Twitter verliert Nutzer und bleibt in den roten Zahlen

Twitter steigert weiter schnell den Umsatz – aber das Wachstum der Nutzerzahlen stagniert. Bei den aktiven Nutzern hat der Micro-Bloggingdienst im vergangenen Quartal sogar einen Rückgang hinnehmen müssen. Das einst rasante Wachstum der Nutzerzahlen hatte sich bereits im vergangenen Jahr drastisch verlangsamt und alle Versuche, es wieder in Schwung zu bringen, blieben bisher erfolglos. Das bremst auch das künftige Geschäft, denn Twitter setzt auf Werbung wie von Firmen bezahlte Twitter-Nachrichten.
 
Für das vierte Quartal 2015 meldete Twitter 305 Millionen aktive Nutzer, wenn man die Abonnenten eines SMS-Dienstes herausrechnet. Das war ein Rückgang von zwei Millionen binnen drei Monaten. Analysten hatten dagegen einen Zuwachs von zwei Millionen erwartet. Zusammen mit dem SMS-Dienst stagnierte die Nutzerzahl bei 320 Millionen, während an der Börse mit einem Anstieg auf 323 Millionen gerechnet worden war. Konzernchef Jack Dorsey argumentierte, eigentlich müsse man über 500 Millionen weitere Nutzer dazuzählen, die Tweets zu sehen bekämen, ohne bei Twitter angemeldet zu sein.
 
Halbe Milliarde Dollar Verlust
Twitter konnte im vergangenen Quartal den Umsatz um 48 Prozent auf 710 Millionen Dollar steigen. Doch musste das Unternehmen einen Verlust von 90,2 Millionen Dollar hinnehmen. Ein Jahr davor war es noch ein Minus von 125,3 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr 2015 betrug der Verlust mehr als eine halbe Milliarde Dollar.
 
Bei gleichbleibenden Nutzerzahlen dürfte das bedeuten, dass Twitter immer mehr Werbung anzeigt. Die Zahl aktiver Werbekunden sei im vergangenen Quartal um 90 Prozent auf 130'000 gewachsen, hiess es.
 
Algorithmus für Timeline
CEO Dorsey kündigte an, die Funktionsweise von Twitter solle weiter verändert werden. Unter anderem seien Änderungen an der Struktur von Antworten auf Tweets geplant, die aktuell "verwirrend" sei und das Wachstum bremse. Twitter will den Nutzern zudem die Möglichkeit bieten, die Reihenfolge der Nachrichten durch eine Software bestimmen zu lassen. Bei der Option werden die Tweets nicht mehr wie gewohnt in chronologischer Reihenfolge dargestellt, sondern nach einem Algorithmus, der die für einen Nutzer relevanten Nachrichten höher einsortiert. Dorsey stellte bereits auch die von Anfang an gängige Einschränkung auf 140 Zeichen pro Tweet in Frage.
 
Ausserdem wolle er das Führungsteam ausbauen, sagte Dorsey. Im Januar hatten mehrere Top-Manager Twitter verlassen. Er glaube nach wie vor, dass Twitter das weltgrösste vernetzte Publikum auf der Welt zusammenbringen können. Facebook als weltgrösstes Online-Netzwerk hat rund 1,6 Milliarden aktive Nutzer. (sda/kjo)