CIOs schieben Digitalisierung (noch) vor sich her

So verteilt sich das Budget der Befragten CIOs (für Hardware, Software, Services etc.). Quelle: capgemini.com
Erst mal Big Data. Digitalisierung ist allen wichtig, aber Innovationsbudgets schrumpfen.
 
Im laufenden Jahr geben die CIOs in der Schweiz, Deutschland und Österreich weniger Geld für Innovation aus. So wurden vergangenes Jahr noch über 20 Prozent in die Neugestaltung und den Ersatz der IT gesteckt; Im laufenden Jahr sind es noch gut 16 Prozent. Zudem sinkt auch der Teil des Budgets, der für die Evaluierung von Innovation ausgegeben wird, von über neun auf 7,8 Prozent. Dies geht aus einer von Capgemini durchgeführten Befragung hervor, an der sich rund 150 IT-Entscheidungsträger beteiligt haben. Insgesamt wachsen die IT-Budgets bei 80 Prozent der Unternehmen. Knapp die Hälfte des Geldes wird für Betrieb, Wartung und Pflege der bestehenden Systeme ausgegeben, weitere rund 23 Prozent werden für Updates, Aktualisierungen und Erweiterungen benötigt.
 
Zunächst wird analysiert
Das rückläufige Budget in den Bereichen Ersatz, Neugestaltung und Evaluierung von Innovation überrascht angesichts der Tatsache, dass über 52 Prozent der CIOs den Ausbau der Digitalisierung als eines der wichtigsten Ziele für 2016 bezeichnen. Der Studie zufolge gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem Innovationsbudget und der Bedeutung der Digitalisierung. Diese stehe jedoch im Zusammenhang mit dem Umsetzungsgrad von Big Data. CIOs setzen demach im Moment offenbar weniger auf Innovationen, sondern gehen die Digitalisierung über die Vernetzung von Informationen und Prozessen sowie die Analyse ihrer Daten an, so die Studienautoren.
 
So werde derzeit im Rahmen der Digitalisierung hauptsächlich Vorhandenes vernetzt, anstatt Neues einzuführen. Dies zeige die Korrelation zum Anstieg der Big-Data-Nutzung. Viele Unternehmen möchten zunächst ihre Daten analysieren, um herauszufinden, wie sie diese gewinnbringend nutzen können. Innovationen oder neue Geschäftsmodelle sollen dann erst in einem nächsten Schritt umgesetzt werden. Spitzenreiter beim Big-Data-Einsatz sind wie im Vorjahr die Finanzdienstleister. Das produzierende Gewerbe und die Automobilindustrie holen jedoch auf.
 
Hürden für Digitalisierung
Mangelndes Know-how wird als grösstes Problem bei der Digitalisierung genannt. Es würden insbesondere Mitarbeiter fehlen, die sich mit IoT-Technologien, Datenauswertung und Analyse auskennen. Während die Industrie am dringendsten Spezialisten für das Internet der Dinge benötigt, sucht die öffentliche Hand vor allem Fachleute für die Datenauswertung. Bei den Finanzdienstleistern wird der Mangel an IoT- und Big-Data-Spezialisten beklagt.
 
Um den Mangel auszugleichen, werden in 85 Prozent der Fälle Externe verpflichtet, um Analytics-Projekte durchzuführen. Bei IoT-Dienstleistungen hingegen gebe es noch nicht viele Angebote von Dienstleistern. Dementsprechend müssen Unternehmen ihre eigenen Fachleute aus verschiedenen Bereichen wie Elektrotechnik, Mechanik, Informatik oder Mathematik zusammenbringen und dafür sorgen, dass sich ihre Mitarbeiter das IoT-Wissen im Tagesgeschäft aneignen.
 
Als weitere Hürden für die Digitalisierung werden eine mangelnde übergreifende Planung, unflexible Geschäftsprozesse und starre Organisationen genannt. Die Digitalisierung würde alle Abteilungen betreffen und sollte zentral gesteuert werden. Doch fehle die Koordination offenbar häufig, trotz einer guten Unterstützung durch das Top-Management. Um die starren Geschäftsprozesse auszugleichen hätten viele CIOs vergangenes Jahr in die Flexibilisierung der Systeme investiert. So sollen jetzt insbesondere die Kernprozesse schneller verändert werden können als bisher. (kjo)