Swiss-IT am "offenen Herzen operiert"

Swiss schafft die schwierige Migration vom alten Reservationssystem von HP auf Amadeus ohne grössere Rumpler.
 
Den InformatikerInnen und Betriebsverantwortlichen der Airline Swiss dürften diesen Montag gleich einige Steine vom Herzen gepoltert sein. Denn Swiss hat über das Wochenende die erste Etappe eines riesigen Migrationsprojekts hinter sich gebracht. Man hat die Daten von über 950'000 Passagieren und mehr als zwei Millionen E-Tickets vom alten Reservationssystem auf eine neue Plattform migriert. Offenbar ohne grössere Probleme. Wie Projektleiter Guido Ruther in einem kurzen Telefongespräch mit inside-it.ch erzählt, konnten gerade mal die Daten von 2000 Passagieren nicht automatisch übernommen werden und mussten "von Hand" nachbearbeitet werden. Bei der Migration der über zwei Millionen E-Tickets ist dem verantwortlichen Team ein einziger Fehler aufgefallen. Auf Twitter liess sich nur eine Klage darüber finden, dass das Reservationssystem nicht richtig funktioniere. Auch ein E-Ticket des Schreibenden samt Zusatz-Sitzbuchung hat die Migration schadlos überstanden. Auf der Webseite warnt Swiss allerdings, dass es zu vereinzelten Einschränkungen bei der Flugbuchung kommen könne.
 
Das Reservationssystem ist der Kern der Informatik jeder Airline. Vom einen System auf ein anderes zu wechseln, ist deshalb wie eine Operation am offenen Herzen.
 
Vertrag mit HP gekündet, Migration auf das Konzern-System
Dass Swiss früher oder später das bisherige System für RIT (Reservation, Inventar, Ticketing) aufgeben könnte, weiss man seit genau 10 (!) Jahren. Denn der Lufthansa-Konzern, zu dem Swiss gehört, setzt das Reservationssytem des spanischen Weltmarktführers Amadeus ein.
 
Das Reservationssystem der Swiss stammt ursprünglich von Swissair, deren IT-Tochter Atraxis nach dem Untergang von Swissair vom US-Outsourcer EDS gekauft worden ist. EDS wurde von HP geschluckt. Der US-Riese bündelte das Know-How der verbliebenen ehemaligen Swissair-Leute in einem Kompetenzzentrum "Transportation Industry". Dort war eben das Reservationssytem, das HP für Swiss betrieb, angesiedelt. Der Vertrag mit HP wäre 2017 ausgelaufen, so Ruther. Swiss hat sich für Amadeus entschieden, unter anderem weil Swiss der letzte Kunde für das System von HP war und damit Weiterentwicklungen alleine hätte bezahlen müssen. Mit Amadeus arbeitet man nun auf dem gleichen System wie der Konzern und kann leichter Prozesse abstimmen, sagt Ruther.
 
Zweiter Cutover am 16. Februar
Die Migration ist mit dem grossen Schritt am letzten Wochenende noch nicht ganz ausgestanden. Denn ab dem 16. Februar werden weitere Systeme von drei Aussenstationen für Check-in auf Amadeus DCS (Check-in weight and balance) migriert. Die Check-in-Software für weitere Flughäfen, darunter Zürich und Genf werden im April respektive Mai umgestellt. Im Juni soll die ganze, grosse Übung dann abgeschlossen sein.
 
Wieviel Geld die Migration des "Resi", wie man das Kernsystem früher IT-intern genannt hat, kostet, will die Swiss-Presseabteilung nicht sagen. Auch werden die Preise von Amadeus für Lizenzen und Hosting nicht genannt. Immerhin lässt sich die Presseabteilung eine Zahl entlocken: Das Migrationsprojekt hat ungefähr 300 Mannjahre "gekostet". (hc)