Worin investieren SAP-Kunden?

Klassiker bleiben im Vordergrund, HANA, Cloud und Co. noch unter "ferner liefen".
 
Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) hat die Ergebnisse ihrer jährlichen Investitionsumfrage unter Unternehmen, die SAP verwenden, vorgelegt. Dieses Jahr beteiligten sich 344 Firmen, davon 277 aus Deutschland, 24 aus der Schweiz und 21 aus Österreich.
 
gemäss den Ergebnissen steigen die IT-Budgets der Beteiligten insgesamt um 2,7 Prozent, wobei die budgetierten Ausgaben für SAP-Systeme überproportional um 6 Prozent steigen sollen. Die Aussagen der Schwiezer Beteiligten stimmen in dieser Beziehung weitgehend mit den restlichen Resultaten überein.
 
Einen einzelnen "Killer-Bereich", in den eine grosse Mehrheit der SAP-Anwender investieren will, gibt es nicht. Laut der Umfrage investieren die Unternehmen weiterhin am ehesten in klassische Projekte. Bei der Frage nach den konkreten Investitionen wurde dieses Jahr erstmals nach Hauptinvestitionen, mittelgrossen Investitionen und kleineren Investitionen unterschieden. Je 28 Prozent der Beteiligten planen Hauptinvestitionen oder mittlere Investitionen in klassische Projekte wie Rollouts neuer Funktionen oder Module sowie Harmonisierungen und Konsolidierungen ihrer SAP-Systeme (siehe Grafik).
 
Neue Business-Intelligence-Produkte von SAP wollen ebenfalls relativ viele Kunden anschaffen, wobei hier viel eher mittelgrosse als grosse Investitionen vorgesehen sind. Grössere Ausgaben für neue SAP-Angebote und -Technologien wie HANA oder Cloud-Produkte planen dagegen jeweils nur eine kleinere Zahl von "Vorreitern".
 
Schweizer bleiben HANA-affiner - für Business-Suite
Während die Antworten der Schweizer Unternehmen in vielen Bereichen denen ihrer deutschen Kollegen ähneln, gibt es einen recht grossen Unterschied: Laut DSAG plant ein Viertel der Schweizer Umfrageteilnehmer Hauptinvestitionen, um die Business Suite auf HANA-Basis zu bringen. Im Gesamtschnitt sind es dagegen nur neun Prozent. Angesichts der vergleichsweise kleinen Zahl der Schweizer Anwender könnte dies ein Zufall sein, allerdings stimmt das Ergebnis weitgehend mit dem des letzten Jahres überein, was die Wahrscheinlichkeit eines Zufalls senkt. Und es gibt plausible Erklärungen: "SAP Schweiz hat den Kunden sehr früh eine HANA-Umgebung zur Verfügung gestellt und damit ermöglicht, die Business Suite on HANA an praktischen Beispielen und anhand der eigenen Bedürfnisse zu testen", sagt dazu Christian Zumbach, DSAG-Vorstand für die Schweiz.
 
Schweizer Firmen scheinen also eher als Unternehmen in den anderen deutschsprachigen Ländern darauf zu setzen, die klassische Business Suite von SAP mit SAPs In-Memory-Technologie aufzuwerten. Die ganz neue Suite S/4HANA sei dagegen in der Schweiz sogar noch seltener ein Thema als sie dies in den umliegenden Ländern eh schon ist, bemerkte der DSAG-Vorstandsvorsitzende Marco Lenck an der Pressekonferenz zur Umfrage.
 
Ein Mitgrund für die bisher geringe Akzeptanz der neuen ERP-Suite S/4HANA dürfte es ein, dass sie eben zwingend mit HANA verbunden ist beziehungsweise dass es dafür keine alternativen Datenbanken von Drittherstellern gibt. Konkurrenz durch andere Datenbanken könnte unter anderem einen gewissen Preisdruck auf SAP bewirken. Um eigene Konkurrenzprodukte entwickeln zu können fehlen aut Lenck Anbietern wie Oracle oder IBM aber vor allem noch genügend Informationen darüber, welche Funktionen von SAP in die Datenbank verlegt wurden.
 
Schweizer auch in Sachen Cloud etwas mutiger
Klar häufiger als bei deutschen und österreichischen sind bei Schweizer DSAG-Mitgliedern auch Investitionsabsichten für Software-as-a-Service-Angebote von SAP. Pläne für Haupt- und mittelgrosse Investitionen hegen zusammengenommen 25 Prozent der Schweizer Umfrageteilnehmer, im Gesamtschnitt sind es 13 Prozent. Dazu Zumbuchen: "Die Schweizer DSAG-Mitglieder sind der Meinung, dass sie mit geeigneten Sicherheits- und Verschlüsselungskonzepten ihre Daten vor Fremdzugriffen weitgehend schützen können. Das könnte den grossen Zuspruch für die Cloud-Produkte erklären."
 
Fast gar keinen zuspruch findet dagegen die HANA Cloud-Plattform. Dieses SAP-Produkt, so fasste Lenck knapp zusammen, sei bisher weder am Markt angekommen noch werde es überhaupt verstanden. (Hans Jörg Maron)