Noser wirft sich für Werbeallianz in die Bresche

Der Ständerat und Präsident von ICTSwitzerland plädiert für die Werbeallianz von Ringier, Swisscom und SRG, die kommerzielle Nutzung von öffentlichen Daten und die Privatisierung von Swisscom.
 
Ruedi Noser, als Zürcher Ständerat und Präsident von ICTSwitzerland der wohl einflussreichste "IT-Politiker" der Schweiz, wirbt in einem Gastkommentar heute in der 'NZZ' für Open Data als Standortfaktor. Man könne auf die wachsende Dominanz der Firmen aus dem Silicon Valley auf zwei Arten reagieren. Entweder überlasse man ihnen den Markt oder man stelle sich dem Wettbewerb und investiere in die Digitalisierung der eigenen Geschäftsmodelle. Deshalb sei der Schritt von Ringier, Swisscom und SRG, eine neue Firma (für die gemeinsame Verwertung von Daten) zu gründen, nur konsequent, schreibt Noser.
 
Zwei der drei Player der Werbeallianz sind in Besitz des Staates, wie viele Kritiker monieren. Dass man es bisher verpasst habe, Swisscom zu privatisieren und der SRG einen zeitgemässen Service-Public-Auftrag zu erteilen, sei kein Grund, die Allianz zu verbieten, so Noser. "Man kann nicht antiliberale Umstände aus der Vergangenheit mit antiliberalen Verboten für die Zukunft kompensieren."
 
Kommerzielle Nutzung von Open Data
Zudem verlangt der letzten Herbst neu gewählte Ständerat, dass Daten aus der öffentlichen Hand nicht nur öffentlich zugänglich gemacht werden, sondern auch kommerziell nutzbar sein sollen. Noser lobt das Beispiel Helsinki. Kaum eine andere Stadt ginge offensiver und innovativer mit Daten um.
 
Allianz gegen Google oder doch nur gegen "die Kleinen"?
Interessant scheint uns die Frage, ob die geplante Werbe- und Daten-Allianz von Ringier, Swisscom und SRG sich tatsächlich gegen übermächtige Player wie Google und Facebook richtet. Denn die drei Partner haben anders als Google keine Suchmaschine und auch kein soziales Netzwerk. Sie haben vor allem eines: Geografische Daten. Die Allianz wird in der Lage sein, Werbung gezielt auf bestimmte Regionen zu richten. Damit wird sie vor allem eine Gefahr für Lokalmedien. So argumentiert zumindest Mirko Marr vom SRG-Konkurrenten Goldbach in einem Gastkommentar in der 'NZZ' vor 10 Tagen. (hc)