SAPs S/4HANA für bestehende Kunden fast gratis

Das ist eine Kriegserklärung an Oracle: Bestehende Kunden erhalten S/4HANA für lächerliche 9000 Euro, müssen aber in die In-Memory-Datenbank HANA investieren. Der ultratiefe Lizenzpreis gilt auch für Kunden, die noch R/3 einsetzen.
 
9000 Euro: Genau so viel kostet die Lizenz für die neue und neuartige Business-Lösung S/4HANA für bestehende Kunden. Es gilt das Prinzip "Like for Like", sagt SAP-Manager Uwe Grigoleit im Gespräch mit inside-it.ch. Bestehende SAP-Kunden, die auf S/4HANA migrieren wollen, erhalten also für den symbolischen Betrag die gleichen Funktionen und Lizenzen für die gleiche Anzahl User wie ihre bisherigen Systeme hatten. Grigoleit ist als Global Vice President für Business Development aller auf HANA aufbauenden Produkte verantwortlich.
 
Zum minimalen Lizenzpreis von 9000 Euro kommen allerdings die Lizenzkosten für die In-Memory-Datenbank HANA dazu. Dafür allerdings kann man zumindest theoretisch die bisherige Datenbank, oft Oracle, ablösen.
 
S/4HANA ist ein neues Produkt
Erst letzte Woche hat die Schweizer SAP-User-Lobby IG SAP gewarnt: SAP betrachte S/4HANA als neues Produkt, Kunden müssten deshalb auch dann neue Lizenzen bezahlen, wenn sie bereits SAP Business-Suite einsetzen. Grundsätzlich ist das richtig, bestätigt Grigoleit. SAP betrachtet S/4HANA als neues Produkt, das in jedem Fall neu gekauft werden muss.
 
Doch offensichtlich geht es der Nummer eins im Weltmarkt für Business-Software nicht darum, möglichst viele Lizenzerträge mit S/4HANA einzukassieren. Denn 2015 hat man die Lizenzen für S/4HANA mit einer Einführungspromotion ganz kostenlos abgegeben. Diese Aktion wurde per Ende Jahr beendet, so Grigoleit. Der sehr geringe Preis von 9000 Euro für bestehende Kunden ist nun aber nicht an eine bestimmte Periode festgemacht – die Befürchtungen der IG SAP scheinen damit unbegründet.
 
Frontalangriff auf Oracle
9000 Euro sind innerhalb eines SAP-Projekts, das im schlimmsten Fall Dutzende von Millionen Franken verschlingen kann, schlicht "Peanuts". SAP geht es offenbar darum, möglichts viele der bestehende Kunden dazu zu motivieren, einen Umstieg auf die neue Plattform und die In-Memory-Technologie möglichst bald in Betracht zu ziehen. Grigoleit: "Wir wollen, dass die Lizenzkosten keine Barriere beim Entscheid für S/4HANA sind."
 
SAP wird von bestehenden Kunden damit fast keine zusätzlichen Lizenzerträge generieren, wohl aber zusätzliche Datenbanklizenzen verkaufen können. Und versucht so, den Konkurrenten im Datenbankmarkt, Oracle, IBM und Microsoft, das Wasser abzugraben.
 
Doch die meisten SAP-User haben Zusatz-Anwendungen oder Umsysteme, die auch weiterhin (noch) auf eine klassische, relationale DB aufsetzen. HANA-Anwender könnten deshalb gezwungen sein, für zwei Datenbanken bezahlen zu müssen.
 
Wer HANA kauft, bekommt deshalb kostenlos Runtime-Lizenzen für Sybase ASE von SAP. Zudem können jene Applikationen, die noch nicht für S/4HANA neu programmiert ("simplifiziert") wurden, in der bisherigen Version mit der In-Memory-Datenbank betrieben werden, so Rigoleit.
 
Weltweit erste produktive S/4HANA ERP-Lösung in der Schweiz
Bis letzten Herbst gab es erst den Finanzteil der SAP-Software in der völlig neu erarbeiteten und massiv vereinfachten Version (S/4HANA Simple Finance). Im November lancierte SAP Version S/4HANA 15/11, die viele weitere Funktionen der Business-Suite enthält, so Inventory Management, Produktion, Vertrieb und Beschaffung. Die Business-Suite ist damit zu ungefähr 65 Prozent mit den neuen Datenmodellen umgesetzt, so Grigoleit.
 
Der weltweit erste Kunde, der die November-Version eingeführt hat, ist übrigens eine Schweizer Firma. Um welche Firma es sich handelt, durfte Grigoleit aber nicht sagen. Gemäss des Hersteller, gab es Ende 2015 weltweit 2700 S/4HANA-Kunden. Die Antwort auf die wirklich interessante Frage, wieviele dieser Kunden heute tatsächlich mit S/4HANA arbeiten, kennen wir allerdings nicht. (Christoph Hugenschmidt)