Die IT-Schweiz zeigt der Welt ihre Kinder

Der Stand der SBB an der Cebit. Foto: hc
Starker Auftritt der Schweizer IT-Industrie an der weltweit grössten Computermesse. Aber auch die Konkurrenz schläft nicht.
 
Für einmal hat sich "die Schweiz" getraut. Konkret: Der IT-Dachverband ICTSwitzerland hat sich getraut. Der Auftritt der Schweiz als Partnerland der diesjährigen CeBIT in Hannover überzeugt. Der Schweizer Gemeinschaftsstand ist gross, aber nicht riesig. Er wirkt nicht protzig, eher schweizerisch-nüchtern.
 
In Zahlen: Die "IT-Schweiz" zeigt sich auf 1700 Quadratmetern mit 70 Ausstellern. "Sie sehen hier eine Schweiz, die sie in dieser Art wahrscheinlich noch nie gesehen haben", sagte ICTSwitzerland-Manager Andreas Kälin heute Morgen an einem kurzen Medienanlass in der Hannoveraner Gross-Messe. Nicht sagen wollte er, wie gross das Budget für den Auftritt der Schweiz als Partnerland der CeBIT 2016 ist. Er betonte allerdings, dass der gesamte Auftritt "privat" finanziert wird. Das stimmt nur fast, denn es beteiligen sich einige öffentliche Institutionen, vor allem aus dem Bildungswesen. So sind die Unis Zürich und Tessin, ETH, EPFL, HSR und ZHAW, aber auch der Kanton Zürich und die Exportförderung (Switzerland Global Enterprise) dabei.
 
Auffallend sind die vielen Startups, die da und dort auf den 1700 Quadratmetern anzutreffen sind. So kann man sich auf dem Stand der Uni Zürich das Projekt Coinblesk zeigen lassen. Mit der Android-App kann man Bitcoins drahtlos transferieren und insbesondere in kürzester Zeit (offline) mit Bitcoins bezahlen.
 
Die Uni Zürich ist nur ein Beispiel. Der Kanton Zürich hat Startups wie zum Beispiel SpinningBytes "mitgenommen" und man findet Hightech auf verschiedenen Entwicklungsstufen an den Ständen der anderen Universitäten. Die Schweizer Informatik Gesellschaft ihrerseits hat Christian Schläpfer mitgenommen, dessen Firma 3D360.ch 3D-Filme herstellt. Andere sind ganz ohne "Entwicklungshilfe" gekommen, so zeigt Datahouse die Webseiten-Monitoring-Lösung Monitoor.
 
Etablierte Firmen
Auch grosse und sehr grosse Firmen nehmen Geld in die Hand, um sich und die Schweiz als Hort der (ICT-)Innovation zu zeigen. Die SBB zum Bespiel stellt ihr komplexes System zur Netzsteuerung aus und zeigt die neue Fahrplan-App. Gotthard-Basistunnel-Spezialist Anton Fluri erläutert, wie der längste Eisenbahn-Tunnel der Welt mit Informatik ausgerüstet worden ist. Warum ein Unternehmen wie SBB an der CeBIT auftrete, wollten wir von Fluri wissen. Man wolle die Chance, dass die Schweiz Partnerland der CeBIT ist, ausnützen, so Fluri. Einerseits habe
Noch ein Schweizer Hightech-Produkt: Die Drohne des Zürcher ETH-Spinoffs Wingtra. Foto: hc
die SBB durchaus Systeme und Applikationen entwickelt, für die sich auch andere Unternehmen interessieren könnten. Anderseits wolle man das Image der SBB aber auch der Schweiz als ICT-Standort stärken.
 
Nicht zu vergessen ist die Szene der Schweizer Ex-Startups, die unterdessen etablierte Player sind. Mit Netcetera, Adnovum, ispin, Ergon (mit einer neuen Version von Airlock), der Noser-Gruppe und Mimacom sind alle da.
 
Man könnte also sagen: Die Schweizer ICT-Industrie hat sich nach Hannover aufgemacht und hat ihre (Startup-)Kinder mitgenommen. Auch die Grosseltern (Swisscom, Ruag, SIX, Post, SBB, ...) durften mit.
 
Aber auch die Konkurrenz ist da
Wer nun denkt, der Schweizer Auftritt falle übermässig auf, täuscht sich. Denn hier in der Halle 6 der riesigen Messe finden sich die Auftritte diverser deutscher Bundesländer, von Sachsen-Anhalt über Nordrhein-Westfalen, Berlin-Brandenburg bis zur Stadt Hannover. Das gleiche tun auch das Karlsruher Institut für Technologie, das Bundesamt für Sicherheit, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Hasso Plattner Institut, Italien, Indien und das türkische Bildungsministerium. Sie alle bringen Startups mit und zeigen neu entwickelte, coole ICT. (Christoph Hugenschmidt, Hannover)