Studie: Schweizer KMU unterschätzen Potential durch Digitalisierung

Der Weg ist das viel kleinere Problem als der Wille.
 
Das Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY) hat unter Schweizer KMU eine Umfrage zum Thema Digitalisierung durchgeführt. Diese zeige, so EY, dass das Thema auch bei KMU langsam angekommen sei. Allerdings werde das Potential oft noch unterschätzt.
 
An der Umfrage nahmen rund 700 Unternehmen mit 30 bis etwa 2000 Mitarbeitenden teil. Bei fast jedem zweiten der befragten Unternehmen (45 Prozent) spielen digitale Technologien für das eigene Geschäftsmodell inzwischen eine mittelgrosse bis sehr grosse Rolle. Immer noch glaubt aber eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten, dass digitale Technologien für sie kaum oder überhaupt keine Rolle spielen.
 
Unternehmen mit Umsätzen über 100 Millionen Franken bewerten das Thema tendenziell wichtiger. Unterschiede in der Mentalität gibt es auch zwischen den Branchen. So stufen Unternehmen aus den Branchen Life Sciences und Dienstleistungen die aktuelle Bedeutung von Digitalisierungstechnologien überduchschnittlich hoch ein. In diesen beiden Branchen glauben zudem auch überdurchschnittlich viele Unternehmen, dass die Bedeututung in den kommenden fünf Jahren noch deutlich steigen werde. In den Branchen Handel, Bau/Energie und Industrie wird die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung tiefer eingeschätzt.
 
Die These vom unterschätzten Potential stützt EY vor allem auf die unterschiedliche Nutzung der möglichen Einsatzgebiete: "Die Resultate der Umfrage deuten darauf hin, dass viele die vierte industrielle Revolution noch unterschätzen", sagt Bruno Chiomento, CEO von Ernst & Young Basel (EY). Befragt nach den Einsatzmöglichkeiten der neuen digitalen Technologien benennen 68 Prozent der Unternehmen, bei denen die Digitalisierung eine Rolle spielt, die Beziehung zu den Kunden. Die Antworten liessen darauf schliessen, dass die Unternehmen dabei vor allem gesteigerte Effizienz und verbesserte Abläufe im Visier haben. In vielen anderen Bereichen werde der Digitalisierung dagegen noch ein geringe Rolle zugestanden, so EY.
 
"Sie sehen in den digitalen Technologien Instrumente, um schneller ans Ziel zu gelangen. Die Digitalisierung hat aber das Potenzial, Geschäftsmodelle grundlegend zu verändern. Dank digitaler Technologien entstehen neue Dienstleistungen als auch Kundenbeziehungen in einer stark verbesserten Qualität", erläutert Marcus Rübsamen, Partner Advisory Services bei EY.
 
Übrigens: Für einmal scheinen es nicht fehlende Budgets oder mangelndes Know-how zu sein, die entsprechende Projekte verhindern. Befragt nach Faktoren, die Investitionen verhindern könnten, gaben nur 8 Prozent der Unternehmen begrenzte finanzielle Möglichkeiten und je 7 Prozent fehlendes Personal oder Know-How an. Mehr als drei Viertel sehen dagegen eigentlich keine prinzipielllen Hinderungsfaktoren. (hjm)