ICTSwitzerland: Ein Verband sucht einen Präsidenten

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Ruedi Noser tritt 2017 als Präsident von ICTSwitzerland zurück. Der IT-Dachverband hat unter Noser mit dem Auftritt als Partnerland an der CeBIT und dem Aufbau von ICT-Berufsbildung Schweiz enorm viel erreicht.
Man sollte gehen, wenn es am Besten ist. Ruedi Noser, Zürcher Ständerat und noch bis Ende Jahr Präsident des ICT-Dachverbands ICTSwitzerland scheint den richtigen Moment für den Rücktritt gefunden zu haben. Denn ein Erfolg, wie der Auftritt der Schweiz als Partnerland der weltweit grössten Informatik-Veranstaltung nächste Woche, wird sich nicht wiederholen lassen. Noser kündigte gestern an der Delegiertenversammlung des Verbandes in Bern an, dass er nächstes Jahr nicht mehr als Präsident antreten wird.
 
Noser, der 2009 notfallmässig als Präsident von ICTSwitzerland eingesprungen ist, sagte 2013 zum ersten Mal, er wolle die Schweiz als Partnerland an die CeBIT bringen. (Nicht nur) wir haben dem Projekt damals wenig Chancen eingeräumt. Zu unrecht. Nächsten Dienstag wird Bundeskanzlerin Merkel sich an einem Rundgang durch die CeBIT die Highlights des Schweizer Informatik-Schaffens zeigen lassen. Spätestens wenn der aufgeregte Jungmanager eines Schweizer Startups der Regierungschefin der viertgrössten Volkswirtschaft der Welt seine coole App zeigen darf, werden vielleicht auch Schweizer Medien feststellen, dass es eine Software-Industrie gibt.
 
Mehr Lehrstellen, Einfluss auf das Bildungswesen
Doch Noser und "sein" Geschäftsführer Andreas Kälin können nicht nur den Auftritt an der CeBIT als Erfolg verbuchen. Auch ICT-Berufsbildung Schweiz, von ICTSwitzerland vor sechs Jahren lanciert, ist eine Erfolgsstory. Wie Geschäftsführer Jörg Aebischer gestern an der Delegiertenersammlung des Verbandes sagte, hat sich die Zahl der Lehrstellen seit 2007 um 37 Prozent erhöht. ICT-Berufsbildung hat sich in relativ kurzer Zeit in der eidgenössischen Berufsbildungskommission etabliert. Und es ist Aebischer gelungen, die Berufsmeisterschaft auch in diesem Jahr als grosse Show im Hauptbahnhof Zürich zu inszenieren und das dafür nötige Geld aufzutreiben.
 
Man kann dem Verband auch einigen Einfluss auf das Bildungswesen zusprechen. Wie Alain Gut, der die Kommission Bildung des Verbands führt, werde man die Umsetzung des Lehrplans 21 in den Kantonen eng verfolgen. Es brauche nun dringend eine E-Learning-Plattform für die Weiterbildung der LehrerInnen, sagte Gut.
 
Ein reicher Verband
Noser und seinen Leuten gelingt es offenbar auch, das Geld zusammenzuhalten. ICTSwitzerland setzte letztes Jahr etwa 1,4 Millionen Franken um und sitzt auf flüssigen Mitteln von 700'000 Franken.
 
Der Nachfolger als Präsident wird es nicht einfach haben, denn der Verband hat sich unter Noser als Dachverband der einst völlig zersplitterten ICT-Szene etabliert. Der Verband hat einige wichtigen Themen (Bildung, Digitalisierung, Ü45, Schweiz als ICT-Exportland) lanciert, der Berufsbildung einen kräftigen Schubs gegeben und wird die Branche nächste Woche ins (deutsche) Rampenlicht rücken. Man darf gespannt darauf sein, wer sich den Job als Nosers Nachfolger zutraut. (hc)