Nokia sieht sich als Nummer 1 - fast überall

Nokia Chefstrategin Kathrin Buvac. Foto: Nokia
Nokias Chef-Strategin Kathrin Buvac erläutert die Strategie des Konzerns nach der Übernahme von Alcatel-Lucent. Doch so richtig überzeugen kann sie nicht.
 
Nokia hat sich beeilt: Obwohl die Aktionäre von Nokia die 17-Milliarden-Übernahme von Alcatel-Lucent erst vor drei Monaten genehmigt haben, trat der Telekomausrüster am Mobile World Forum bereits einheitlich auf. Dass die "neue" Nokia ein Konglomerat aus finnischen (Nokia), deutschen (Siemens, später Nokia Siemens Networks), französischen (Alcatel) und US-amerikanischen (Lucent) Firmenresten ist, bemerkte man aber trotzdem. Man hörte am Nokia-Stand viel Französisch und Deutsch während an der Messe ansonsten Englisch und Chinesisch die meistgehörten Sprachen sind.
 
Nokia sei nun finanziell stark und in fast allen Märkten, die der Konzern anspricht, die Nummer 1, sagte Kathrin Buvac, die als Chief Strategy Officer im riesigen Konzern für eine einheitliche Strategie sorgen soll. Nur im Markt für IP-Routing sei Nokia eine starke Nummer 2, so Buvac. Ausserdem sei Nokia als einziger Player im Markt der Telekomausrüster wirklich global aufgestellt und habe ein komplettes Produktportfolio. Cisco habe keine Produkte für Mobilfunk, Huawei sei nicht global präsent, sagte Buvac.
 
Irgendwie kam uns das Argument der smarten Managerin bekannt vor. Denn schon Lucent und später Alcatel-Lucent haben jeweils mit der schieren Grösse argumentiert, wenn man sie fragte, wie sie gegen die aufkommende chinesischen Konkurrenz bestehen wollten. Die Grösse hat weder Alcatel, noch Lucent und auch nicht der untergegangenen kanadischen Nortel oder dem von Nokia aufgesogenen Telekommunikationsarm von Siemens etwas geholfen.
 
Grösse sei in einem nicht wachsenden Markt wichtig, denn die Kunden würden heute versuchen, ihre Betriebskosten zu senken, erklärte die Nokia-Chefstrategin.
 
Wie gehabt: IoT, Partnerschaften, vertikale Märkte
Wie alle Anbieter am Mobile World Congress sprach auch Buvac viel vom Internet der Dinge. Nokia konzentriere sich auf bestimmte Branchen. Man habe Lösungen für fünf von total neun Branchen, in denen neue Lösungen für den Bau des Internet der Dinge benötigt werden.
 
Insbesondere bietet Nokia Lösungen für Verkehrsmanagement, "Sicherheit" und Überwachung und für den Gesundheitsbereich an.
 
Wofür eine Chefstrategin?
Nokia hat fünf Geschäftsbereiche. Neben den vier nach Produkten ausgerichteten Bereichen "Mobile Networks", "Fixed Networks", "IP/Optical Networks" und "Application and Analytics" gibt es den fünften Bereich "Nokia Technologies", in dem unter anderem das Business mit Patent-Lizenzen untergebracht ist. Zudem gibt es zwei grosse Forschungsstätten: Nokia Technology und die Bell Labs. In den Bell wird an Netzwerk-Technologie geforscht, bei Nokia Technology wird alles andere entwickelt. Sehr stolz ist man auf die VR-Kamera Ozo.
 
Wozu braucht es eine Chief Strategy Officer, wollten wir von Kathrin Buvac wissen. Ihre Antwort: Nokia habe fünf sehr starke Geschäftsbereiche mit starken Präsidenten. Ihr Job sei es, sicherzustellen, dass der Konzern über alle Geschäftsbereiche hinaus eine einheitliche Strategie verfolge. (hc)