Swantee wird Sunrise-CEO, Kurer VR-Präsident

Olaf Swantee
Swantee ist ein alter Bekannter, Kurer ein Mann mit Vergangenheit.
 
Sunrise wechselt die Führungsspitze aus. So soll der ehemalige UBS-VR-Präsident Peter Kurer neuer Verwaltungsrats­präsident werden, Olaf Swantee löst Libor Voncina als Sunrise-Chef ab. Damit kehrt ein alter Bekannter in die helvetische IT-Szene zurück. Der Holländer war Ende der 90er-Jahre bei Compaq Schweiz für das Speicher- und Server-Business zuständig. Anschliessend hatte er die Verantwortung für die Betreuung der Reseller und lockerte manche Veranstaltung mit seinem charmanten holländischen Akzent auf. Nach dem HP-Compaq-Merger stieg er in der europäischen HP-Organisation rasch auf; zuletzt war er dort als Senior Vice President für das Grosskunden- und Software-Geschäft im EMEA-Raum verantwortlich.
 
2007 wechselte Swantee zu Orange, wo er die Verantwortung für das Mobilfunkgeschäft von Orange in Europa, UK und dem nahen Osten übernahm. In den letzten viereinhalb Jahren war er Chef des britischen Mobilfunkanbieters EE. "Als Schweizer ist er bestens vertraut mit den Anforderungen und Chancen des hiesigen Marktes", lässt sich Sunrise-Verwaltungsratspräsident Lorne Somerville in einer Mitteilung zitieren. Libor Voncina, der das Unternehmen während mehr als drei Jahren geführt hat, wird sein Amt am 9. Mai abgeben. Vocinina folgte 2013 auf Oliver Steil.
 
Den Vorschlag für Peter Kurer als neuen Verwaltungsratspräsidenten begründet Sunrise mit dessen Erfahrung in der Führung eines börsenkotierten Unternehmens in der Schweiz. Er freue sich auf diese Aufgabe, lässt sich Kurer zitieren. "Nach dem erfolgreichen Turnaround und dem gelungen Börsengang ist Sunrise bestens für die Zukunft gerüstet."
 
113 Millionen Verlust
Sunrise hat heute auch die Geschäftszahlen für 2015 vorgelegt. Im vergangenen Geschäftsjahr schrieb der Telco jedoch noch rote Zahlen. Gemäss Mitteilung war der Verlust von insgesamt 113 Millionen Franken vor allem eine Folge des Börsenganges, der mit 157 Millionen Franken zu Buche schlug. Ohne diesen hätte ein Gewinn von 45 Millionen Franken resultiert.
 
Abgesehen davon musste Sunrise 2015 in fast allen anderen Kennzahlen eine Rückgang hinnehmen. So sank der Umsatz von 2,08 Milliarden Franken 2014 auf 1,98 Milliarden Franken. Das Betriebsergebnis ohne Amortisationen und Abschreibungen (EIBTDA) reduzierte sich um 23 Millionen Franken auf 616 Millionen Franken.
 
Grund für diese Rückgänge seien vor allem der starke Franken und die tieferen Roaminggebühren. Bei der Anzahl Kunden konnte Sunrise zulegen. So hat der Telekomanbieter jetzt 1,4 Millionen Mobilfunkkunden mit einem Monatsabo. Beim Internet und beim TV-Angebot stieg die Kundenzahl um 4,5 respektive 25 Prozent. Nach wie vor rückläufig sind die Kundenzahlen dagegen in der Festnetztelefonie und im Prepaid-Bereich.
 
Peter Kurer: Ein Mann mit Vergangenheit
In der jüngeren Schweizer Wirtschaftsgeschichte gibt es einige Manager, deren Namen arg belastet sind. Neben den einstigen Swissair-Chefs Philippe Bruggisser und Eric Honegger, den ABB-Managern Percy Barnevik und Göran Lindahl sowie Ex-Oerlikon CEO Thomas Limberger gehört dazu auch der Wirtschaftsanwalt Peter Kurer.

Das kommt nicht von ungefähr. Peter Kurer steht zusammen mit Marcel Ospel für den Beinah-Kollaps der grössten Schweizer Bank UBS. Als Chefjurist von 2001 bis 2008 wurde Kurer in der Öffentlichkeit vor allem dafür verantwortlich gemacht, dass sich die UBS wegen ihrer Hilfe für US-Steuersünder in den USA strafbar gemacht hatte.

Juristisch war dem Wirtschaftsanwalt zwar nichts nachzuweisen. Dass Kurer jedoch jegliche Verantwortung von sich wies, kam schlecht an. Seine 2010 gemachte Aussage, dass er "im Zusammenhang mit dem grenzüberschreitenden Geschäft mit US-Kunden keinerlei Pflichten verletzt" habe, machte ihn in der öffentlichen Meinung definitiv zu einem der unpopulärsten Wirtschaftsführer in diesem Jahr.

Bis zu diesem Zeitpunkt war seine Karriere jedoch problemlos und vor allem steil. Kurer verdiente sich in den 1980er und 1990er zuerst seine Sporen als Wirtschaftsanwalt in den beiden renommierten Anwaltskanzleien Baker & MacKenzie und Homburger ab.

2001 wechselte er zur UBS, wo er bereits 2002 Mitglied der Geschäftsleitung wurde. Nach dem Abgang von Marcel Ospel wurde er im April 2008 Verwaltungsratspräsident mit dem Auftrag, bei der UBS aufzuräumen.

Nur ein Jahr später gab er das Amt bereits wieder ab. 2010 heuerte ihn die österreichischen Rechtsanwaltskanzlei Schönherr an. Neben seinem neuen Amt bei Sunrise ist er seit Oktober 2014 auch Verwaltungsratspräsident des Verlags Kein & Aber AG. (sda/kjo)