Bankfilialen werden verschwinden

Vergangenes Jahr standen Bedenken um Regulierungen im Vordergrund, nun sorgen sich Banken wegen Fintechs.
 
Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden Bankfilialen verschwinden und das Endkundengeschäft vollständig automatisiert sein, davon ist die Hälfte der Privatkundenbanken weltweit überzeugt. Dies geht aus der aktuellen Bankenstudie von Temenos hervor, die in Zusammenarbeit mit der Economist Intelligence Unit zum dritten Mal durchgeführt wurde.
 
Im Vergleich zum Vorjahr ist auch die Angst der Banken vor Fintech-Unternehmen gestiegen, so eine Mitteilung des Bankensoftwareherstellers. Vergangenes Jahr seien noch Sorgen um Regulierungen im Vordergrund gestanden. Für die Studie wurden 200 Manager von Retail-Banken weltweit befragt.
 
Filialensterben
Verschiedene Faktoren werden zum Filialen-Sterben beitragen, wie es weiter heisst. In den nächsten paar Jahren werde beispielsweise die Verwendung von Bargeld drastisch zurückgehen. Und ein Grossteil der Zahlungen werde über gratis verfügbare P2P-Systeme laufen. Gerade die bekannten Tech-Unternehmen wie Google oder Samsung, hätten das Potential, ihre Bezahllösungen schnell zu verbreiten und zu etablieren.
 
Hinzu kommen von Banken unabhängige Vermögensverwalter oder unabhängige Kredit-Institute wie Crowdlending-Plattformen. Daneben würden auch immer mehr Beratungen – etwa für eine Hypothek – automatisiert ablaufen und der klassische Kundenberater somit immer unwichtiger. Neue Player auf dem Markt, ein verändertes Kundenverhalten sowie innovative Technologien, sehen je rund ein Viertel der Befragten als wesentliche Bedrohung für das klassischen Bankgeschäft.
 
Die Bank als Fintech
Banken reagieren jedoch auf die Trends und versuchen die neuen Fintech-Unternehmen "in ihrem eigenen Spiel zu schlagen", wie David Arnott, Temenos CEO, sagt. Dies geschehe entweder über Partnerschaften mit Dienstleistern oder Investitionen in eigene digitale Plattformen. Mit besseren Services, Bündel-Angeboten oder verbesserter Cyber-Sicherheit versuchen Banken ihre Kunden zu halten oder Neukunden zu akquirieren.
 
Ein Problem jedoch, dem sich viele etablierte Banken stellen müssen, sei die Schwierigkeit der Integration von neuen Services oder von verschiedenen Diensten und Prozessen in die Alt-Systeme. So ist die Modernisierung der Technologie, beziehungsweise die Erneuerung der Legacy-Syteme für rund ein Drittel der Banken eine der Top-Prioritäten innerhalb der nächsten fünf Jahre. (kjo)