Walliser lancieren eine Art "Uber" für Helis und Privatflugzeuge

Mit wenigen Klicks soll ab sofort jeder einen Charter-Flug via Smartphone buchen können. Dazu hat man sich lediglich die kostenlose App MyAirSeat aus dem Apple-iTunes- oder Google-Play-Store herunterzuladen, wie die Gründer des Walliser-Startups Alexander Burger und Thomas Pfammatter versprechen. Die beiden Berufspiloten haben ihr Geschäftsmodell auf Charterflüge zugeschnitten, adressieren also nicht die grossen Airlines. Auslöser für den Start der in Visp und Winterthur ansässigen Firma war die Tatsache, dass auf fast jedem Flug Sitze leer bleiben, wie Pfammatter zu inside-it.ch sagte. Es habe eine Plattform gefehlt, die eine direkte Verbindung zwischen den Fluggästen und den Fluganbietern herstellt. Und genau diese Lücke schliesse MyAirSeat. Das Unternehmen wurde im letzten September ins Handelsregister eingetragen und ist nun Ende Februar live gegangen. So stehen derzeit bereits rund 100 Flüge zur Verfügung, die neben Touristenflügen mit Helikoptern auch Flüge mit Klein- und Geschäftsflugzeugen versprechen.
 
Mit Flugangeboten dabei sind derzeit die Schweizer Flugunternehmen Air Glaciers, Air Zermatt, Swiss Helicopter, Mountainflyers, Heli-West, Heli-Bernina und die österreichische Helikopterfirma Heli Austria. Als Berufspiloten haben Pfammatter und Burger in der Startphase stark von ihren persönlichen Kontakte profitiert. Inzwischen seien aber auch Anfragen von anderen Fluggesellschaften eingegangen, die die App nutzen wollen, so Burger. Alle Anbieter von Charterflügen stellen übrigens ihre Angebote selbst auf die Plattform. Da das so einfach funktioniere, seien beim Start statt der erwarteten etwa fünf Flüge pro Airline inzwischen schon über 100 Flüge eingestellt worden. Für die Betreiber ist dieser unerwartet grosse Zuspruch Grund genug, die Benutzerfreundlichkeit der App mit einem Flugfilter zu verbessern, an dem laut Burger bereits gearbeitet werde.
 
Geld verdient MyAirSeat mit der App über eine fünfprozentige Kommission pro gebuchtem Sitzplatz. Konkret werden auf der Buchungsplattform also freie Sitzkapazitäten und geplante Flüge publiziert, die dann die potentiellen Passagiere mit den kommerziellen Fluganbieter in direkten Kontakt bringt. Dabei sollen sich auch einzelne Sitzplätze buchen lassen. Dazu wird auf der App in der Kartenansicht der gewünschte Flug mit der entsprechenden Anzahl Sitze ausgewählt. Vom Flugunternehmen kommt dann die Bestätigung oder auch die Absage. Wenn zu wenige Buchungen vorliegen oder das Wetter zu schlecht ist, werde man in der Regel 24 Stunden vor Abflug per Pushnachricht informiert.
 
Die Bezahlung wird derzeit ebenfalls noch direkt mit der Fluggesellschaft abgewickelt. Derzeit umfasst MyAirSeat noch keine Kreditkartenfunktion, die aber ebenfalls in der nächsten Version implementiert sein soll. Nach der Flugbestätigung werden Kunden über den Treffpunkt für den Abflug informiert und los geht es. MyAirSeat versteht sich schliesslich auch als "Community", weshalb man seine Flugerlebnisse auch auf den sozialen Medien teilen kann. Ermöglicht wurde die Firmengründung abgesehen von den eigenen Mittel der Gründer auch durch Fördergelder der Stiftung The Ark und 2015 gewann MyAirSeat als Startup die Venture Kick Stage One. (vri)