Westschweizer gründen Verband für RZ-Betreiber

"Vigiswiss" präsentiert sich derzeit als Verkaufsplattform von acht Rechenzentrums-Betreibern. Dabei soll es sich aber um die Gründung des ersten Schweizer Datcenter-Verbandes handeln.
 
Wenn es nach "Vigiswiss ? Certified Swiss Data Center Association" geht, ist hierzulande eine Dachorganisation nötig, die sich "im Bereich Speicherung und Schutz von Daten in der Schweiz" engagiert. Dazu jedenfalls ist Vigiswiss letzten November als Verein ins Handelsregister eingetragen worden. Er soll das "Daten-Hosting in der Schweiz fördern". Allerdings präsentiert sich der "Verband" derzeit als Konglomerat von Firmen, die konkrete Services verkaufen wollen. Wie bei einem Unternehmen gibt es Angebote zu den Themen Beratung, Outsourcing, Engineering bis hin zum Cloudcomputing und Sicherheit. Dafür werden denn auch entsprechende Lösungen angepriesen. So sollen Mitglieder und Partner, konkret genannt werden Betreiber von "Datencentern, Hosting-Provider, Integratoren und Anbieter verwandter Dienstleistungen", solche Dienste liefern und sie mit einem Qualitätssiegel garantieren, wie es dazu weiter heisst. Das ist allerdings ein Missverständnis, wie Ralph Urech, Mitgründer und Sprecher des Verbandes gegenüber inside-it.ch festhält.
 
Vigiswiss bietet keine eigenen Lösungen an, sondern wie bei einem Verband üblich nur seine Mitglieder. Und die seien darauf fokussiert, "vertrauliche Daten von Regierungen, Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen sowie die damit verbundenen Systeme aufzubewahren und zu schützen". Mitglieder seien also nur RZ-Betreiber. Genannt werden hauptsächlich Westschweizer Firmen. Neben der Attinghauser Deltalis, sind das derzeit Safe Host (Avenche und Plan-les-Ouates), CDROM (Le Noirmont), Dnkast (Ports-Valais), Data 11 (Solothurn), Edificom (Lausanne), Abissa Informatique (Renens und Le Noirmont), und Colobale (Pratteln).
 
Swico geht in die Westschweiz
Nötig ist die Gründung laut Urech, weil die Branche insbesondere in der Westschweiz bisher nicht organisiert sei. Zwar gebe es Bemühungen etwa beim Telekom-Verband Asut, der eine Fachgruppe 'Data Center Infrastructure' unterhalte.
 
Doch käme die nicht vom Fleck, wie Urech kritisiert. Andreas Knöpfli, Präsident des Branchenverbandes Swico, findet die Idee, in der Westschweiz einen auf Datacenter fokussierten Verband aufzubauen, durchaus begrüssenswert. Nur sei das auf der aktuellen Web-Plattform nicht ablesbar. Sie präsentiere sich als Firmenverbund, der verkaufen will.
 
Noch einiges an Hausarbeiten
Jean-Marc Hensch, Swico-Geschäftsführer und Kolumnist von inside-it.ch, meint wohlwollend, Vigiswiss würde den urheberrechtlich nicht geschützten Begriff "Verband" etwas überstrapazieren. Swico selber ist in Sachen Datacenter unter anderem mit der Interessengemeinschaft 'EuroCloud Swiss' aktiv. Dass man dabei noch sehr auf die Deutschschweiz fokussiert ist, muss allerdings auch Hensch zugeben. Er kündigt jedoch an, dass Swico noch in diesem Jahr mit einer Dependance in der welschen Schweiz starten werde. Und auch die Webseite werde demnächst mehrsprachig sein.
 
Urech gibt durchaus zu, dass Vigiswiss noch einiges an Hausarbeiten zu erledigen hat. Auch schliesst er nicht aus, sich etwa in den Verband Swico einzugliedern, wenn der sich einst in der Westschweiz etabliert habe. Konkret will er nun aber inhaltlich arbeiten. Es dürfe beispielsweise nicht sein, dass von Interessenvertretungen, die man üblicherweise bei der Verwendung des Wortes Verband mitdenkt, bei Vigiswiss nirgends die Rede ist. Ein "Missverständnis", wie er sagt. Denn man wolle durchaus auch Politiker für die Verbandsarbeit gewinnen.
 
Erste Hochschulen habe man bereits an Bord, wobei konkrete Namen noch nicht genannt wurden. Schliesslich dürften auch bei dem als besonderes Merkmal angeführten Qualitätssiegel noch Verbesserungen anstehen. Das sollen zwar nur zertifizierte Mitglieder verwenden dürfen. Doch in den Statuten wird dafür lediglich auf die heute allgemein verwendete RZ-Norm EN 50600 und das bekannte IT-Governance-Framework COBIT (Control Objectives for Information and Related Technology) verwiesen. Auf Dauer dürfte das nicht reichen. (vri)