Pilotprojekt zur Online-Kontoeröffnung

Gemeinsam mit der Valiant Bank bereitet Swisscom nach eigenen Angaben den nächsten Schritt im digitalen Banking vor. Damit sollen sich dann "fast alle Geschäfte" mit Banken oder auch Versicherungen "bequem, schnell, orts- und zeitunabhängig" erledigen lassen. Voraussetzung für diesen Ausbau ist, dass die eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) ihre für März 2016 angekündigten "aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen im Finanzbereich über digitale Kanäle" verabschiedet hat.
 
Dann muss sich beispielsweise zur Kontoeröffnung oder zum Abschluss einer Versicherung niemand mehr vor Ort, am Schalter einer Bank- oder Versicherungsfiliale ausweisen und dort die nötigen Verträge unterschreiben. Künftig lässt sich das statt dessen komplett von unterwegs oder daheim erledigen. Neben dem gültigen Ausweis wird dazu allerdings auch eine Kamera am Endgerät zur digitalen Identifikation vorausgesetzt.
 
In einem Projekt mit der Valiant Bank setzt Swisscom jetzt bereits einen extra dafür geschaffen Service namens "Digital Identification & Signing" ein. Er soll unmittelbar nach der Zulassung der digitalen Signatur durch die FINMA verfügbar sein. Adressiert werden damit aber auch andere "Finanzdienstleister in der Schweiz und Liechtenstein", teilt Swisscom mit. Abgerechnet werde der Service nach dem Nutzermodell (pay per use). Zum Preis wollte Swisscom gegenüber inside-it.ch keinen Angaben machen.
 
Der hinter dem Service stehende Prozess wird wie folgt beschrieben: Nach der Eingabe von persönlichen Daten wird der Antragssteller mit einem Identifikationsexperten im Swisscom Call-Center verbunden. Dieser macht über die Kamerafunktion ein Bild des Kunden und seiner Identitätskarte und identifiziert ihn mit Unterstützung modernster Technik. Auch die Verträge werden digital mit einem Zertifikat unterzeichnet. Laut Swisscom soll so zum Beispiel eine Kontoeröffnung weniger als zehn Minuten dauern.
 
Technisch bewerte das System bei dieser Form der digitalen Identifikation die Echtheit des amtlichen Ausweises und vergleiche dazu Foto und Person. Die eingesetzte Software erkenne dabei Sicherheitsmerkmale wie Hologramme, 3D-Bilder oder Wasserzeichen. Bei Fehlern werde der Swisscom-Spezialisten informiert. "Ausserdem achtet der Experte im Gesprächsverlauf anhand definierter Verhaltensmuster auf die Authentizität des Antragstellers, um mögliche Ausweisbetrüger zu erkennen", wie es in der Meldung weiter heisst. Nach der Identifizierung würden alle Daten verschlüsselt über eine sichere Leitung an die Bank geleitet und auf den Swisscom-Systemen gelöscht. Bei der Bank laufe dann noch wie bei der herkömmlichen Kontoeröffnung die Überprüfung der gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen ab. (vri)