Der Fintech-Markt ist erwacht

Die hiesige Fintech-Szene werde unterschätzt, so das Ergebnis einer Studie. In den vergangenen Jahren hat sich die Anzahl der Fintechs versiebenfacht.
 
Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern hat eine Bestandsaufnahme des Schweizer Fintech-Markts vorgenommen und die Ergebnisse heute in der Studie "IFZ FinTech Study 2016" publiziert. Die Ergebnisse sollen einen umfassenden Überblick des Schweizer Fintech-Sektors bieten, wie es in einer Mitteilung der Hochschule heisst. Dafür wurden die hiesigen Fintechs in einer vom IFZ erarbeiteten Datenbank erfasst und in einem weiteren Teil 67 der Unternehmen hinsichtlich Geschäftsmodell, Zielmarkt, Finanzierungsstruktur und Vertriebskanal genauer untersucht. Die vollständige Studie kann beim IFZ für 290 Franken bestellt werden.
 
Siebenmal mehr Unternehmen als 2010
"Die Schweizer Fintech-Szene ist grösser, als oftmals wahrgenommen", sagt Thomas Ankenbrand, Projektleiter der Studie. Insbesondere im vergangenen Jahr hätten die Unternehmen einen grossen Schritt vorwärts gemacht. Gab es 2010 erst 24 spezialisierte Schweizer Fintech-Firmen, konnten Ankenbrand und sein Team per Ende 2015 162 in die Datenbank aufnehmen. Neben Startups wurden Banken sowie Technologie- und Informatikunternehmen einbezogen, die mit ihren Aktivitäten überwiegend im Fintech-Bereich tätig sind, wie es in einer Mitteilung des IFZ heisst.
 
Den Studienergebnissen zufolge decken die Unternehmen die verschiedenen Fintech-Bereiche etwa gleichmässig ab: Analytics, Banken-Infrastruktur, Blockchain, Crowdfunding und alternative Finanzierungsmöglichkeiten, Investment-Management und Payment. Mit 37 Fintechs respektive einem knappen Viertel der Unternehmen ist der Bereich Banking-Infrastruktur – die Entwicklung von neuer Bankensoftware und Tools – am besten besetzt. Mit je 29 Fintechs folgen dahinter die Bereiche Investment-Management, mit Lösungen rund um die online Geldanlage, und das Thema Payment.
 
Klares Fintech-Zentrum ist der Kanton Zürich, wo 72 der Unternehmen angesiedelt sind. Dahinter folgt Zug mit 21 Fintechs. "Aber es sind nicht nur die Unternehmen, die zu einer lebendigen Community in der Schweiz beitragen", so Ankenbrand. Startups etwa stehen diverse Einrichtungen zur Verfügung, die sie bei der Gründung und Entwicklung unterstützen. Dazu kommen Verbände, die die Interessen der Branche vertreten, sowie eine Reihe von Anlässen, bei denen Firmen und insbesondere Startups Gelegenheit erhielten, ihre Produkte Fachpersonen oder Medien zu präsentieren.
 
Die Schweiz hat sich gut positioniert
Die Schweiz verfüge über gute Voraussetzungen, sich im internationalen Fintech-Markt zu positionieren. So gebe es im Bereich Ausbildung in der Schweiz eine gute Ausgangslage. Zudem, so schreibt das IFZ, stelle Venture Capital keinen generellen Engpass dar, obwohl 2015 das Volumen mit 27 Millionen Franken kein war. "Der Venture-Capital-Markt ist global und sucht sich die besten Unternehmen weltweit, weshalb auch viele grenzüberschreitende Transaktion zu beobachten sind", stellt der Studienleiter weiter fest.
 
Das Projektteam komme zudem zum Schluss, dass in der Schweiz erkannt worden sei, wie wichtig eine adäquate Regulierung ist. Etwa plädiere die Finma dafür eine neue Bewilligungskategorie für einfache Geldinstitute zu schaffen. Bezüglich der Regulierung stehe die Schweiz in einem globalen Konkurrenzkampf mit anderen Standorte, wie London oder Singapur. Auch dort sei man indes daran, regulatorische Hürden zu verringern. Somit werden in der Schweiz weitere grosse Anstrengungen nötig sein, um attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen und im globalen Wettbewerb bestehen zu können, schliesst Ankenbrand.
 
Trotz der hohen Relevanz des Schweizer Finanzplatzes ist die Schweiz als Zielmarkt überschaubar. Dies gelte sowohl für Produkte für private Konsumenten als auch im B2B-Bereich. "Sollen langfristig Fintech-Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten und neue geschaffen werden, müssen sich die Unternehmen international positionieren und Markteintritte im Ausland wagen", so Ankenbrand weiter. (kjo)