Schweizer Unternehmen und die Angst, UBERfahren zu werden

Kaum einer der Teilnehmer am C-Level-Roundtabele empfindet disruptive Geschäftsmodelle nicht als Bedrohung.
C-Level-Umfrage: Schweizer Top-Manager diskutieren die Bedrohung durch neue, disruptive Geschäftsmodelle und die Reaktionen in ihren Unternehmen.
 
Disruptive Geschäftsmodelle sind das neue Paradigma einer globalisierten, miteinander vernetzten und vor allem digitalen Wirtschaftswelt. Der Kampf um die digitale Schnittstelle zum Endkunden ist längst entbrannt: agile Start-Ups attackieren Grossunternehmen in ihren Kerngeschäften. Diese sind mit dem Risiko konfrontiert, "UBERisiert" zu werden. Andererseits eröffnen sich Chancen, den Spiess umzudrehen und selber zum Angreifer zu werden. Wie man neue disruptive Geschäftsmodelle entwickelt und nachhaltig zum Erfolg führt, diskutierten mit freundlicher Unterstützung von Tata Consultancy Services sowie dem Boydak Digital Lab 60 Mitglieder der Schweizer Top-Manager-Community am ersten C-Level-Roundtable des neuen Jahres.
 
Auswirkungen für etablierte Unternehmen durch disruptive Attacker
Wie gross die Tragweite disruptiver, zumeist digitaler Geschäftsmodelle für Traditionsunternehmen ist, zeigt auch die C-Level-Umfrage unter den Teilnehmern des Roundtable. Demnach sehen 39 Prozent der Schweizer Top-Manager ihr Unternehmen ganz oder zumindest in Teilen bereits kurzfristig unter Druck durch digitale Disruptoren. Auf lange Sicht sind es gar 96 Prozent.
 
Die Digitalisierung bietet Unternehmen Chancen in drei übergeordneten Stossrichtungen: erstens die Weiterentwicklung und Optimierung bestehender Produkte und Prozesse. Zweitens die weitergehende Transformation bestehender Geschäfte sowie drittens die Lancierung ganz neuer disruptiver Geschäftsmodelle. Gerade Letzteres kann vor allem in der digitalen Welt eine immense Tragweite haben und grossen Wert kreieren, fällt jedoch vor allem etablierten Unternehmen häufig schwer.
 
Dies bestätigt ein weiteres Ergebnis der C-Level-Umfrage, wonach es bisher nur einer Minderheit von 18 Prozent der Schweizer Firmen gelungen ist, disruptive, neue Geschäftsmodelle erfolgreich und mit signifikantem Mehrwert zu lancieren. Die Begründung: Viele Unternehmen beschäftigen sich vor allem mit dem Optimieren des Bestehenden. Schliesslich ist es einfacher und bequemer, Etabliertes immer weiter zu entwickeln, als etwas vollkommen Neues zu erfinden, von dem man nicht weiss, ob es Erfolg haben wird. Einige Unternehmen gehen auch die Transformation ihres Geschäftsmodells hinein in die digitale Welt an.
 
Anders sieht es jedoch aus, wenn Unternehmen etwas völlig Neues kreieren, also
Die Gründe dafür, dass man selbst keine neuen Geschäftsmodelle auf die Beine bringt, sind vielfältig und reichen von Versagensangst über Ideenlosigkeit bis zu hinderlichen Legacy-Infrastrukturen.
disruptiv denken sollen. Hier zeigen sich häufig die grössten Probleme. Unsere Umfrage veranschaulicht, dass in Schweizer Firmen nur etwa 20 Prozent der Zeit und Ressourcen für die Kreation von neuen Dingen eingesetzt wird. In unserer schnelllebigen, dynamischen Wirtschaftswelt zu wenig. "Übertragen auf eine Fussballmannschaft heisst das: Neun Spieler verteidigen, einer steht im Tor und nur einer greift an", sagt Ralph Landolt, CEO bei Boydak. In einem einzelnen Spiel kann diese reaktive Verteidigungstaktik vielleicht verhindern, dass man als Unternehmen verliert. Gewinnen kann man derart passiv aber wohl kaum. Schon gar nicht auf lange Sicht, wenn mehrere Spiele gewonnen werden müssen.
 
Es gilt also beides zugleich zu machen: das bestehende Geschäft zu optimieren, es der digitalen Welt anzupassen und gleichzeitig Neues zu erfinden. Und zwar in der richtigen Balance. Das erfordert immer auch eine Portion Mut, denn der Ausgang von etwas völlig Neuem ist natürlich nicht mit einer Erfolgsgarantie verbunden. So nennen auch die befragten Top-Executives als die drei häufigsten Gründe, die ihre Unternehmen an der Entwicklung erfolgreicher disruptiver Geschäftsmodelle hindern, die Angst zu scheitern, die Sorge das bestehende Geschäft zu kannibalisieren und unzureichende Fähigkeiten innerhalb des Unternehmens neue, digitale Geschäftsmodelle aufzubauen. Dennoch gibt es keine Alternative hierzu, will man eben nicht von agilen Attackern früher oder später aufs Abstellgleis gestellt werden.
 
Über C-Level: C-Level ist eine Community, die aus der Mitte der Schweizer Manager entstanden ist. Im Rahmen ihrer Aktivitäten werden regelmässige C-Level-Roundtables veranstaltet und das C-Level Magazin publiziert. Über 1000 der wichtigsten 3'500 Schweizer Top-Executives bringen sich bereits aktiv in der Community ein. C-Level befragt regelmässig Mitglieder zu aktuellen Themen und veröffentlicht die Resultate auf inside-it.ch.