Core-Banking-Transformation bei Postfinance "weiterhin im Zeitplan"

Modernisierung einer der alten Applikationen lohnt sich auch für eine sehr kurze Betriebszeit, sagt Postfinance.
 
Wie wir letzte Woche berichtet haben, hat Postfinance Paranor, dem Entwickler seiner bisherigen Kernapplikationen, einen Auftrag für Support, Wartung und Weiterentwicklung zweier dieser Applikationen gegeben. Dabei handelt es sich um den Zahlungsverkehr und die Kundendaten. Eine der beiden in die Jahre gekommenen Applikationen wird zudem noch modernisert.
 
Gleichzeitig läuft aber schon seit 2013 bei Postfinance das Grossprojekt "Core Banking Transformation" (CBT), in dessen Rahmen die bestehenden Applikationen aus den 90er-Jahren abgelöst werden sollen. Der Auftrag an Paranor hat zu Spekulationen geführt, dass das Projekt CBT gefährdet sei, beziehungsweise zumindest deutlich länger dauern könnte, als geplant.
 
Laut Postfinance ist dies aber keineswegs der Fall. Mediensprecher Johannes Möri hat uns in einem kurzen Mailinterview einige diesbezügliche Fragen beantwortet:
 
Ist CBT noch auf Kurs, beziehungsweise im Zeitplan?
Möri: "Das Programm CBT befindet sich im Zeitplan und hat die beiden bisher relevanten Etappen in den Releases im Frühling und Herbst 2015 erfolgreich und im Plan eingeführt."

Rechnet Postfinance weiterhin, wie Ende 2013 kommuniziert, mit einem Abschluss von CBT frühestens per Ende 2017?
"Hinsichtlich Umschaltung hat PostFinance verschiedene Optionen geprüft und den Go-Live 2018 bestätigt."
 
Welche der bestehenden Applikationen soll trotzdem noch modernisert werden? Und wie kann sich das für eine so kurze Laufzeit von vielleicht noch zwei Jahren lohnen?
"Die Technologie hinter der Kundendaten-Applikation nähert sich dem Lebensende (RdB Datenbank sowie VMS Betriebssystem und -Hardware). Dies führt dazu, dass die Kosten für deren Wartung stark ansteigen. Daher rechnet sich das Modernisierungs-Projekt bereits bei einer Laufzeit von einem Jahr bis zur Ablösung der Applikation durch CBT. Hinzu kommt, dass die Arbeiten am Modernisierungs-Projekt eine breitere Wissensabdeckung der Kundendaten-Applikation fördert."
 
Fazit: Beim 2011 erstmals angekündigten grossen Transformationsprojekt von Postfinance, das die Ablösung der Paranor-Applikationen durch die Lösung "TCS BaNCS" des indischen IT-Riesen Tata Consultancy Services (TCS) beinhaltet, scheinen sich also gegenüber dem im Herbst 2013 geschätzten Fertigstellungsdatum gegenwärtig keine weiteren grösseren Verzögerungen abzuzeichnen.
 
Zuvor hatte man dieses Datum allerdings zuerst von 2015 auf 2016 und dann auf 2017 nach hinten geschoben. Ausserdem räumte Postfinance ebenfalls im Herbst 2013 gegenüber inside-it.ch ein, dass das Projekt mehr kostet, als ursprünglich geplant. Eine absolute Zahl zu den Projektkosten nannte Postfinance aber nicht. In Medien genannte Zahlen reichen von rund 50 Millionen Franken bis zu einem dreistelligen Millionenbetrag. (Hans Jörg Maron)