Google zahlt ausserhalb der USA sieben Prozent Steuern

Internationale Grosskonzerne drücken sich in Europa zum Teil gekonnt vor Steuerzahlungen. Dies ist schon länger bekannt und nicht nur der EU ein Dorn im Auge. Anfang Jahr hat die EU-Kommission ein Massnahmenpaket vorgelegt, um gegen Steuerbetrug vorzugehen, insbesondere sollen auch Steuerschlupflöcher für Grossunternehmen geschlossen werden. Bis diese Massnahmen aber durchgesetzt werden, müssen die Länder Geduld zeigen.
 
Ende letzten Monat wurde bekannt, dass Google in Grossbritannien 185 Millionen US-Dollar Steuern nachbezahlen musste. Nach einem mehrjährigen Audit einigte sich die britische Finanzbehörde mit Google auf diesen Betrag. Der Steuer-Verantwortliche von Google sagte, dass es sich dabei "um den rechten Betrag" handle und der US-Konzern somit beinahe 20 Prozent Steuern bezahle, wie 'Bloomberg' schreibt.
 
Andere wiederum betrachteten diesen Betrag als viel zu niedrig. Kritiker forderten über 250 Millionen Dollar. Das Google nun für die nicht-US-Gewinne 20 Prozent Steuern bezahle, stimmt gemäss 'Bloomberg' nicht. Betrachte man die nicht-US-Einnahmen der letzten drei Jahre gesamthaft, habe Google in diesem Zeitraum lediglich 7 Prozent an Steuern bezahlt. 'Bloomberg' bezieht sich hierbei auf eine Analyse der SEC-Eingaben der vergangenen drei Jahren. Die Diskrepanz entsteht auch durch das geschickte Hin- und Herschieben von Geldern. Von verschiedenen Länderniederlassungen nach Irland und von dort aus auf die Bermudas. Google Ireland ist zwar in Dublin registriert, der Sitz befindet sich jedoch auf der Inselgruppe. Behörden in Frankreich oder Italien, wo Google Büros, Angestellte und Kunden hat, werden kaum etwas von diesen Gewinnen in Form von Steuereinnahmen sehen, schliesst 'Bloomberg'.
 
Google hat vor zwei Jahren elf Milliarden Euro durch legale Steuerschlupflöcher aus Europa geschleust, wie aus den Bilanzdaten der Google Netherlands Holdings BV hervorgeht. Das ganze geschah über das komplexe Firmengeflecht, dank dem der Grossteil des im Ausland verdienten Gewinns steuerfrei blieb. Google erklärte dazu, das Unternehmen halte sich in allen Ländern, in denen es tätig ist, an die Steuergesetze. Damit ist Google nicht allein: Zahlreiche international tätige Konzerne stehen wegen solcher Steuertricks in der Kritik. Die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) hat im vorigen Jahr eine Initiative gestartet, um diese umstrittenen Schlupflöcher zur Steuervermeidung zu schliessen. (kjo)