Wo stehen wir in der Unternehmens­transformation?

C-Level-Umfrage zeigt: Die meisten Schweizer Unternehmen haben erste Gehversuche in Richtung digitale Transformation gestartet. Erfolge haben aber noch Seltenheitswert.
 
Wer sich in unserer globalisierten, miteinander vernetzten und vor allem digitalen Wirtschaftswelt keine Zeit für das Neue nimmt, wird von eben diesem eingeholt. Gleichzeitig muss das bestehende Kerngeschäft optimiert und für den Wettbewerb fit getrimmt werden.
 
Um über diese zweifache Herausforderung zu diskutieren lud die Schweizer Top-Managementberatung Boydak Strategy Consulting gemeinsam mit C-Level zum Strategie-Forum am Zürichsee ein. 105 Schweizer und internationale Top-Manager aus 94 Unternehmen nahmen mit freundlicher Unterstützung von Tata Consultancy Services, Avectris und dem Boydak Digital Lab teil und diskutierten Erfolgsrezepte einer gelungenen Unternehmenstransformation.

Die Welt wandelt sich so schnell wie nie zuvor. Getrieben von einer Reihe Megatrends. Ein Faktor jedoch sticht aus der Masse der Trends heraus. Technologische Innovationen. Seien es datengetriebene Innovationen, Innovationen aus der Cloud, aus den Bereichen Social Media, Internet of Things, 3D-Printing oder Robotics. Sie verändern die Spielregeln der Wirtschaftswelt nachhaltig.
 
Waren früher grosse Unternehmen vor den Attacken junger Kleinstfirmen schon aufgrund ihrer Assets wie Kunden- und Filialnetz oder Finanzkraft geschützt, haben sich durch technologische Innovationen die Barrieren für Markteintritte radikal verkleinert. Heute drängen sich häufig agile Internet-Davide zwischen Brick-and-Mortar-Goliathe und ihre Kunden. Durch bessere Customer Experience und Agilität besetzen die neuen, digitalen Player das erfolgskritische Customer Interface.
 
Doch mit digitalen, disruptiven Geschäftsmodellen allein, ist es für etablierte Unternehmen nicht getan. Sie stehen laut Selçuk Boydak, Gastgeber des 13. Strategie-Forums am Zürichsee vor einer dualen Herausforderung: Ihnen muss es gelingen, einerseits das bestehende Geschäft nachhaltig zu vereinfachen und rentabler zu machen. Das erfordert, unnötige Komplexität loszuwerden. Um dadurch die notwendige Agilität zu gewinnen, Freiräume und Ressourcen zu schaffen, die benötigt werden, um etwas Neues zu kreieren.
 
Notwendigkeit, sich zu transformieren
Wie wichtig beide Dimensionen des Wandels sind, zeigt das Ergebnis der C-Level-Umfrage auf dem Forum. Fast alle teilnehmenden Top-Executives stufen demnach die Bedeutung für etablierte Unternehmen, disruptive, zumeist digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln als überlebenswichtig beziehungsweise wichtig ein. Gleiches gilt für die zweite Herausforderung, der radikalen Vereinfachung des bestehenden Geschäfts. Ernüchternder sieht es in beiden Bereichen bei den bereits erzielten Erfolgen aus. So gelingt radikale Vereinfachung in Unternehmen eher in einzelnen Bereichen, aus Gesamtsicht hingegen selten. Und was den Aufbau neuer, disruptiver Geschäftsmodelle betrifft, gelingt dies konsequent und mit Erfolg gar nur bei 10 Prozent der Unternehmen.
 
Andererseits können diese Ergebnisse nicht verwundern. Denn die neue Wirtschaftswelt erfordert auch neue Fähigkeiten, Organisationsstrukturen und Unternehmenskulturen. Für etablierte Player ist dies ein Kraftakt.
 
Dass es klappen kann, zeigt ausgerechnet der Internetgigant Google, der sich genau diesem Prinzip folgend unter der Holding Alphabet neu aufgestellt hat. Alphabet ist inzwischen neben dem Suchmaschinengeschäft in diversen Feldern aktiv, angefangen bei Health 4.0 bis zum selbstfahrenden Auto. Damit sich alle Bereiche frei entfalten können, hat Google alle Geschäfte so sortiert, dass aus Marktsicht kommend in sich geschlossene Geschäftsmodelle jeweils voneinander und von der übermächtigen Cash-Cow des Suchmaschinengeschäfts getrennt sind.
 
Vom Kunden her und branchenübergreifend denken
Für gelungene Disruption ist es nötig, radikal vom Kunden aus zu denken. Seine Bedürfnisse müssen in den Vordergrund rücken. Die Digitalisierung löst zudem traditionelle Branchengrenzen mehr und mehr auf. Daher sollte man branchenübergreifend in Customer Spaces denken.
 
Grosskonzerne stellt Disruption zudem vor eine grundlegende Organisationsfrage. Soll Innovation im Unternehmen selbst und mit dem Kerngeschäft verzahnt oder unabhängig und
entkoppelt stattfinden? Für den Fall, dass man etwa das bestehende Geschäftsmodell digitalisieren will, ist eine grosse Nähe zur bestehenden Organisation erforderlich, geht es doch schliesslich um eben ihre Transformation. Wenn hingegen disruptive Geschäftsmodelle organisch als etwas Neues entwickelt werden, benötigen sie in der Regel geschützte Räume, damit sich das Neue ungestört und ohne Limitierungen durch Bestehendes frei entfalten kann. Hier ist eine organisatorische Entkopplung vom bestehenden Geschäft sinnvoll.
 
Echte Komplexitätsreduktion als Schlüssel für Agilität
Um die für neue, disruptive Geschäftsmodelle notwendige Agilität und Freiräume zu gewinnen, müssen Unternehmen Überflüssiges loswerden. Hier kommt echte Komplexitätsreduktion und radikale Vereinfachung ins Spiel. Dabei geht es nicht darum, nur klassische Kosteneinsparungen vorzunehmen, sondern einen ganzheitlichen, neuen Ansatz der Vereinfachung über alle Unternehmensbereiche hinweg mit einer End-to-End-Sicht zu wählen. Kunden-, Mitarbeiter und Agilitätsaspekte müssen hierbei ebenso berücksichtigt werden wie strukturelle Anpassungen im gesamten Unternehmen.
 
Neben konsequenter Kundenorientierung bietet die Automatisierung grosses Potential, Prozesse günstiger und schneller abzuwickeln. Artificial Intelligence und Cloud Computing sind hier die Schlüsselwörter. Was bisher nur grossen Unternehmen vorbehalten war, ist nun zunehmend auch kleineren Firmen zugänglich. Standardisierte Paketlösungen machen es mehr und mehr möglich, die Anzahl der Aufgaben zu reduzieren, die Menschen ausüben. Die Simplifizierung durch Roboter und Computer wird die Effizienzsteigerungen in den nächsten Jahrzehnten prägen. (C-Level)
 
Über C-Level:
C-Level ist eine Community, die aus der Mitte der Schweizer Manager entstanden ist. Im Rahmen ihrer Aktivitäten werden regelmässige C-Level-Roundtables veranstaltet und das C-Level Magazin publiziert. Über 1000 der wichtigsten 3'500 Schweizer Top-Executives bringen sich bereits aktiv in der Community ein. C-Level befragt regelmässig Mitglieder zu aktuellen Themen und veröffentlicht die Resultate auf inside-it.ch.