"Wir wollen mit Sharoo den Schweizer Markt erobern"

Sharoo-Geschäftsführerin Carmen Spielmann.
Über die Sharoo-Plattform können Privatpersonen und Firmen ihre Autos an Dritte vermitteln. Geschäftsführerin Carmen Spielmann erklärt im Interview, wie es zur Idee kam und was für die nächsten Jahre geplant ist.
 
Frau Spielmann, seit wann besteht die Idee zu Sharoo und wie lange hat es gedauert, aus der Idee ein Business zu machen?
Carmen Spielmann: Beim Migros-Tochterunternehmen M-Way haben wir uns neben dem Thema Elektromobilität laufend mit neuen Mobilitätsthemen befasst und geprüft, welche unternehmerisch spannend und relevant sein könnten. Dies ohne uns Grenzen bezüglich Umsetzbarkeit und Finanzierung zu setzen. Ungenutzte Ressourcen, wie in unserem Falle die Autos, bieten grosses Potential für neue Geschäftsideen. Autos stehen 90 Prozent der Zeit ungenutzt herum. Wir haben es uns zum Ziel gemacht, diese ganze einfach anderen über das Smartphone zugänglich zu machen.
 
Wir haben uns also an die Entwicklung von ersten Prototypen gemacht. Von Anfang an war klar, dass unser Produkt für alle zugänglich sein und möglichst wenig technische Barrieren mit sich bringen soll. Das bedeutete in unserem Fall, dass wir eine Carsharing-Lösung ohne Schlüsselübergabe entwickeln wollten. Mit anfangs nur einer handvoll Mitarbeitern haben wir das Projekt aufgebaut, strukturiert und strategisch geplant, Investoren gesucht und Businesspläne geschrieben.
 
Können Sie mir ein paar Eckzahlen zu Sharoo nenenen?
Die Carsharing-Plattform mit der "Sharoo Box" als Herzstück wurde seit 2011 von M-Way entwickelt. Die Sharoo AG wurde im Herbst 2013 gegründet. Die Lancierung erfolgte dann im Mai 2014 in der Deutschschweiz und rund ein Jahr später in der Westschweiz. Aktuell sind wir 19 Mitarbeitende, wovon ein Teil auch Freelancer und Teilzeitmitarbeiter sind. Derzeit zählen wir 24'000 Nutzer und 900 Autos, die auf der Plattform zur Verfügung stehen. Es kommen tägliche neue Kunden und Autos dazu. Wir befinden uns in einer sehr starken Wachstumsphase.
 
Was hat sich seit dem Start getan?
Parallel zur Lancierung von Sharoo ging es auch darum, das Team und die operativen Prozesse aufzusetzen und natürlich das Produkt laufend weiterzuentwickeln. Mit diesen Punkten beschäftigen wir uns bis heute und arbeiten daran, Sharoo jede Woche noch besser zu machen.
 
Wie beurteilen Sie den Markt in der Schweiz? Ist dieser nicht zu klein?
Der Markt Schweiz bietet mit 4,5 Millionen Personenwagen und über fünf Millionen Führerausweisbesitzern grosses Potential. Ein wirklich spannender Markt. Zudem erleben wir Herr und Frau Schweizer sehr aufgeschlossen gegenüber neuen Mobilitätsformen. Täglich kommen neue Kunden hinzu. Die Zielsetzung von Sharoo ist es, Teile des Marktwachstums im Bereich des Carsharings zu absorbieren. Für die kommenden fünf Jahre prognostiziert unter anderem Boston Consulting eine Versechsfachung der Sharing-Nutzerzahlen. Wir fokussieren somit selbstbewusst auf das eigene Wachstum im Zuge dieser positiven Gesamtmarktentwicklung.
 
Seit Herbst sind Sie in Liechtenstein unterwegs? Wie läuft es dort? Und gibt es weitere Märkte, in die Sie expandieren möchten?
Liechtenstein ist ein erstes Projekt ausserhalb der Schweizer Landesgrenzen, das sich gut entwickelt. Zu einer allfälligen
Screenshot der Sharoo-App.
Auslandsexpansion kann ich momentan keine Aussage machen.
 
