Letztes Jahr über 700 Millionen Datensätze gestohlenen

Hacker haben vergangenes Jahr weltweit 707,5 Millionen Datensätze gestohlen. Wie aus dem Gemalto "Breach Level Index" hervorgeht, sind dies immerhin 39 Prozent weniger als noch im Jahr 2014. Die Zahl der Hackerangriffe ging um 3,4 Prozent zurück. Dennoch gingen vergangenes Jahr im Schnitt täglich knapp zwei Millionen Datensätze verloren. Bei knapp der Hälfte der Angriffe ist die Quelle unbekannt.
 
Die genaue Anzahl der gestohlenen Datensätze kennt man jedoch nicht: Denn bei 47 Prozent der Angriffe ging eine unbekannte Anzahl von Datensätzen verloren. Somit dürften es noch mehr als die oben genannten 707,5 Millionen sein, wie die Autoren schreiben. Der Report basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen, die im Index von Gemalto gesammelt werden.
 
Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, zielten 2013 und 2014 die Mehrzahl der Angriffe auf Kreditkarten- und Finanzinformationen ab. Vergangenes Jahr hingegen betraf mit 53 Prozent oder 880 Angriffen eine Mehrzahl der Angriffe Identitätsdiebstahl und persönliche Daten. Der Anteil der Angriffe mit dem Ziel Finanz-Daten zu klauen, betrug noch 22 Prozent. Trotz der vielen Angriffe, mit dem Ziel Finanz-Daten zu ergattern, gingen hier "nur" 5,7 Millionen Datensätze verloren, was weniger als einem Prozent aller verlorenen Daten entspricht.
 
Die grössten Angriffe vergangenes Jahr
Der umfangreichste Angriff in Bezug auf die Anzahl der gestohlenen Datensätzen 2015 richtete sich Gemalto zufolge gegen den US-Krankenversicherer Anthem. Dabei wurden 78,8 Millionen Datensätze gestohlen. Betroffen waren aktuelle und ehemalige Kunden des Krankenversicherers sowie die Angestellten von unabhängigen Unternehmen, die Dienstleistungen von Anthem bezogen. Die Hintermänner sind nicht bekannt. Es wird vermutet, dass der Angriff von einer ausländischen Regierung gestützt war. Ein ebenfalls riesiger Angriffe richtete sich gegen die türkische Regierung. Bei einem Hackerangriff auf das Bevölkerungsamt wurden 50 Millionen Datensätze gestohlen. Auch wer hinter diesem Angriff steckte, ist unbekannt.
 
Der drittgrösste Angriff, den Gemalto nennt, betraf nahezu alle Einwohner von Südkorea. Dabei wurde ein Software-Konzern angegriffen, zu dessen Kunden eine Vielzahl der Apotheken des Landes gehören. Beim Angriff wurden 43 Millionen Datensätze, inklusive Sozialversicherungsnummern, Namen und Adressen geklaut. Wie Gemalto schreibt, wurden später die persönlichen und medizinischen Informationen von fast 90 Prozent der Bevölkerung an einen multinationalen Konzern verkauft.
 
77 Prozent der von Gemalto analysierten Angriffe haben in Nordamerika stattgefunden, die meisten davon in den USA. Von den 209 Hackerangriffen in Europa war die Mehrheit in Grossbritannien, gefolgt von Deutschland und den Niederlanden. Gemalto verbuchte zudem zwei Hackerangriffe in der Schweiz, wobei keine weiteren Details dazu genannt werden. (kjo)