Online-Software Amanda am Ende

Solvaxis stellt den Betrieb von Amanda, einer Online-Buchhaltung für KMU, Mitte April ein.
 
"Amanda Stop as of 18. Avril 2016" heisst es in einer seltsamen Mischung von englisch und französich auf der deutschsprachigen Webseite der Online-Buchhaltungssoftware Amanda. Das vor rund vier Jahren lancierte Produkt habe in den ersten Jahren zwar Erfolg gehabt, heisst es weiter auf der Webseite. Doch habe sich der Softwaremarkt für Kleinunternehmen mit dem Auftritt von Postfinance und UBS – UBS bietet Kunden Bexio an – stark verändert. Man habe sich deshalb entschlossen, Amanda vom Markt zurückzuziehen. Kunden haben noch bis 18. April Zeit, ihre Daten zu sichern und in eine andere Lösung zu übertragen.
 
Solvaxis Online SA wird liquidiert
Der bern-jurassische Software-Hersteller Solvaxis selbst ist vom Ende von Amanda nicht betroffen. Amanda wurde von der Firma Solvaxis Online SA betrieben. Diese Firma wird liquidiert, so Solvaxis Marketing-Chef Michael Kunz in einem kurzen Telefongespräch mit inside-channels.ch.
 
Ob und wenn ja wieviele Stellen durch das Ende des einst ehrgeizigen Projekts Amanda verloren gehen, wollte Kunz nicht sagen. Auch auf die Frage, wieviel Geld Solvaxis mit dem SaaS-Abenteuer verbrannt hat, ging Kunz nicht ein.
 
Zu viele und falsche Funktionalitäten
Amanda sei beim Start der ursprünglich britischen Lösung in der Schweiz Anfang 2012 gut übersetzt und gut an Schweizer Bedürfnisse angepasst gewesen, so Kunz. Allerdings habe sich später gezeigt, dass die Lösung für den Zielmarkt zu komplex gewesen sei.
 
Amanda wurde in der schlussendlich erfolglosen "KMU Business World" von Swisscom angeboten. Das hat dem Produkt aber offensichtlich nicht geholfen. Ein Marktplatz wie von Swisscom geplant, hätte wohl nur funktioniert, wenn die verschiedenen Lösungen untereinander kommuniziert hätten, sagt Kunz.
 
Solvaxis und Pro-Concept nicht betroffen
Kunz betont gegenüber inside-channels.ch, dass Solvaxis und das Kernprodukt Pro-Concept vom Untergang Amandas keineswegs betroffen sei. Solvaxis gehe es ausgesprochen gut, so der Marketing-Chef.
 
Ehemaliger Solvaxis-Besitzer Schnegg nun Regierungsratskandidat
Die Geschichte von Solvaxis ist interessant. Der einstige Besitzer, Pierre-Alain Schnegg, verkaufte die Firma 2007, damals noch unter dem Namen Pro-Concept, an den britischen Softwarekonzern Sage. Zwei Jahre später löste Schnegg Pro-Concept wieder aus Sage heraus und taufte den Software-Hersteller in Solvaxis um. 2010 beteiligte sich der Risikokapital-Spezialist Vinci Capital mit 4,9 Millionen Franken und wiederum zwei Jahre später lancierte Solvaxis die Cloud-Lösung Amanda. Erneut zwei Jahre später verkauften Pierre-Alain Schnegg und die Miteigentümer den jurassischen Software-Hersteller an den schwedischen ERP-Hersteller Jeves. Kurz darauf folgte ein schmerzhafter Stellenabbau.
 
Pierre-Alain Schnegg, der durch den zweimaligen Verkauf von Pro-Concept respektive Solvaxis wohl nicht ärmer geworden ist, trifft man heute im Kanton Bern auf Schritt und Tritt (als Porträt auf Wahlplakaten) an. Er tritt als Kandidat des Berner Jura diesen Februar bei den Regierungsratswahlen des Kantons Bern an. (Christoph Hugenschmidt)