Und wie sehen allgemein die nächsten Schritte von Sharoo aus? Können Sie hier schon mehr verraten?
Wachstum - wir wollen mit Sharoo in den nächsten Jahren den Schweizer Markt erobern. Ende 2018 wollen wir bereits 10'000 Autos über die Plattform anbieten. Gefühlt wird man dann in urbanen Regionen an jeder Strassenecke ein Sharoo-Auto sehen.
 
Man hört aus Startup-Szene immer wieder, dass in der Schweiz die Anschlussfinanzierung ein Problem ist. Insbesondere wenn es um grössere Summen geht, sind die Kapitalgeber scheu. Wie ist hier Ihre Erfahrung?
Unsere bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv. Die Migros hat uns von Anfang an die Chance gegeben, die Idee zu entwickeln und als das Potential deutlicher wurde, Sharoo in eine eigene Einheit zu überführen und entsprechend zu finanzieren.
 
Wichtig in unserem Falle ist, dass wir mit Sharoo ein neues Produkt und ein damit verbundenes neues Gedankengut in den Markt bringen. In den ersten Jahren geht es also darum, ein neues Geschäftsmodell aufzubauen und die Ertragsmechanik zu verstehen. Auf diesem - manchmal auch harten Weg - braucht es langfristige, strategische Partner, die auch im Falle einer Anschlussfinanzierung das grosse Ziel nicht aus dem Blick verlieren.
 
Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen? Sollen es noch mehr werden?
Getragen wird Sharoo von Migros als Mehrheitsaktionär, Mobiliar, Amag und Mobility.
 
Was können Sie mir zur technischen Seite der Plattform sagen?
Die Plattform ist eine In-House-Entwicklung, wobei wir auch immer wieder auf externe Ressourcen zurückgreifen, welche uns punktuell unterstützen. Die Sharoo-Box ist in den Autos eingebaut und erlaubt das Öffnen uns Schliessen der Fahrzeuge mittels Smartphone, respektive Bluetooth. Somit müssen sich die Vermieter und Mieter der Fahrzeuge nicht zur Schlüsselübergabe treffen.
 
Welche Funktionen bietet die Plattform und sind weitere in Planung?
Aus Kundensicht umfasst die Plattform sämtliche Prozesse die man als Vermieter eines Autos benötigt. Dazu gehört die Registrierung des Autos, die Preissetzung sowie das Handling der Vermietungen. Der Mieter kann Autos suchen, buchen und über sein Smartphone öffnen. Dann gibt es natürlich noch diverse weitere Funktionen wie beispielsweise das Bewertungssystem und die Nachrichtenfunktion. Es kommen laufend neue Funktionalitäten dazu, oft aber auch Optimierungen der bereits Bestehenden.
 
Was kann die Sharoo-App alles?
Die Apps für iPhone und Android, sind momentan vor allem auf die Mieter ausgerichtet. Also für das Suchen, Buchen und Öffnen von Autos. Wir arbeiten aber an einer erweiterten Version, die dann alle Prozesse abdecken wird.
 
Wenn Sie einem frischgebackenem Startup einen Tipp geben könnten, was wäre das?
Erfolgsfaktor Nummer Eins ist aus meiner Sicht das Team. Nur mit einem hochmotivierten Team, in dem jeder Einzelne alles gibt, kann Grosses erreicht werden. Weiter gilt es, das "Big Picture" nie aus den Augen zu verlieren, durchzuhalten und auch Zwischenerfolge zu erkennen und feiern. (Interview Katharina Jochum)
 
Carmen Spielmann wird mit Sharoo am Event "Silicon Valley Meets Switzerland" am 31. März im Technopark Zürich vertreten sein. Inside-it.ch-Chefredaktor und -Partner Christoph Hugenschmidt ist dabei an einer Panel-Diskussion zum Thema "Innovations in Switzerland" beteiligt.