Avaloq: "gescheiterte Expansion" oder Erfolgsstory?

Des einen Uhl ist des anderen Nachtigall.
 
Wer die Nachrichten über den Zürcher Banken-Software-Hersteller Avaloq verfolgt, registriert ganz unterschiedliche Wahrnehmungen. Da gibt es einerseits Berichte über Entlassungen, die gemäss dem vielgelesenen Finanzindustrieblog 'Inside Paradeplatz' zu "anhaltender Unsicherheit" geführt haben.
 
Andererseits gibt es die Tatsache, dass Avaloq insgesamt massiv die Stellenzahl ausgebaut, langwierige Migrationsprojekte in Deutschland abgeschlossen hat und Neukunden gewinnt. 2015 habe Avaloq mit einem Rekordumsatz abgeschlossen, schreibt Avaloq-Sprecher Andreas Petrosino in einer E-Mail an Inside-it.ch.
 
Heute nun berichtet wiederum 'Inside Paradeplatz', Avaloq habe letztes Jahr einen Überbrückungskredit benötigt und von Credit Suisse bekommen. Aufgrund der harten Bedingungen der Grossbank seien dann Stellen abgebaut worden. Die Expansionsstrategie des Zürcher Herstellers sei gescheitert, schreibt Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig. Avaloq habe deshalb nach frischem Kapital gesucht und mit der Beteiligung des Grosskunden und Partners Raiffeisen gefunden.
 
Petrosino streitet nicht ab, dass Avaloq Finanzierungsbedarf hatte. Der Grund sei der rasche Umbau hin zum Geschäftsmodell BPO (Business Process Outsourcing) und weg vom klassischen Lizenzverkauf. Petrosino: "Wir haben folgerichtig die Finanzierung unserer Strategie durch Fremd- und Eigenmittel sichergestellt und auf eine gesunde Bilanzstruktur geachtet."
 
"BPO-Zentren zum Jahresende live"
Gemäss dem Avaloq-Sprecher sind die beiden BPO-Zentren in Deutschland und Singapur per Jahresende live geschaltet worden. Beide Projekte haben offensichtlich Verspätungen erlitten. So hat Avaloq bereits im November 2014 gemeldet, das BPO-Zentrum in Singapur sei "eröffnet". Die Verspätungen erklären den zusätzlichen Finanzierungsbedarf.
 
Noch mehr Geld braucht Avaloq, um ein weiteres erklärtes Ziel zu erreichen. Man will den Tessiner Banken-Dienstleister B-Source, an dem Avaloq nur 51 Prozent besitzt, zu 100 Prozent übernehmen und damit auch die ganze Kontrolle über das erfolgreiche Tessiner Unternehmen gewinnen. Neben dem Ziel B-Source gebe es noch eine weitere "Opportunität", schreibt Petrosino. (hc)