"Bundes-Google": Bund kommt mit blauem Auge davon

Bei der Anschaffung eines Suchsytems auf der Basis der Google Search Appliance schrammt der Bund knapp an Millionenverlusten vorbei.
 
Spätestens 2019 wird die Google Search Appliance (GSA) von dem Internetriesen nicht mehr unterstützt. Wie 'Fortune' Ende letzter Woche mitteilte, seien Google-Reseller und Consulting Partner darüber unterrichtet worden, dass die GSA nur noch maximal drei Jahre weiterbetrieben werde. Kunden die noch auf die bisherige Hardware-basierte Variante setzen, können ihre Lizenzen noch bis 2017 um ein Jahr verlängern, dann ist Schluss. Neue Hardware wird schon jetzt nicht mehr verkauft. Sicherheitsupdates und technische Unterstützung soll es noch bis 2019 geben, wenn die letzten Lizenzverträge auslaufen.
 
Die Geschichte ist insbesondere im Hinblick auf den erst kürzlich aus letztlich rechtlichen Gründen erfolgten Abbruch der Einführung einer genau solchen GSA-Lösung beim Bund interessant. Dabei ging es um einen Grossauftrag von mehrere Millionen Franken zur Programmierung eines neuen Suchsystems für die öffentlichen Internet- und die internen Intranet-Seiten. Der deutsche Systemintegrator Wabion auf Basis der GSA implementieren. Zur Auftragsvergabe kam es am Ende wegen Ausschreibungsfehlern nicht. Da das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) im laufenden Verfahren grundlegende Bedingungen für die Anbieter änderte, hatte Anfang 2015 das Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde wegen "Verstoss gegen das Transparenzgebot" gebilligt. 10 Monaten später wurde vom BBL dann der komplette Abbruch des Projektes erklärt. Aus heutiger Sicht muss man da wohl sagen: Glück im Unglück.
 
Nach der nun so kurzfristigen Einstellung der GSA schrammt der Bund in diesem Projekt wohl an noch viel höheren Verlusten vorbei, als bisher schon bekannt war. Denn nach mehr als dreijährigem Leerlauf waren laut Bundeskanzlei bei Projektabbruch interne Kosten von 545'000 Franken angefallen und 250'000 Franken für externe Beratungen ausgegeben worden.
Zudem stellt sich einmal mehr die Frage, welche Garantien sich der Bund beispielsweise für Unterhalt und Support in dem Projekt geben liess. Denn geplant war bei der Ausschreibung 2013, dass das Suchsystem des Bundes im Endausbau – erst nach sechs Jahren - mit über mehr als 100 Millionen indexierten Inhalten voll zum Einsatz kommen sollte. Beim damaligen Konkurrenzprodukt, "Sharepoint 2013 Search" von Microsoft, dass von der in Will ansässigen DTI angeboten worden war, wären zehn Jahre nach dem letzten Verkaufstag garantiert gewesen. Offensichtlich galt das nicht für Google, zumindest legt die nun erfolgte kurzfristige Einstellung der GSA diesen Schluss nahe. - Im nachhinein darf man sich beim Bund jetzt immerhin freuen, dass eine Einsprache gegen die Auftragsvergabe erfolgte. (vri)