"Wieso schliesst ihr euch nicht zusammen?"

Thierry Kneissler (Twint), Falk Kohlmann (Swisscom), Veronica Lange (UBS) und Christian Vetsch (Abrantix). Bild: Hochschule Luzern
Vertreter von Twint und Paymit haben sich an einem Rundgespräch über die Auswertung von Kundendaten gestritten, Geschäftsmodelle angegriffen und Ausblicke gegeben. Einig waren sie sich nur einmal: Freunde, das würden sie nie werden.
 
Im Rahmen der vierten Swiss Digital Finance Conference an der Hochschule Luzern haben sich die grössten Player im Mobile Payment zu einem Gespräch am runden Tisch zusammengefunden. Unter ihnen Thierry Kneissler, der Geschäftsführer von Twint, auf der Seite von Paymit Veronica Lange, Head of Innovation bei UBS und Falk Kohlmann, Head of Trends & Innovation bei Swisscom. Die Runde ergänzte Christian Vetsch, CMO von Abrantix, einem Spezialisten für Payment Software.
 
Vor den Grossen ? allen voran wurde immer wieder Apple Pay genannt ? fürchten sich die heimischen Player nicht. So viel wird schnell klar. UBS-Frau Lange weist darauf hin, dass Apple in den USA bislang erfolglos versuche, alle Banken an einen Tisch zu bekommen. Und in Australien, wird weiter eingeworfen, habe keine einzige Bank mit Apple kooperiert. Cupertino habe zwar die Kartenanbieter Mastercard und Visa auf seiner Seite ? doch ohne die Banken laufe nichts.
 
Kundendaten, Werbung und ein fehlendes Geschäftsmodell
Sticheleien zwischen den beiden Hauptkonkurrenten gibt es, als Twint für die Auswertung der Kundendaten kritisiert wird. Bei Twint mitmachende Firmen wie Coop haben bekommen Zugriff, um etwa personalisierte Werbung schalten zu können. Wobei Kneissler seine Lösung mit dem Hinweis verteidigt, dass der Kunde dafür um Erlaubnis gefragt wird und diese auch nachträglich jederzeit über die Einstellungen der App zurückziehen kann. Gleich verhalte es sich mit der personalisierten Werbung.
 
Veronica Lange der UBS wird im Gegenzug für das fehlende Geschäftsmodell von Paymit angegriffen. Tatsächlich verdiene UBS an den Peer-2-Peer-Zahlungen zwischen einzelnen Personen nichts. "Wir tun das für die Kundenzufriedenheit", meint sie. Noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei indes die Preisliste für das Zahlen im Laden, dessen Einführung Paymit noch vor sich hat. Sie wird mit Spannung erwartet, denn Twint hat bereits mit sehr tiefen Gebühren vorgelegt. Dass Twint auch sonst voraus ist, nimmt Veronica Lange von Paymit mit Humor: "Wir schauen uns das an und schauen, was funktioniert". Bei Paymit würden dieses Jahr nun alle zwei bis drei Monate Neuerungen kommen, man hole auf.
 
Kneissler stellt indes die baldige Einführung der angekündigten Implementierung von Bonuskarten und Co. in Aussicht. "Eine reine Bezahllösung bringt nichts. Ab dem zweiten Quartal wird Twint viel mehr als ein Zahlungsmittel sein". Firmen sollten über die App mit dem Kunden "kommunizieren"
können. Er spielt damit auf individualisierte Werbung und die Auswertung von Kundendaten an.
 
Jeder gegen jeden oder alle für Einen?
Christian Vetsch von Abrantix stört sich vor allem daran, dass sich in der Schweiz eine Konkurrenzsituation entwickelt hat. Mit Blick auf Twint und Paymit sagt er, "jetzt versuchen zwei dasselbe". Parallel würden zwei Bezahlsysteme aufgezogen, die ganze Infrastruktur werde doppelt berappt. Er sähe es deshalb mit Blick auf die Konkurrenz aus dem Ausland lieber, wenn alle an einem Strick ziehen würden: "Warum schliesst ihr euch nicht zusammen?".
 
Twint-CEO Kneissler begegnet dem, dass man kaum schon soweit wäre, hätte die Konkurrenzsituation nicht zu einem Wettlauf geführt. Von einem kartell- oder monopolähnlichen Resultat will denn sonst auch niemand etwas wissen. So ist sich die Runde einig darin, dass es zu keinem zweiten Booking.com kommen dürfe. Die Hotelbuchungsplattform ist so mächtig geworden, dass sie die Preise diktieren kann, viele Hoteliers haben ihre Handlungsfreiheit bei der Preisgestaltung verloren. Rund 20 Prozent seiner Übernachtungseinnahmen müsse ein Hotelier hierzulande an die Buchungsplattform abliefern. In Deutschland sind die Knebelverträge unter Beschuss des Bundeskartellamts ? soweit solle es in der Schweiz nicht (noch einmal) kommen. (mik)