Steckt in Akkus Kinderarbeit?

In Lithium-Ionen-Batterien steckt eine Kobalt-Verbindung. Kobalt ist ein seltenes Element und wird unter anderem aus Kupfer- und Nickelerzen gewonnen. Wichtige Lagerstätten befinden sich in Kanada und Australien sowie in Sambia und der Republik Kongo. Aus dem Kongo stammt rund die Hälfte des weltweit produzierten Kobalts. Wie Amnesty International in Zusammenarbeit mit Afrewatch in einem kürzlich publizierten Bericht schreibt, ist die Kobaltgewinnung in der Republik Kongo sehr problematisch. In den Minen im Süden des Landes fördern demnach tausende von Kindern den Rohstoff, der in Smartphones und Laptops bekannter Hersteller zum Einsatz kommt.
 
Der Bericht untersucht die Produktion von Kobalt in Regionen, die für Kinderarbeit bekannt sind und den Verkauf des Materials an das Unternehmen Congo Dongfang Mining (CDM), eine Tochter des chinesischen Mineralgiganten Zhejiang Huayou Cobalt. Huayou Cobalt und die Tochter CDM verarbeiten das Kobalt, bevor sie es an Batteriehersteller in China und Südkorea weiterverkaufen. Von diesen wiederum beziehen Apple, Microsoft, Samsung, Sony, Daimler und Volkswagen ihre Bestandteile, so der Bericht.
 
Amnesty International hat 16 multinationale Konzerne kontaktiert, die als Kunden derjenigen Batteriefabriken angegeben waren, die Kobalt von Huayou beziehen. Eines der Unternehmen bestätigte die Verbindung zur Produktion in der Republik Kongo, vier der Unternehmen, konnten nicht sagen, woher die Bestandteile ihrer Produkte kommen. Sechs Firmen sagten gegenüber Amnesty, sie werden die Behauptungen untersuchen. Fünf Hersteller bestritten, Kobalt aus der Republik Kongo zu beziehen. Wie es im Bericht aber heisst, konnte keines dieser Unternehmen genügend Informationen bereitstellen, um zu bestätigen woher das Kobalt kommt.
 
"Paradox" der digitalen Ära
"Es ist ein Paradox der digitalen Ära, dass es den reichsten, innovativsten Unternehmen ermöglicht wird, ihre Geräte zu verkaufen, ohne dass sie verpflichtet werden aufzuzeigen, woher die Rohmaterialien stammen", so Afrewatch-Executive Director, Emmanuel Umpula. "Millionen Menschen profitieren von den Technologien, hinterfragen aber nicht, wie sie produziert werden." Im Gegensatz zu Materialien wie Gold, Zinn oder Koltan, die ebenfalls aus der Repulik Kongo stammen, fällt Kobalt in den USA nicht unter die Klasse der "Konfliktrohstoffe". Dadurch sind Hersteller nicht verpflichtet die Lieferkette regelmässig zu überprüfen.
 
UNICEF schätzt, dass 2014 40'000 Kinder in den Minen im Süden der Republik Kongo arbeiteten. Zwischen September 2014 und Dezember 2015 sind mindestens 80 Minenarbeiter umgekommen. Die Zahl dürfte bedeutend höher sein, da viele Unfälle nicht gemeldet werden. Die Unternehmen sagen, sie hätten eine Null-Toleranz bei Kinderarbeit, dennoch überwachen sie ihre Lieferkette nicht ausreichend, schreibt Amnesty.
 
Die Menschenrechtsorganisation fordert die Elektronik- und Autohersteller im Bericht auf, sicherzustellen, dass in ihren Batterien kein Kobalt verarbeitet wird, das aus Minen mit Kinderarbeit stammt. Ausserdem fordert Amnesty die kongolesischen Behörden auf, die kleinen Minen besser zu überwachen. Die Regierung wiederum streitet die Vorwürfe der Kinderarbeit konsequent ab. (kjo)