SAP stösst in ganz neue Märkte vor

Das Geschäfts- und Partnermodell des SAP Vehicle Network.
Mit dem Bereich Business Networks stösst der deutsche Software-Gigant in ganz neue Geschäftsfelder vor. Eigenentwicklung SAP Vehicles Network.
 
(Gefühlt) an fast jedem zweiten Stand am quirligen Mobile World Congress in Barcelona war ein Auto anzutreffen. "Connected Cars" und autonom fahrende Autos waren eines der grossen Themen der Messe vor zwei Wochen. Autohersteller, Telekomausrüster und Mobilfunkanbieter weibeln für die Wunderautos der Zukunft, denn sie erhoffen sich neue Umsätze in gesättigen Märkten. Die Mobilfunkanbieter wollen mehr Services verkaufen und Telekomausrüster erhoffen sich einen "Use Case" für die superschnellen künftigen Mobilfunktechnologien.
 
Ein Auto stand auch auf dem Stand von SAP. Und ging es nur nebenbei um "Connected Cars". Denn der deutsche Software-Riese demonstrierte mit dem Wagen, wie das SAP Vehicles Network funktioniert. Der einst klassiche Software-Hersteller geht mit dem Netzwerk neue Wege. SAP "verkauft" keine Software und "vermietet" sie zusammen mit Compute-Ressourcen auch nicht. Vielmehr bietet er zusammen mit Partnern bestimmte Dienstleistungen an und kassiert Umsatzanteile von den Partnern. Doch der Reihe nach:
 
Teilnehmer am Vehicles Network sollen vorerst drei Servies anbieten: freie Parkplätze finden, buchen und bezahlen, tanken und Essen bestellen und bezahlen. Das vorerst grösste Potential haben aktuell die Parkplatz-Funktionen. Teilnehmende Parkplatz-Anbieter, zum Beispiel Städte, können Autos zu freien, im Voraus reservierten Parkplätzen führen und – vorerst erst über Samsung Pay – auch die Parkgebühr einkassieren. Viele weitere Funktionen können zum Service dazugefügt werden, zum Beispiel das automatische Öffnen von Schranken zu Parkhäusern, das Heranführen von Autos an Elektrotankstellen oder ähnliches.
 
SAP hat das Vehicle Network letzten Herbst in den USA und in Europa lanciert. In Europa beteiligten sich zum Start drei Parkplatz-Anbeiter (EasyPark, ParkCloud und OPG Center-Parking) am Netzwerk. Als Zahlungsmittel gibt es vorerst erst Samsung Pay. Viele weitere mobile Zahlsysteme sollen dazu kommen, sagte uns Timo Stelzer. Er leitet in Palo Alto ein Team, das Lösungen im Umfeld Connected Cars in Palo Alto entwickelt. Seine Karriere bei SAP hat Stelzer übrigens bei SAP in der Schweiz begonnen.
 
Das erste nicht zugekaufte Business-Netzwerk
Bei SAP nimmt man das Geschäftsmodell der Business-Netzwerke offenbar sehr ernst. 2012 übernahm der deutsche ERP-Gigant das Beschaffungsnetzwerk Ariba für 4,3 Milliarden US-Dollar. Im Herbst 2014 bot SAP 8,3 Milliarden Dollar für Concur. Concur hilft Reisespesen abzurechnen. Gemäss SAP werden jährlich über 50 Milliarden Dollar über Concur und bis zu 900 Milliarden Dollar über Ariba abgerechnet.
 
Das Vehicles Network ist das erste Business-Netzwerk, das SAP selbst entwickelt hat und von Grund auf neu aufbaut. Und es ist das erste Netzwerk, das man nicht mehr als Ergänzung zu den bestehenden SAP-Lösungen ansehen kann. Der Software-Konzern ist offenbar entschlossen, sich auf ganz neue Märkte und Geschäftsmodelle einzulassen. (hc)
 
(Interessenbindung: Die Reise nach und die Unterkunft in Barcelona wurde von SAP bezahlt.)