130 "Kisten" für Schweizer ICT-Startups

Nachdem die Investitionen in ICT-Startups zwei Jahre lang rückläufig waren, stiegen sie 2015. Quelle SECA und Starupticker.ch
2015 erhielten Schweizer ICT-Startups Finanzhilfe in Höhe von insgesamt 130 Millionen Franken. Die Anschlussfinanzierung bleibt ein Flaschenhals.
 
Vergangenes Jahr haben Schweizer Startups insgesamt 670 Millionen Franken an Risikokapital eingesammelt. Dies sind 48 Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus dem aktuellen Swiss Venture Capital Report hervorgeht. Der grösste Brocken des Geldes ? 80 Prozent ? floss in die Biotech- und ICT-Branche; wobei Bio- und Medtech-Startups die höchsten Investitionen verbuchen konnten.
 
Nachdem die Investitionen in Schweizer ICT-Startups 2013 und 2014 rückläufig waren, stiegen sie vergangenes Jahr wieder an und übertreffen das Volumen von 2012. Letztes Jahr konnten Jungunternehmen aus dem IT-Bereich 130 Millionen Franken an Kapital gewinnen. Wie Stefan Kyora, Managing Editor 'Startupticker.ch', gegenüber inside-it.ch erklärt, sind die vertretenen ICT-Startups sehr breit gefächert. Die Jungunternehmen bieten Lösungen in den unterschiedlichsten Bereichen von IoT über Big Data bis hin zu Hardware.
 
Wenig Geld für Fintech
Mit 21 Millionen Franken gewonnenem Kapital entfällt ein (noch) kleiner Teil auf Fintech-Startups. Fintech gewinne zwar immer mehr an Bedeutung, doch im Gesamtvergleich fallen die Investitionen gering aus. Eine nennenswerte Ausnahme ist die kürzlich abgeschlossene Finanzierungsrunde über 15 Millionen Franken des Jungunternehmens Knip. Dabei handelte es sich gemäss dem Report um die grösste Investition in ein Schweizer Fintech-Startup überhaupt.
 
Betrachtet man die Grösse der Investments, fallen laut Kyora Anwendungen für die Reisebranche auf. Dies liege zum einen an der grossen Finanzierungsgrundlage. Zudem trage die Hotelfachschule Ecole hôtelière de Lausanne an dieser Entwicklung bei. Denn die Managementschule hat jüngst ein Förderprogramm lanciert und investiert selbst in Startups. Aus dem Travel-Bereich stammt somit auch eine der grössten Investitionen des vergangenen Jahres. Das Zürcher ICT-Startup GetYourGuide konnte 2015 50 Millionen Franken an Kapital für sich gewinnen.
 
Anschlussfinanzierung bleibt ein Problem
Erfreulich ist, so der Bericht, dass auch im ICT-Bereich die Anzahl der Investitionen in der späteren Phase stieg. In dieser "Late Stage" würden die Investitionen häufig zurückhaltend ausfallen. Jungunternehmen sind in dieser als "Valley of Death" bezeichneten Phase auf Kapitalgeber angewiesen, die bereit sind, zwei bis zehn Millionen Franken zu investieren. Die Zahl der Finanzierungsrunden in dieser Grössenordnung stieg im vergangenen von 12 auf 19, respektive von gut 52 Millionen Franken auf über knapp 92 Millionen Franken investiertes Kapital.
 
Betrachtet man jedoch den Mittelwert aller Investitionen in ICT-Startups, zeichnet sich eine Stagnation ab. Der Median liegt unverändert bei 1,4 Millionen Franken pro Runde. Im Vergleich dazu stieg dieser Wert im Biotech-Bereich signifikant: nämlich von 4,5 Millionen Franken in 2014 auf 13,8 Millionen Franken vergangenes Jahr. Kurz gesagt: In ICT-Startups wird zwar häufig, aber nicht unbedingt gross investiert. Das Problem der Anschlussfinanzierung sei für ICT-Startups somit noch nicht gelöst. Hier gibt es nach wie vor einen Flaschenhals, kommentiert Carole Ackermann, President Business Angels Switzerland, den Report.
 
Der Swiss Venture Capital Report wird seit 2012 jährlich von der SECA (Swiss Private Equity & Corporate Finance Association) gemeinsam mit 'Startupticker.ch' publiziert. (Katharina Jochum)