St. Gallens grosse Informatik-Offensive

Informatik-Mittelschulen und Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule.
 
St. Galler Regierungspräsident Benedikt Würth und Bildungsdirektor Stefan Kölliker stellten am Freitag das Massnahmenpaket des Kantons gegen den Fachkräftemangel vor. Die Regierung hat dazu einen 80-seitigen Bericht verfasst, der auch Anpassungen des Mittelschulgesetzes und des Einführungsgesetzes über die Berufsbildung vorsieht. Der Schwerpunkt liegt auf der Informatik.
 
So sollen wie vergangene Woche bekanntgegeben in St. Gallen, Sargans und Rapperswil-Jona drei Informatik-Mittelschulen entstehen. Sie sollen schon Mitte 2017 in Angriff genommen werden. Damit reagiert der Kanton auf den Mangel an Informatikern. Auch für andere Branchen schlägt die Regierung Massnahmen gegen den Fachkräftemangel vor.

Besonders prekär sei die Situation in der Informatikbranche, sagte Kölliker. Die Regierung will dem mit einer Bildungsoffensive begegnen. Auf Beginn des Schuljahrs 2017/2018 sollen in St. Gallen und Sargans Mittelschul-Lehrgänge in Informatik mit kaufmännischer Ausrichtung angeboten werden.

In Sargans ist eine Informatik-Mittelschule mit Schwerpunkt Technik geplant. Alle Lehrgänge sollen vier Jahre dauern, davon ein Jahr Praktikum. Die Absolventinnen und Absolventen schliessen mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis Informatik und einer Berufsmaturität ab.

Bachelorstudiengang an FHS St. Gallen
Auch an den Fachhochschulen soll die Ausbildung von Informatikern verbessert werden. So ist an der FHS St. Gallen ab 2017 ein eigenständiger Bachelorstudiengang in Wirtschaftsinformatik geplant. Und an der technischen Hochschule HRS Rapperswil werden bestehende Lehrgänge gestärkt.

Mittelfristig soll auch an den St. Galler Gymnasien Informatik wieder als Grundlagenfach angeboten werden. Die Streichung dieses Grundlagenfachs vor einigen Jahren sei ein klarer Fehler gewesen, erklärte Bildungsdiretkor Kölliker an der Medienkonferenz.

Gemäss dem Bericht der Regierung fehlt es auch im St. Galler Gesundheitswesen an Fachkräften - gesucht sind Ärztinnen und Ärzte, aber auch Assistenzpersonal. Daneben gehören auch die Elektriker und die Elektronikfachleute zu den sehr gefragten Berufsleuten. Hier sieht die Regierung ein Paket von Massnahmen vor.

Potenzial an Arbeitskräften
Das Potenzial an Arbeitskräften sei im Kanton St. Gallen bei weitem nicht ausgeschöpft, sagte Benedikt Würth. besonders bei den nicht- oder teilzeiterwerbstätigen Frauen, aber auch bei Männern mit tiefem Ausbildungsstand gebe es noch Potenzial. Männer und Frauen mit Hochschulausbildung seien hingegen bereits zu einem grossen Teil erwerbstätig. (sda/mik)

Hinweis: In einer ersten Pressemitteilung wurde von einem neuen Masterstudiengang an der FHS St. Gallen berichtet. Tatsächlich gibt es diesen schon seit einigen Jahren. Neu ist ein eigenständiger Bachelorstudiengang. Der Artikel wurde entsprechend angepasst. Mit Dank an Hans-Dieter Zimmermann, Dozent für Wirtschaftsinformatik an der FHS St. Gallen, für den Hinweis.