Swisscom: Separates "Netzwerk der Dinge" wird Realität

Das "Low Power Network" soll im Grundausbau schon Ende dieses Jahres stehen.
 
Swisscom hat letztes Jahr in den Regionen Genf und Zürich Tests mit einem separaten drahtlosen Netzwerk durchgeführt, das für die Kommunikation zwischen Maschinen im Rahmen von "Internet-of-Things"-Anwendungen reserviert sein soll. Nun wird dieses "Low Power Network" (LPN) tatsächlich gebaut. Bis Ende Jahr, so kündigt der grösste Schweizer Telco heute an, wird der Ausbau der Basisversorgung abgeschlossen sein. Damit sollten dann 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung im Freien erreicht werden - beziehungsweise eben die Dinge, die sie mit sich herumtragen oder die eh im Freien stehen.
 
Die Einbindung von Sensoren oder Kleincomputern in Innenräumen über das LPN ist allerdings etwas komplizierter. Eine "leichte Innenraumversorgung" soll laut Swisscom in zehn Städten erreicht werden. Die Indoor-Versorgung via LPN müsse aber im Wesentlichen über zusätzliche kundenspezifische Indoor-Empfangsstationen erreicht werden.
 
Das LPN wird nur wenig Energie verbrauchen, die Sendeleistung beträgt maximal 0,5 Watt. Die gebotene Bandbreite ist mit 300 Bit/s bis 11 Kbit/s dafür auch nur sehr gering. Dies entspricht Bandbreiten, mit denen man in den Urzeiten des Internets via Akustikkoppler und den ersten Modems "surfte". Auch diese minime Bandbreite reicht aber für viele IoT-Anwendungen, glaubt Swisscom. "In vielen Fällen genügt es, wenn Geräte sporadisch kleinste Informationen übermitteln können. Genau dafür bauen wir dieses Netz, um effizient Objekte wie zum Beispiel Wasserhydranten, Fahrräder oder Regenschirme und vieles mehr zu vernetzen", sagt Christian Petit, Leiter Swisscom Enterprise Customers. Das Netz biete eine schmale Bandbreite, dafür reiche es weit, übermittle energiesparend und senke die Vernetzungskosten. Für Anwendungen mit hohem Datenverkehr wie die Vernetzung von Autos, Fernwartung oder Echtzeit-Kontrollsysteme soll auch künftig das normale Mobilfunknetz zum Zuge kommen.
 
Trotz der Einschränkungen des LPN-Netzes ist es laut Swisscom bei Firmen, Behörden und Hochschulen schon in der Testphase auf hohes Interesse gestossen. Mehr als 15 Anwendungsideen seien schon konkretisiert worden. Als Beispiele nennt Swisscom unter anderem Parkplätze, die ihre Belegung melden und direkt ins Verkehrsleitsystem einspeisen, Recyclingcontainer, die ihren Füllstand melden, so dass ihre Leerung effizienter geplant werden kann oder Briefkästen, die eine Nachricht senden, sobald ein Paket angekommen ist .
 
Wer sich für die Entwicklung solcher Anwendungen interessiert sollte sich --mailto:[email protected] die Abteilung M2M von Swisscom-- wenden. LPN-Entwicklerpakete kann man bei Swisscom für 2000 oder 2500 Euro kaufen.
 
Das LPN basiert auf dem offenen LoRaWAN-Industriestandard. Benutzt wird laut Swisscom das konzessionsfreie SRD-Band. Getestet oder gebaut werden solche Netze auch in anderen Ländern wie Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, den Vereinigten Emiraten, Südafrika, USA, Russland und Indien. In der Schweiz denkt neben Swisscom die Post an den Bau eines eigenen LPN-Netzwerks. (hjm)