissar Computer nicht

Statt für die Verbrechensvorhersage auf Software zurückzugreifen, belässt es die Kapo Solothurn bei ihrer Sensibilisierungskampagne.
 
Obwohl diverse Polizeikorps in der Schweiz, zum Beispiel die Kantone Aargau und Baselland und auch die Stadtpolizei Zürich die Verbrechensvorhersage-Software "Precobs" einsetzen, will die Kantonspolizei (Kapo) Solothurn vorerst nicht auf sie zurückgreifen. Das geht aus einer Antwort der Solothurner Regierung auf eine Interpellation der FDP hervor. Validierte Zahlen, dass sinkende Einbruchszahlen vom Rückgriff auf Precobs verursacht sind, lägen bisher nicht vor und müssten abgewartet werden.
 
Bei ihrer Einschätzung der Arbeit von Precobs folgen die Solothurner offensichtlich nicht den unter anderem von der Kapo Zürich prognostizierten Erfolgszahlen. Denn viel Wohlwollen für die Software versprüht hatte schon im März 2015 Felix Lengweiler, Chef der Kriminalabteilung der Stadtpolizei Zürich. Bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2014 hielt er fest, dass die Einbruchsdiebstähle stadtweit insgesamt zwar um sieben Prozent rückläufig seien, sich mit dem Rückgriff auf Precobs aber um 15 Prozent und damit mehr als doppelt so stark reduzieren lassen. Aktuell heisst es hingegen aus Solothurn, ein Zusammenhang zwischen der Einführung von Precobs und dem Rückgang der angezeigten Einbrüche sei "nicht unbedingt ein ursächlicher".
 
Ganz vom sogenannten "predictive policing" will man sich aber in Solothurn nicht verabschieden. Vielmehr soll die Entwicklung beobachtet und Anfang 2017 eine Evaluation "fundierter und validierter" Zahlen in- und ausländischer Polizeikorps vorgelegt werden. Denn für die Kapo Solothurn ist klar, dass die vorausschauende Polizeiarbeit "sich zu einem festen Bestandteil der Polizeianalyse entwickeln wird". Unterdessen werde man zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität an der kostengünstigen, mehrjährigen Sensibilisierungskampagne "Gemeinsam gegen Einbrecher" festhalten. Ausserdem seien die Einbruchszahlen ohnehin rückläufig. 2015 seien rund 25 Prozent weniger Einbrüche als 2014 erfolgt. Die eingesetzten Mittel "genügen derzeit" , so die Kapo Solothurn. (vri)