Freenet steigt bei Sunrise ein

Der deutsche Free Carrier wagt sich in den Schweizer Telko-Markt.
 
Sunrise hat eine neue Hauptaktionärin. Schon im Februar hat die britische Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners ihre Beteiligung unmittelbar nach dem erfolgreichen Börsengang von Sunrise von über 90 Prozent auf 25,27 Prozent reduziert. Jetzt hat sie ihre verbliebenen Anteile der deutschen Freenet AG verkauft. Der Telekommunikationsdienstleister bezahlt für 23,8 Prozent der Sunrise-Aktien rund 782 Millionen Franken.

Nach über fünf Jahren und dem Börsengang im vergangenen Jahr steigt CVC Capital Partners damit beim Telekommunikationskonzern aus. Dass sich der Finanzinvestor von Sunrise abwenden könnte, hatte sich schon bei der Vorlage der Geschäftszahlen in der vergangenen Woche gezeigt, als CVC seine Verwaltungsratsmitglieder abzog.

Freenet wird künftig seinen Konzernchef Christoph Vilanek sowie Finanzchef Joachim Preisig in den Sunrise-Verwaltungsrat entsenden, wie aus einer Mitteilung vom späten Donnerstagabend hervorgeht. Freenet ist nach eigenen Angaben der grösste netzunabhängige Mobilfunkanbieter in Deutschland.

Laut einer eigenen Mitteilung übernimmt Freenet rund 10,72 Millionen Sunrise-Aktien zu einem Preis von 72.95 Franken pro Stück (23,8 Prozent). Die Sunrise-Aktie ging am Donnerstag an der Schweizer Börse SIX mit einem Schlusskurs von 65.05 Franken aus dem Handel. Freenet sicherte sich zudem eine Option auf weitere 0,73 Prozent der Aktien.
 
"Die 0,73 Prozent resultieren aus einem Beteiligungsprogramm, bei welchem Manager selbst entscheiden können, ob sie die Aktien abgeben möchten oder nicht", schreibt Freenet-Sprecherin Nadine Mette auf Anfrage von inside-it.ch. Während CVC Capital Partners eine Sperrminorität innehatte, ist dies für Freenet laut Mette nicht der Fall.

Mit dem Vollzug der Transaktion werde "kurzfristig gerechnet", hiess es weiter. Die Übernahme der CVC-Anteile bezeichnet Freenet als "tolle Opportunität". Finanziert wird der Kauf nach Freenet-Angaben über einen Bankkredit.

Nach geplatzter Fusion
CVC war 2010 nach der gescheiterten Fusion mit dem Rivalen Orange bei Sunrise eingestiegen und brachte das Unternehmen im Februar vor einem Jahr an die Börse. Im September 2010 hatte CVC Sunrise von der dänischen TDC-Gruppe gekauft und damals 3,3 Milliarden Franken bezahlt.

Erst vor Wochenfrist kündigte Sunrise einen umfassenden Umbau der Konzernführung an: Konzernchef Libor Voncina wird durch Olaf Swantee ersetzt. Der Holländer mit Schweizer Pass wurde als Chef angekündigt, der mit Sunrise nach dem Börsengang den nächsten Schritt machen solle.

Zudem soll der ehemalige UBS-Präsident Peter Kurer neuer Verwaltungsratspräsident bei Sunrise werden. Er folgt auf den CVC-Partner Lorne Somerville, der nach dem unerwarteten Tod von Dominik Koechlin im vergangenen Sommer Interimspräsident wurde. (sda/mik)