Exklusiv: UBS Card Center lässt IT-Komplettumbau sausen

Statt der gesamten IT-Plattform für die Kreditkartenverarbeitung auf einen Schlag werden nun doch die einzelnen Komponenten erneuert. Abschreiber im "einstelligen Millionenbereich".
 
'Inside-paradeplatz.ch' berichtete am letzten Donnerstag über ein angebliches IT-Desaster bei der UBS-Tochter UBS Card Center: Dem Projekt "Way4", mit dem UBS Card Center die "Russenfirma" Open Way beauftragt habe, sei im letzten Sommer der Stecker gezogen worden.
 
In einem Gespräch mit inside-it.ch bestätigten Oliver Dietrich und Stefan Uebelhart, dass die Zusammenarbeit mit Open Way "auf Eis gelegt" worden sei. Dies mache natürlich auch diesbezügliche Investitionen obsolet. Einige Arbeitsaufwände und Softwarelizenzen habe man abschreiben müssen, was insgesamt einen Verlust in "einstelliger Millionenhöhe" verursacht habe.
 
Erneuerungsprojekt läuft weiter, aber anders
Die Zusammenarbeit mit Open Way sei ein Teil des Grossprojekts "W4G" gewesen, das, wie Uebelhart und Dietrich betonten, weiter im Gang sei. "W4G" steht für "Way for Growth". Allerdings hat sich gegenüber dem ursprünglichen Plan einiges geändert. Vor vier Jahren habe man entschieden, dass gewisse Komponenten der IT-Plattform zur Verarbeitung von Kreditkarten erneuert werden müssten. Darauf habe man sich zunächst dazu entschlossen, die Kernkomponenten nicht einzeln upzugraden, sondern gleich das viele Komponenten umfassende Kernsystem zu erneuern.

Eine Software vor dem Aus
Stattdessen werden nun doch einzelne Komponenten aufgerüstet, insbesondere "Essentis", ein Kernstück der Plattform. Diese war vor vier Jahren der Hauptgund dafür, dass sich UBS Card Center zur Kompletterneuerung entschloss, wie Uebelhart ausführte. Bei UBS Card Center musste man nämlich damals davon ausgehen, dass Essentis keine Zukunft mehr habe.
Essentis ist eine ursprünglich von einem britischen Unternehmen entwickelte Lösung für die Verwaltung der Karteninhaber (Card Issuing) und des Vertragsunternehmensgeschäfts (Merchant Acquiring). Essentis war 2009 von der US-Softwareschmiede ACI Worldwide übernommen worden. Die Amerikaner kündigten einige Zeit später an, dass Essentis nicht mehr weiter entwickelt würde.
 
Essentis und Mainframes bleiben
Mittlerweile hat sich ACI die Sache wieder anders überlegt und eine neue, laut Dietrich "sehr zukunftsorientierte" Version auf Lager. UBS Card Services kann so bei Essentis bleiben - eine Option, die es vor vier Jahren noch nicht gab. Im Rahmen von "W4G" ist nun ein grosser Versionssprung, von der aktuellen Version 2.2 auf die Version 4.4 geplant. Bei zwei anderen Komponenten der Plattform prüfe man noch, ob bestehende Software upgegradet wird, oder nicht. Dafür bestehe jedoch kein unmittelbarer Zeitdruck.
 
Essentis ist eine ursprünglich Mainframe-basierte Applikation. UBS Card Services will auch die neue Version weiterhin auf IBM-Mainframes laufen lassen. Das neue Essentis sei aber "State-of-the-art", so Dietrich, und könnte optional auch dezentral , sprich auf Linux, betrieben werden.
 
Planänderung aufgrund technischer Aspekte
Für den Verzicht auf die Kompletterneuerung gab es auch weitere Gründe. Das Projekt sei sicher "sehr gross" gewesen, erklärt Uebelhart, und die Zusammenarbeit mit Open Way anfänglich "eine Herausforderung", ähnlich wie bei anderen neuen Dienstleistern. Der Hauptgrund für die Planänderung seien aber technische Aspekte gewesen, vor allem hinsichtlich der Integration in die UBS-Systemlandschaft. (Hans Jörg Maron).