IoT als Retter schwächelnder ICT-Hightech-Unternehmen Europas?

Zwar verliert bisher die Hightech-Industrie Europas weiter an Bedeutung. Doch neue Marktfelder wie das IoT (Internet of Things) könnten zu einer Wende führen. Das glauben jedenfalls die Analysten des Beratungshauses A.T. Kearney. Nur noch acht europäische Unternehmen zählen zu den weltweiten Top 100 Hightech-Unternehmen, teilten die Berater kürzlich in einer Studie mit, die ihren Schwerpunkt in der ICT-Industrie hat.
 
2014 zählten noch neun Unternehmen Europas zur weltweiten Spitzenklasse, jetzt sind es noch acht. Zudem habe im Vergleich mit den Vorjahren deren Anteil am weltweiten Umsatz weiter abgenommen. Er schrumpfte von neun Prozent im Jahr 2012 auf noch "sieben bis acht Prozent" im 2015. Die Berater begründen den Rückgang unter anderem mit der Übernahme von Nokias Mobiltelefon-Sparte durch Microsoft.

A.T. Kearney sieht allerdings auch positive Effekte dieser Entwicklung. So verweisen die Analysten auf die Festigung der Position der grossen europäischen Player "in entscheidenden Bereichen". Einige Hightech-Unternehmen hätten es geschafft, sich durch Fusionen und Übernahmen im B2B-Sektor (Business-to-Business) global gut aufzustellen. Weiter wird auf den Zusammenschluss von Alcatel-Lucent und Nokia verwiesen, der heute im Segment Kommunikationszubehör und –Service mit 35 bis 40 Prozent des Umsatzes dominiere. Zudem wird in der Halbleitersparte auf die NXP-Übernahme von Freescale verwiesen, wodurch ein neuer europäischer Player erstmals in die Top-Ten aufgestiegen sei.
 
Kontrastiert wird dieser Wandel aber auch mit der wachsenden Bedeutung einiger globaler Konkurrenten Europas, die ebenfalls an Boden gewonnen hätten. Genannt wird hier Lenovo, durch die Akquisition von Motorola zur weltweiten Nummer drei bei den Mobiltelefonen aufgestiegen. Dell wird durch die Fusion mit EMC zur Nummer fünf in Sachen IT-Services und Software mutieren.
 
Auf die Frage, "wie Europa in Anbetracht dieser Entwicklungen noch mit der globalen Hightech-Industrie mithalten" könne, verweisen die Analysten auf "neue Quellen innovativer Produkte und Wettbewerbsvorteile". Hier streichen sie insbesondere das Internet der Dinge (IoT) heraus, das als Wachstumstreiber Europa helfen könne, seinen Hightech-Sektor voranzubringen. So wollen die Berater in ihrer Studie "The Internet of Things - A New Path to European Prosperity" herausgefunden haben, dass der Markt für IoT-Lösungen, Software, Komponenten und Dienstleistungen "allein in Europa 80 Milliarden Euro" ausmache.

Schlüsselbranchen wie Gesundheit, Automotive und Industrials, aber auch Start-ups wie Riot OS, Arduino, Raspberry Pi und Kommunikationsspezialisten wie Ericsson und Nokia zeigten die im IoT-Markt schlummernden Möglichkeiten Europas auf. Würden hier die richtigen Massnahmen ergriffen, so die Einschätzung von A.T. Kearney, könnte die globale "Hightech-Landschaft 2025 ein signifikant anderes Bild abgeben" als heute. Nur müsse man dazu jetzt beginnen, den IoT-Sektor auszubauen, wie die Analysten meinen. (vri)