Die wundersame Welt der Bundes-Apps

Beim Bund wird aus 22 Fragen eine Quiz-App für 47'000 Franken. Und das Hochladen eines Textdokuments in den App Store kostet schon mal 100'000 Franken.
 
Das 'SRF' hat alle Mobile Apps des Bundes zusammengetragen und sie in einer Tabelle mit Kosten und Downloads gelistet.
 
Die Anstalt bemerkt, dass vor allem etwas fehle: Ein Konzept. «Es fehlt eine gemeinsame Strategie», sagt der bekannte E-Gov-Spezialist und Behördenkritiker Matthias Stürmer von der Universität Bern gegenüber SRF.
 
Was auch auffällt: Oft ist nicht klar, wofür Entwicklungsgelder gezahlt wurden oder wieso eine kleine App mit zahlreichen Features aufgebläht wird. Etwa beim VBS, das für einen PDF Viewer, der zwei Dokumente zur Ansicht bietet, 8000 Franken bezahlt hat. Die App, die nur für iOS verfügbar ist, hört auf den Namen "WZ PM VBS" (Wissenszentrum Projektmanagement VBS) und verzeichnet laut VBS bis heute 700 Downloads.
 
Gegenüber dem SRF sagt das VBS, am beliebtesten sei die Propaganda-App 'Patrouille Suisse', die nebst iOS auch auf Android geboten wird. Trotzdem kommt sie nicht über 16'000 Downloads hinaus. Bei Kosten von 153'000 Franken macht das knapp zehn Franken pro Download.
 
Etwas sinnvoller scheint die App 'Dienstgradabzeichen'. Schliesslich muss jeder Soldat irgendwann in einem Test beweisen, dass er einen Grossteil der 24 Dienstgrade der Schweizer Armee erkennen kann: 24 Bilder mit 24 Textzeilen also. Möchte man meinen. Tatsächlich wurde daraus eine App mit Handbuch, Lern-Welt aus fünf (!) Levels, in Bild- und Text-Kategorien unterteilte Quiz-Herausforderungen und ein Austausch-Album fürs Sammeln von irgendwelchen digitalen Abzeichen (Entwickler VBS hat bereits ein volles Album). Immerhin darf man neben den Dienstgraden auch noch 22 Truppengattungen lernen. Und wer ganz fleissig ist, kann dasselbe auch noch mit den deutschen und den österreichischen Graden und Gattungen wiederholen. Macht 47'000 Franken Entwicklungskosten bei 32'000 Downloads. Immerhin gibt’s den Quiz-Spass neben iOS auch für Android. Wieso dieser Aufwand betrieben wird, hat inside-it.ch das VBS am Dienstag gefragt, eine Antwort steht noch aus.
 
Noch mehr Mysterien
Ein Mysterium bleibt dafür die mit 750 Franken nur vermeintlich günstige App forumS von VBS und BABS. Die bisher nur 350 Downloads laufen auf einen Entwicklungspreis von über zwei Franken pro Download hinaus. Wozu sie gut ist, bleibt unklar. Denn auch nach ausgedehnter Suche kann sie nirgends gefunden werden. Vielleicht war sie nur für eine Veranstaltung online, vielleicht wurde sie zurückgezogen, vielleicht ist sie einfach unauffindbar, weil etwas, das forums heisst, im Internet einfach ziemlich viel Konkurrenz hat.
 
Rätselhaft bleiben auch einige Arbeiten des EDA. Die englischsprachige App Women's Human Rights richtet sich an UNO-Mitarbeiter und kostet bei 148'100 Franken Entwicklungsaufwand fast 30 Franken pro Download. Obwohl sie sich an die Mitarbeiter der Uno richtet, taucht deren Logo in der App an keiner Stelle auf. Ob die Organisation überhaupt etwas von ihrem App-Glück weiss? inside-it.ch hat beim EDA am Dienstag nachgefragt, eine Antwort steht noch aus.

Auch das SRF setzt Fragezeichen. So bestehe die App "Uno-Handbuch" aus einem einzigen Text-Dokument, habe aber über 100'000 Franken gekostet.
 
Meteo Swiss schlägt alle
Grosses Highlight ist Meteo Swiss. Mit 310'000 Franken Kosten ist sie zweitteuerste App des Bundes. Doch dank 4,3 Millionen Downloads kommt sie auf nur gerade sieben Rappen Aufwand pro Download. Mit durchschnittlich 380'000 Nutzern pro Tag ist es zudem die meistgenutzte App des Bundes. Die teuerste Einzelproduktion ist übrigens der "Smoke Free Buddy" mit 375'000 Franken absoluten Kosten oder 15 Franken pro Download.
 
Insgesamt hat der Bund laut Recherche vom 'SRF' rund drei Millionen Franken in die Entwicklung von Apps investiert. Pro App beläuft sich der durchschnittliche Aufwand auf 64'000 Franken. (mik)