Stadt Bern macht Ernst in Sachen Open Source

Pilotprojekte ausgeschrieben, unter anderem für Windows-, Exchange-, Outlook- und Citrix-Ablösung.
 
Die Diskussionen im Stadtparlament von Bern, die Abhängigkeit von proprietärer Software etwa von Microsoft oder Citrix zu reduzieren, ist schon einige Jahre alt. Zuletzt hatten die Parlamentarier durchgedrückt, dass der Gemeinderat eine Ablösungsstrategie erstellt. Jetzt wird es offensichtlich konkret, denn die Fachstelle Beschaffungswesen der Stadt Bern hat soeben einen "Potenzialanalyse Open Source Software" (OSS) ausgeschrieben. Ausgehend von einem Stadtratsbeschluss vom 12. November 2015 soll im Rahmen des Projektes CLIMB (CLient Migration Bern) eine "fundierte Entscheidungsgrundlage zur Reduktion von Abhängigkeiten von proprietärer Software" erarbeitet werden.

Konkret soll die aktuelle IT-Landschaft analysiert, konkrete Szenarien für einen möglichen Umstieg auf Open-Source-Software erarbeitet und wo sinnvoll mit Pilotinstallationen untermauert werden, heisst es in den Ausschreibungsunterlagen. Laut Pflichtenheft soll eine "vollständige und umfassende Entscheidungsgrundlage für das weitere Vorgehen" der Stadt Bern ab dem Jahr 2018 vorgelegt werden. Wer sich an dem Projekt beteiligen will, hat bis zum 19. Februar eine Offerte einzureichen.
 
Gesucht werden Open-Source-affine Unternehmen, die in den letzten drei Jahren erfolgreich Projekte umgesetzt haben und über mindestens "10 Systemengineers mit mehrjähriger Open Source Erfahrung" verfügen. Sie sollen eine Potenzialanlyse erarbeiten und Software der Stadt Bern in fünf Pilotprojekten mit frei verfügbarer Software ablösen. Ausserdem wird erwartet, dass man die Systemverantwortlichen der Stadt Bern für diese Open-Source-Anwendung schulen kann.

Definiert sind als Pilotprojekte die Entwicklung eines OSS-Clients im Umfang des bestehenden Windows-Clients, das Installieren und Testen von Fachanwendungen auf dem OSS-Client und der Aufbau einer OSS-Plattform für E-Mail, Kalender-, Ressourcen-, Aufgaben- und Notizenverwaltung. OSS soll hier Microsoft Outlook und Exchange ablösen. Zudem wird eine OSS-Plattform für die Applikations- und Client-Virtualisierung erwartet, mit der die bestehende Citrix-Plattform ersetzt werden kann. Schliesslich soll die Geschäftsverwaltung CMI Axioma auf den Servern einer OSS-Plattform implemtiert werden.
 
Die Ausschreibungsunterlagen nennen keinen konkreten Kostenrahmen für das Projekt. Man habe keine Erfahrung mit OSS-Projekten, begründet Marietta Weibel von der Beschaffungsstelle der Stadt Bern dieses Vorgehen. Den Zuschlag erhält jedoch, wer bei der Bewertung der Offerte die meisten Punkte bei den Kosten einheimst, die 50 Prozent der Zuschlagskriterien ausmachen, beim "Auftragsverständnis und dem Vorgehensvorschlag" (30 Prozent) herausragt und wer sich mit sogenannten "Personenreferenzen" hervortut, die zu 20 Prozent gewichtet werden. (vri)