Tangiert die Smartwatch die hiesige Uhren-Branche doch nicht?

Nur wenige Schweizer Uhrenmarken haben sich in das Abenteuer Smartwatch gestürzt. Gemäss dem Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) haben die vernetzten Uhren die Exporte der Branche bisher nicht beeinflusst. "Die vernetzten Uhren sind komplementär zu den Schweizer Uhren", sagt Jean-Daniel Pasche. Der FH-Präsident nennt als Beleg, dass es die tiefpreisigen Uhren seien, die sich im vergangenen Jahr am besten gehalten hätten. Bei den Uhren bis 200 Franken betrug der wertmässige Exportrückgang lediglich ein Prozent.
 
In ihrem aktuellsten Branchenbericht schätzt die Bank Vontobel, dass primär die Uhren in der Kategorie von 200 bis 500 Franken unter der Konkurrenz der Smartwatches leidet – hier gingen die Exporte im vergangenen Jahr um 8,7 Prozent zurück. Für die Luxusuhren stellen die Smartwatches laut dem Bericht indes noch keine Konkurrenz dar.
 
Gemäss einer im Februar erschienenen Studie des Instituts Strategy Analytics haben die Verkäufe der vernetzten Uhren Ende 2015 erstmals jene der Schweizer Uhren übertroffen. Rund 8,1 Millionen vernetzte Uhren hätten im vierten Quartal des vergangenen Jahres weltweit Absatz gefunden. Bei den Schweizer Uhren seien es nur 7,9 Millionen gewesen. Die Verkäufe von Smartwatches hätten sich jährlich mehr als vervierfacht.
 
Vormacht von Apple
Dominiert wird der Markt der Smartwatches vom US-Giganten Apple, mit einem Marktanteil von 63 Prozent. Der südkoreanische Hersteller Samsung auf dem zweiten Platz erreicht 16 Prozent. Insgesamt stammen acht von zehn verkauften Smartwatches entweder von Apple oder von Samsung.
 
Gemäss Strategy Analytics hat es einige Zeit gedauert, bis die Schweizer Uhrenindustrie auf die smarten Geräte reagiert hat. Gemäss Jean-Daniel Pasche ist es aber nicht sehr aussagekräftig, die Verkaufsvolumen von Smartwatches und Schweizer Zeitmessern zu vergleichen: Die Schweizer Uhrenindustrie erzielt den Grossteil ihres Umsatzes mit hochpreisigen Uhren. Sie machen nur zwei bis drei Prozent des Volumens weltweit aus, aber mehr als 50 Prozents des Werts, sagt FH-Präsident Pasche.
 
Die Branche hat im vergangenen Jahr 28,1 Millionen Uhren abgesetzt. Die weltweite Produktion beläuft sich derweil auf rund 1,2 Milliarden. Wertmässig machen die mechanischen Uhren 80 Prozent des Exportumsatzes der Schweizer Uhrenindustrie aus.
 
Schweizer Antwort
Der durchschnittliche Preis einer Smartwatch ist deutlich tiefer als der einer Luxusuhr. Die Apple Watch wird in der Schweiz ab 389 Franken verkauft. LVMH-Uhrenchef Jean-Claude Biver hat die Branche mehrfach dazu aufgerufen, den Effekt der Apple Watch nicht zu unterschätzen. Die zum französischen Luxusgüterkonzern LVMH gehörende Schweizer Uhrenmarke TAG Heuer hat vergangenes Jahr ihre eigene "Luxus-Smartwatch" auf den Markt gebracht. Sie ging aus der Kooperation mit Google und Intel hervor und kostet 1400 Franken. (sda/kjo)