EFG-BSI-Fusion: Temenos oder Avaloq/B-Source?

Die beiden Banken wollen auf eine gemeinsame IT-Plattform migrieren.
 
Wie gestern bekannt wurde, übernimmt die Schweizer Privatbank EFG International ihre Tessiner Konkurrentin BSI. Zusammen wollen die beiden ähnlich grossen Banken zur Nummer fünf im Schweizer Privatbankengeschäft werden. Von der neuen Grössenordnung erhoffen sich die beiden Banken auch neue Möglichkeiten. Ein Mitgrund für den Zusammenschluss sind aber auch angestrebte Kosteneinsparungen von rund 185 Millionen Franken pro Jahr. Und mehr als die Hälfte davon soll laut EFG und BSI aus der Migration auf eine gemeinsame IT-Plattform resultieren.
 
EFG benützt schon seit vielen Jahren die Software des Genfer Herstellers Temenos als Kernbankensoftware. BSI benützt Avaloq und lässt die Plattform von B-Source betreiben. Die beiden Banken haben gestern betont, dass die Entscheidung darüber, welche Plattform für die Zukunft gewählt wird, noch nicht gefallen sei.
 
Eines der beiden Unternehmen wird dennoch einen grossen Kunden verlieren, das andere einen gewinnen. Bis es (komplett) so weit ist, werden aber noch mindestens rund vier Jahre vergehen. Die vollen Kosteneinsparungen von 185 Millionen Franken pro Jahr, so die Prognose von BSI und EFG, sollen ab 2019 realisiert werden. Dieses Jahr soll es noch keine Einsparungen geben, nächstes Jahr 28 Millionen Franken und im Jahr darauf 130 Millionen Franken.
 
Wie bereits erwähnt soll mehr als die Hälfte davon bei der IT eingespart werden. So eine Migration verursacht aber auch hohe Kosten. EFG und BSI rechnen mit Gesamtkosten von rund 200 Millionen Franken für die Integration der beiden Unternehmen, verteilt auf die Jahre 2016 bis 2018. Wie viel davon die IT-Migration verschlingen soll, ist nicht klar. Es dürfte aber wohl ein erheblicher Teil sein.
 
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob Temenos oder Avaloq beziehungsweise B-Source die besseren Chancen haben, zur zukünftigen Plattform gewählt zu werden. B-Source-Sprecherin Marianne Taylor erklärte auf unsere Anfrage hin, dass man Spekulationen nicht kommentieren wolle. Man betrachte BSI weiterhin als wichtigen Kunden.
 
Kommentatoren in der Tagespresse, beispielsweise beim 'Tages-Anzeiger' oder 'finanzen.ch' sehen eher B-Source in der Verliererrolle. Der Bankpersonalverband hat auch bereits gewarnt, dass bei einem Absprung von BSI Stellen bei B-Source gefährdet seien. Falls dies geschehe, solle für die Betroffenen schnell ein Sozialplan ausgearbeitet werden.
 
Ein Grund könnte sein, dass Temenos gegenwärtig, zum Beispiel als Gewinner des Deals bei der Bank Julius Bär im direkten Konkurenzkampf mit Avaloq eher das Siegerimage hat, während der Avaloq gleichzeitig gewisse Imageprobleme bekommen hat.
 
Der Temenos-Marketingchef Ben Robinson hat sich kürzlich in einem Interview mit inside-it.ch zur Strategie des Genfer Bankensoftwareherstellers in der Schweiz geäussert.
 
Beide Banken haben enge Verbindungen zu ihren gegenwärtigen Softwarepartnern beziehungsweise Plattformbetreibern. Im Verwaltungsrat von Temenos sitzt der frühere EFG-COO Ian Cookson. BSI hat B-Source gegründet und erst kürzlich die letzten Anteile an Avaloq verkauft. B-Source sollte einst eine eigene Bankenlösung entwickeln. Nachdem dieser Plan fehlschlug, entschied sich B-Source Ende 2007, alle Kunden auf Avalog zu migrieren. Avaloq übernahm 2011 die Mehrheit von B-Source (Hans Jörg Maron)