Berner Regierung will bei der Informatik Millionen sparen.

Bis 2020 soll die IT für die 11'000 Berner Kantonsangestellten 24 Millionen Franken pro Jahr weniger kosten. Ein neuer Ausschuss soll dies sicher stellen.
 
Die Informatik-Kosten der Berner Kantonsverwaltung sollen bis Ende 2020 deutlich gesenkt werden. Dieses Ziel verfolgt der Regierungsrat mit seiner neuen ICT-Strategie 2016. Die Strategie tritt per heute in Kraft und ersetzt das aus dem Jahr 2007 stammende bisherige Informatikeinsatzkonzept.

Der Kanton Bern gibt für seine IT- und Kommunikationssysteme, die von rund 11'000 Kantonsangestellten genützt werden, gegenwärtig rund 170 Millionen Franken pro Jahr aus. Schon vor zwei Jahren kam die AWK Group in einem im Auftrag des Regierungsrats erstellten Expertenbericht zum Schluss, dass es auch 24 Millionen Franken weniger sein könnten.

Dieses Sparpotenzial habe sich "unterdessen erhärtet", schreibt der Regierungsrat heute in seiner Mitteilung zur neuen Strategie. Erste Empfehlungen seien auch bereits umgesetzt worden. Dadurch habe man die externen Betriebskosten um jährlich 1,5 Millionen Franken senken können. Weitere Massnahmen sollen mit der ICT-Strategie 2016-2020 folgen. Voraussichtlich im kommenden Herbst will der Regierungsrat ein detailliertes Umsetzungsprogramm freigeben.
 
(Fast) keine Sonderzügli mehr
Bei den Sparmassnahmen steht Standardisierung und Zentralisierung der ICT-Infrastrukturen im Vordergrund. Schon seit 2009, so der Regierungsrat, seien bereits mehrfach Ausschreibungen für standardisierte, zentral betriebene ICT-Lösungen im Bereich der von allen kantonalen Dienststellen benötigten Grundversorgung durchgeführt worden, zum Beispiel in den Bereichen Netzwerk, Kommunikation, Druck- und Kopierlösungen oder Server-Plattformen. Diese an sich also bereitstehenden Lösungen würden bisher jedoch noch nicht flächendeckend genutzt beziehungsweise noch dezentral und wenig standardisiert betrieben. 
 
Nun sollen zentrale ICT-Systeme und ICT-Leistungen verwaltungsweit genutzt werden. Ausnahmen würden nur noch in begründeten Fällen gewährt, heisst es in der neuen Strategie. Allerdings sind schon von Anfang an die Kantonspolizei sowie die Schulen im Zuständigkeitsbereich der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) von der generellen Nutzungspflicht ausgenommen.
 
Um den ICT-Einsatz und die Umsetzung der Strategie zu koordinieren, wird neu ein "Strategischer ICT-Ausschuss" (SIA) unter dem Vorsitz von Finanzdirektorin Beatrice Simon eingesetzt. Die Verantwortung für die zentralen ICT-Systeme und ICT-Leistungen der Grundversorgung liegt weiterhin beim KAIO (Amt für Informatik und Organisation). Zur Grundversorgung werden die Arbeitsplätze, Netzwerke und Kommunikationsinfrastruktur inklusive der dafür verwendeten Applikationsplattformen (RZ-Infrastruktur) und auch die Applikationsplattformen für Fachapplikationen gezählt.
 
Der eigentliche Betrieb der Grundversorgung erfolgt aber in den meisten Fällen durch verwaltungsexterne Leistungserbringer. Pro Service der Grundversorgung soll ein Dienstleister bestimmt werden, der den Service für die gesamte Verwaltung erbringt. Ausgenommen ist der First Level Support (Service Desk und Vor-Ort-Support), welcher zentral durch das KAIO erbracht wird.
 
Sparen kostet übrigens auch etwas: Für die Umsetzung der Strategie wird der Kanton etwa 20 Millionen Franken ausgeben - sofern der Grosse Rat grünes Licht dazu gibt. Das Kantonsparlament hatte 2012 die unabhängige Überprüfung mit zwei Motionen angestossen. (Hans Jörg Maron/sda)