Wikimedia zerstreitet sich wegen neuer Suchmaschine

Die Wikimedia-Stiftung, die hinter Wikipedia und deren Nebenprojekten steht, plant offenbar eine eigene Suchmaschine.
 
Die US-Stiftung Knight Foundation, die gerne Medien und guten Journalismus unterstützt, beteiligt sich mit 250'000 Dollar am Projektaufwand. Insgesamt sind für die Umsetzung mindestens 2,5 Millionen Dollar und sechs Jahre Zeit veranschlagt.
 
Das Projekt ist hoch umstritten. Denn gegen aussen soll Wikimedia-Gründer Jimmy Wales den Eindruck vermittelt haben, es ginge lediglich um eine verbesserte interne Suchfunktion für die Wikimedia-Projekte. Sie würde dazu dienen, Wikipedia-Artikel, Mediendateien und alles weitere besser auffindbar zu machen.
 
Die Ankündigungen sorgten unter den vielen Freiwilligen der Wikimedia-Stiftung für Unruhe. Viele von ihnen dürften sich durch die Ankündigung an Wikia erinnert gefühlt haben, einem früheren Projekt Wales' für eine kommerzielle Suchmaschine, die allerdings erfolglos blieb.
 
Tatsächlich scheinen nun von auf Wikipedia selbst veröffentlichte Zitate aus dem Förderantrag nahezulegen, dass es um viel mehr geht, als eine bessere Wikipedia-Suche. So wolle das Projekt "ein Modell erschaffen, das qualitativ hochwertige, öffentliche Informationen im Internet an die Oberfläche spült". Google und Yahoo werden dabei explizit als Konkurrenten erwähnt.
 
Am augenfälligsten ist aber, dass die Projektumschreibung arg an Wikia erinnert: "Unsere neue Seite wird die erste transparente Suchmaschine des Internets und die erste, die auf die Reputation von Wikipedia und der Wikimedia Foundation zählen kann."
 
Für noch mehr Zorn unter den Freiwilligen sorgt, dass das Projekt hinter verschlossenen Türen ausgekegelt wurde: In keinem der öffentlichen Ausblicke auf die kommenden Jahre von Wikimedia wird sie erwähnt, schreibt 'Motherboard'. (mik)